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Berlin | Deutschland | Samstag - 13.02.2020 - 07:23 - GOOGLE MAPS 
39 Angenehm kühlDie spontane kleine Reise ist leider schon wieder vorbei, ich bin gut in Berlin angekommen, es ist nach Goa angenehm frisch hier und es gibt eine Badewanne und ordentlichen Kaffee und Hörnchen. Auch schön.
Im Rückblick war es manchmal irritierend, aber immer mindestens 'interessant' und in Teilen auch einfach nur sehr schön. Meine Highlights waren Ellora, Hampi und Orchha, Orte, die ich mir sicherlich noch einmal anschauen würde.
Sobald die Inder flächendeckend den Elektromotor einführen, das Hupen verbieten und anfangen ihre Laken ordentlich zu waschen fahre ich bestimmt nochmal hin. Verbesserungsvorschläge: Im Norden könnte es im Januar etwas wärmer sein und im Süden etwas kühler, und das Meer ist etwas zu laut in der Nacht, wie alle unisono aus den Hütten der ersten Strandreihe in Agonda/Goa festgestellt haben.
Was sonst bleibt: Reisen mit Handgepäck ist in jedem Fall empfehlenswert.
1 Woche mehr wäre sicherlich perfekt gewesen, ein paar wenige Tempel und Forts habe ich so leider verpasst. Vielleicht schaffe ich das beim nächsten mal, falls es das gibt. ---> Karte
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Mumbai | Indien | Dienstag - 11.02.2020 - 16:37 - GOOGLE MAPS 
38 Hitzestau

Ganz gut geschlafen, im Gemeinschaftsbad frischgemacht, und Frühstück mit härtestmöglich gekochten Eiern, Toast und Marmelade. Es ist ein professionelles Hostel, ich kann mein Gepäck abstellen und abends sogar nochmal duschen. Im Gegensatz zu sonst sitzen hier eine Menge hippe oder wahlweise kaputte Leute rum und führen hippe Backpackergespräche. Es sind diesmal sogar einige Inder darunter, die sich sonst eher in den Hptels von den Touristen fernhalten. Ich bin vollkommen zerstochen stelle ich fest, im Gegensatz z.B. zum Frankfurter, der mir aber trotzdem wieder mal andauernd, wie fast alle Leute um mich rum erklärt, dass er voll der Mückenmagnet ist. Ich kann es wirklich nicht mehr hören.

Mache mich gegen Mittag auf den Weg, quäle mich über die große lebensgefährliche Straßenkreuzung um die Ecke und 1,5 km zur S-Bahn. Diese sieht wieder aus wie ein Kriegsgefangenentransporter mit der kargen Einrichtung und den schiefen Stahljalousien. An der Decke hängen lauter Edelstahlgriffe und -propeller und einzelne Abteile sind innerhalb des Waggons mit massiven Edelstahlgittern abgetrennt, das hat auch was von einer Folterkammer. Der rustikale Notfallgriff sieht eher aus wie eine Handgranate. Es gibt scheinbar sogar mehrere Klassen sowie reine Frauen- und Seniorenabteile und Gepäckwagen. Verbotsschilder weisen darauf hin, wenn man gefährliche Güter mitbringt, wird das mit 3 Jahren Gefängnis und/oder 1000 Rupien, also ca. 10 €, bestraft.

Ich fahre erstmal zur größten Freiluftwaschanlage der Welt. Das ist seit über 100 Jahren ein ganzes Wäscherviertel, wo gemäß Führer auch die Wäsche einiger großer Hotels mit der Hand in großen Natronbecken per Hand gewaschen wird. ‚Zufällig‘ befindet sich eine Aussichtsplattform genau über dem Viertel, ist also wieder mal voll der Geheimtipp. Über dem ganzen fliegen ganze Schwärme von großen Raubvögeln, im Hintergrund stehen Wolkenkratzer. Das bildet ganz gut die Stadt ab. Einerseits ist sie offensichtlich ziemlich reich, auch den sichtbaren Leuten in der Bahn gehts augenscheinlich nicht schlecht. Im Gegensatz zum Rest des Landes, wo ich eher noch viele vorsintflutliche Handys und sonstige Technik gesehen habe, sind hier z.B. nur modernste Smartphones in Gebrauch. Zwischen den Bahnschienen und an den Straßenrändern wohnen wiederum eine Menge Leute in einfachsten Wellblechverschlägen zwischen Müllbergen und mitten in der Stadt gibt es den zweitgrößten Slum der Welt.

Anschliessend fahre ich zum Hauptbahnhof, der soll sehenswert sein, und das ist er auch. Ein vollkommen absurdes Gebäude im indo-neogotischen Stil, direkt aus einem Albtraum von Edgar Wallace. Es gibt Türmchen hier und da, spitze Bögen und eine Menge feiner, äußerst verspielter Verzierungen. In den Bögen sind lauter Blumen, 'Ananässe', kleine Füchse, Mungos die Schlangen beissen, Hunde die irgendwas beissen, Lemuren usw. eingearbeitet. Ich frage mich die ganze Zeit, wer baut sowas und warum, aber es macht Spaß sich das anzuschauen. Anschließend laufe ich geruhsam zum Gateway of India. Ein grotesk großer Begrüßungsbogen für irgendeinen König am Hafen auf einer großen Freifläche, offensichtlich ist das eine große Nummer bei den Einheimischen. Um den Bogen ist es ziemlich voll und das, obwohl es überhaupt keinen Schatten gibt. Es ist total angesagt sich ein Fernglas zu leihen und wissend ins Hafenbecken zu starren. Ich muss ziemlich bald aus der Sonne. Es ist so dermaßen heiß, dass ich es ohne Schatten bald nicht mehr aushalte.

Anschließend schleppe ich mich durch die Straßen im angrenzenden Viertel und sehe einige nette Kolonialbauten. Das Elphinstone College sieht aus wie die Schule von Harry Potter, die danebenliegende Bibliothek wie das Haus von Frankenstein. Den Besuch des ehemaligen Prince of Wales Museums wähle ich ab, ich schaue mir nur den großen Buddhakopf im Garten an, genauso wie ich auf die Höhlentempel auf Elephanta Island verzichte. Das hebe ich mir fürs nächstemal auf. Zwischen den größeren Achsen mit den Prunkbauten liegen die üblichen kleinen Wohn- und Marktstraßen. Ich sehe sogar eine Synagoge mit blau weißer Fassade und irgendwo eine kleine Moschee. Es ist belebt und macht Spaß hier rumzulaufen und zu gucken, solange es Schatten gibt. Überall nette Essensstände und Läden. Vor einem ruinösen Riesenbau stehen Buchhändler mit tausenden aufgestapelten, wahrscheinlich selbstgedruckten Büchern.

Gegen 17:30 bin ich durch und laufe wieder zum Bahnhof. Tickets gibts auf Zuruf, das Finden des richtigen Gleises ist schwieriger. Es ist unglaublich voll und es sind wirklich unglaublich viele Gleise. Google maps hilft, zeigt mir den Umsteigebahnhof als erstes Ziel und sogar die Abfahrtszeit, und dann finde ich irgendwann doch noch ein paar lesbare Anzeigetafeln. Das Aussteigen nach zwei Stationen geht allerdings vollkommen schief. Ich weiß jetzt, wieso die einheimischen Männer immer schon bei der Einfahrt außen in den Türen hängen. Der Zug fährt noch, da springen mehrere Männer schon rein und reißen mich praktisch um, das ist vollkommen sinnlos, da es eh keine freien Plätze im Wagen gibt. Ich schlage, trete und schreie mich irgendwie raus. Danach mit googlemaps auf den nächsten Bahnsteig, den hätte ich vermutlich ohne App niemals gefunden, da er etwas abseits liegt und es keine Beschilderung gibt, und im Stehen in der noch kargeren zweiten Klasse zwischen großen Päckchen und Paketen nach Hause. Im Highwayladen von gestern nochmal Paneer und Alu Gobi, danach duschen im Hostel und noch 3 Stunden relaxen. Jetzt hoffe ich nur, dass der Orkan in Deutschland bereits durch ist und ich nicht den Coronavirus habe.


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Mumbai | Indien | Dienstag - 11.02.2020 - 07:04 - GOOGLE MAPS 
37 Tücken der Buchung 2

Was für ein Misttag, so kurz vor Schluß. Morgens mal sehr früh ans Wasser gegangen, aber es sind keine Delphine da. Mein Magen ist erstmalig etwas durch, vielleicht hätte ich mir gestern die Eiscreme sparen sollen. Kein Grund nicht ein letztes mal auf der eigenen Terrasse zu frühstücken. Anschließend mit dem Taxi knapp 1,5 Stunden nach Goa Velha zum Flughafen. Ich hätte das auch mit 3 local Bussen machen können, aber irgendwann reichts auch mal. Der Frankfurter Macher hängt derweil fest, sein geliehenes Motorrad, natürlich eine alte Royal Enfield, hat auf der Hinfahrt schon zweimal gebrannt und will jetzt gar nicht mehr.

Am Flughafen dann für mich die böse Überraschung. Ich dachte ich hätte gebucht, aber es war wohl nur eine Reservierung, da der online-Bezahlprozess nicht geklappt hat. Ich bin mir sicher, dass ich eine Bestätigung gesehen hatte, und die Bestätigung per Mail sieht original aus wie eins der örtlichen Flugtickets, die ich ja schon zur Genüge hatte. Ich habe allerdings vor 3 Tagen auch eine Mail bekommen, dass eine meiner Kreditkarten aus unerfindlichen Gründen gesperrt wurde, das habe ich nicht ernst genommen. Ich frage mich nur, warum ich eine Bestätigung der Bank angezeigt bekomme, wenn es eigentlich nicht funktioniert.

Bekomme immerhin den Tipp, zum Buchungsschalter von Air India außerhalb des Gebäudes zu gehen, werde aber zunächst von einem aggressiven Soldaten nicht rausgelassen, wir keifen uns ein bisschen an. Dann muss ich erstmal von einer Angestellten von Spicejet aus dem Hausbuch ausgetragen werden, das ist wirklich wie im Osten.

Ich bekomme tatsächlich mit meiner anderen Kreditkarte spontan einen Flug nach Mumbai, leider erst 4 Stunden später, dafür immerhin 30 € billiger. Sitze also endlos lange in dem grauen, öden Zweckgebäude rum. Zum genannten Startzeitpunkt passiert dann erstmal gar nichts, Informationen gibts ebenfalls lange nicht, letztendlich hat der Flug auch noch 1,5 Stunden Verspätung. Ein verschenkter Tag, da hätte ich schön entspannt den halben Tag im Wasser liegen können.

Mumbai wirkt beim Anflug von oben im Dunkeln sehr spacig, ein riesiges, halbwegs geordnetes Lichtermeer direkt am Meer, entlang mehrerer lang geschwungener Buchten. Hole mir direkt ein Olataxi und finde mit Anruf des Taxifahrers in der Unterkunft auch irgendwann das Hostel in einer Gegend ohne Touristen, nur ein paar Kilometer vom Flughafen entfernt. Es ist inzwischen 23:00. Gehe nochmal raus und esse in einem sehr belebten Foodstall, in welchen sich den Blicken aller Anwesenden nach zu schließen selten Touristen verlaufen, direkt neben dem Highway ein schön scharfes Vegetable Biryani. Also ein toller Tag in Mumbai.

Da nicht viel abzubilden ist, mal zur Ergänzung ein paar erste Bilder aus der Kamera vom Tag und Abend mit der deutsch-brittischen Interessengemeinschaft in Jaipur.


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Agonda | Indien | Sonntag - 09.02.2020 - 14:35 - GOOGLE MAPS 
36 diverse Strände

Was bleibt vom Abend vorher, Kopfschmerzen, ein diffuses Gefühl im Magen und viele Mückenstiche. Trotzdem irgendwann Frühstück am Strand. Danach leihe ich mir ein Moped und fahre ein bisschen in der Gegend rum. Es gibt in der Nähe einen anderen großen Strand, Palolem. Dieser ist gegen unser Seniorenheim der pralle Partystrand, dabei gilt er auch noch als ruhig. Es klingen Bässe durch, überall Liegen und Schirme, Händler, Massasch-massasch. Ich bin erstmal vollkommen verschreckt, nach 3 Tagen praktisch vollkommener Ruhe. Am Ende des Strandes gibt es noch eine kleine Steinbucht und das war es dann auch schon. Ich habe mit meinem Strand für die rüstigen Senioren jedenfalls eine gute Wahl getroffen. Wie in meiner Bucht stehen hier alle 30 m zwei bis drei Mülltonnen mittig auf dem Strand. Das ist zwar löblich und führt zu unglaublich sauberen Stränden, mindert aber leider in beiden Fällen etwas den Gesamteindruck.

Danach fahre ich in 30 Minuten zum Cola-Beach. Die letzten 2 Kilometer gehts leider durch bucklige staubige Sandpiste steil hoch und runter. Die Bucht ist tatsächlich sehr schön. Es gibt nur wenige Hütten, und diese wenigen sind schmuck in den Hang hochgebaut. Ansonsten ein Restaurant und eine leicht versandete Lagune, so dass man sich entscheiden kann, ob man im Meer oder in der Lagune schwimmt. Überall liegen Felsen rum, leider auch im Wasser. Es finden viele Fototermine statt, auf gefühlt jedem zweiten Felsen räkelt sich lasziv eine geradeso bis wenig bekleidete russische Influencerin. Nehme im Restaurant einen Bananapancake als Reminiszens an alte Thailandurlaube und fahre dann mit dem Bike sehr vorsichtig die steile Staubpiste zurück. Anschließend das volle anstrengende Programm, baden, lesen, trinken, baden, Tiere am Strand beobachten, alte Männer beim Erstellen von schönen Mandalas im Sand beobachten, Selfies mit Kühen machen, Pferde im Sonnenuntergang vorbeiziehen sehen…

Abends nochmal mit den beiden benachbarten Pärchen zu einem besseren Restaurant mit Fischauslage und Dessertkarte. Vorher ein Bier in einer nepalesisch geschmückten Bar mit entspannter, live gespielter, esoterischer Trommel- und Steelpanbegleitung. Danach perfekte scharfe Chillieaubergine als Vorspeise, mittleres Gemüsecurry und einige Biere.

Morgen gehts nach Mumbai, das Ende ist nah.


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Agonda | Indien | Sonntag - 09.02.2020 - 04:58 - GOOGLE MAPS 
35 Erholungsarbeit

Ein Tag mit anstrengender Erholungsarbeit liegt hinter mir. Frühstück am Strand, dann geht praktisch der ganze Vormittag für die Reiseplanung drauf. Nachtzüge sind alle voll, Warteliste und Warteliste zwei dafür sind mir zu unsicher, Nachtbus will ich nach der letzten Erfahrung erstmal nicht mehr, also versuche ich einen Flug zu buchen. Leider kann ich alle gefundenen vernünftigen online nicht buchen oder die Preise sind auf einmal viel höher. Am Ende buche ich einen Flug für Montag, frühen Nachmittag, ich verlänger also den Strand um einen Tag und verkürze Mumbai, das fühlt sich inzwischen richtig gut an.

Anschließend lesen, trinken, essen, baden, trinken, lesen, baden. Auf der Terasse neben mir streichelt die Irin ihre neue Klangschale. Abends schlender ich zum Plateau, diesmal bin ich fast allein, keine Musik. In einigen Ecken sitzen Leute rum und meditieren oder machen Yoga. Sehe einen alten Mann, der am Strand sein Fischernetz auswirft und beobachte eine Menge Seeadler, die direkt am, bzw. über dem Strand rumtollen, scheinbar fangen spielen, und manchmal senkrecht auf den Strand zustoßen. Das ist sehr eindrucksvoll. Ich komme an mehreren Gruppen vorbei, die am Strand Fussball spielen, was ungewöhnlich ist, sonst wird eigentlich immer Cricket gespielt.

Am Abend lädt ein sehr gesprächiger Frankfurter Projektmanager von 3 Bungalows weiter dazu ein, am Strand seine Flasche duty free Cranberry Rum mit Sprite zu teilen, sein lautstark beworbenes Spezialgetränk. Das tun wir, gemeinsam mit den Iren. Der Frankfurter dreht auch noch ein paar special Zigaretten, mein englisch verschwindet langsam, genauso wie die Flasche, als die alle ist holt der Ire beim Wineshop um die Ecke noch billige, doppelt so harte und womöglich noch süßere Imitate in Plasteflaschen. Dazu ein paar Bier. Was man so erfährt: Die Irin kann nicht schwimmen. Die Freundin des Frankfurters ist Iranerin, Christin, darf nicht mehr zurück und hat ihre Eltern und sonstige Familie seit Jahren nicht gesehen. Sie hat gerade so ein 28 Tage Visum für Indien bekommen, mit Offenlegung aller Bezüge und Vorweisung von Hin- und Rückflugticket. Wenn ich daran denke, dass ich mit ein paar Klicks im Internationalen Netz ein 1 Jahresvisum bekommen habe, fühle ich mich irgendwie schlecht. Immerhin hat sie als einzige vor Ort schon einen Delphin gesehen, direkt vor unseren Bungalows am Strand, allerdings sehr früh am Morgen. Schildkröten sollen hier auch irgendwo ihre Eier ablegen, das ist mir bisher aber auch noch nicht aufgefallen. Dafür flattert irgendwann abends ein riesiger Flughund über uns herum.

Irgendwann gehts schleppend in den Bungalow.


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Stefan -
09.02.2020 - 11:25:28 Uhr

Die Kühe am Strand sehen aber besser aus als die in den indischen Städten. Vielleicht klappt ja noch mal ein Selfie mit Kuh. Schönen Flug nach Mumbai. Bleib tapfer.


Agonda | Indien | Samstag - 08.02.2020 - 12:28 - GOOGLE MAPS 
34 verdiente Langeweile

Es ist wirklich ein wenig langweilig hier, aber auf eine tolle, entspannte Art. Frühstück am Strand, danach Hütte gewechselt, jetzt in der ersten Reihe, bessere, viel größere Hütte, leider stinkts etwas. Kaufe mir am Abend Räucherstäbchen und setze sie intensiv ein, so geht es.

Laufe tagsüber mal zum rechten Ende der Bucht, hinter einer Lagune und einem beurwaldeten Hügel soll noch eine schöne andere Bucht liegen. Durchwate die hüfthohe Lagune mit starker Strömung, komme aber mit Badelatschen nicht den Berg hoch, vor allem, nachdem ich feststelle, dass der Bewuchs fingerlange Dornen hat. Sichte eine sehr gepflegte und in sich ruhende Kuhherde am Strand, alle individuell bemalt.

Laufe am späteren Nachmittag zum linken Ende und finde ein sehr dekoratives Felsplateau, auf dem sich einige Touristen versammeln. Kurz vor Sonnenuntergang spielt hier ein Mann leicht verstärkt Gitarre, eine Art monotonen HypnoFolk. Alle lauschen andächtig und warten bis die Sonne exakt mit dem letzten Gittarenklang ins Meer fällt. Unter mir bouldern 2 Touristen an für mich nicht wahrnehmbaren Griffen durch die Felsen.

Laufe danach die eine vorhandene Straße lang und lande zufällig am Tisch meiner neuen Bungalownachbarn aus Irland. Sie erzählen mir in einem sehr eigenwilligen Englisch, dass sie tagsüber eine Bootstour hatten, auf der sie eine Gruppe von zwanzig bis dreißig Seeadler gefüttert hatten, mit frisch abgeschlagenen Hühnerköpfen, die man den um sie rumflatternden Adlern zuwerfen musste. Keine sehr vegane Freizeitbeschäftigung, die Fotos und Videos sahen sehr blutrünstig aus. Er isst 2 Hummer, die er den Tag vorher bestellen musste. Sie sind ausgehölt und der Inhalt als Curry wieder reingestopft. Der Konsument ist nicht ganz überzeugt. Ich esse ein Paneer Curry, wie immer, das finde ich weiterhin sehr befriedigend. Danach noch ein Bier auf der eigenen Terrasse, das wars schon.


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Agonda | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 09:56 - GOOGLE MAPS 
33 Bus hin und her

Der Bus fährt mit einer Stunde Verspätung los. Ich habe diesmal ein oberes Einzelbett gebucht und es ist ganz schön eng. Dafür schön warm, aber die AC arbeitet. Die Straße muss unglaublich schlecht sein, ab und an habe ich das Gefühl, ich werde 1 m hochgehoben bzw. fallengelassen, oder es stuckert minutenlang heftig, bis ich denke ich habe eine Gehirnerschütterung. Zweimal falle ich fast aus dem Bett in den Kurven, zum Glück ist eine senkrechte Stahlstange am Einstieg montiert. Ich soll um Vier Uhr früh ankommen, aber aufgrund der Verzögerung ist unklar wann wir tatsächlich da sind. Stehe um halb fünf auf und setze mich unten hin. Leider verschlafe ich trotzdem den Ausstieg durch einen kurzen Sekundenschlaf, da der Fahrer auf den dunklen leeren Straßen gerade voll durchjagt. Als ich mühsam in die Halterungen verkrallt nach vorne robbe, der Bus wackelt und schlenkert extrem, es fühlt sich an wie in einer voll beschleunigten Achterbahn, sagt mir der Fahrer, dass bei mir Goa in seiner Liste steht. Nächster Halt ist erst 30 km weiter. Mist. Neben mir steht auch noch eine andere Deutsche, der geht es genauso. Ich sehe auch bei keinem der anderen Touristen irgendeinen Ortsnamen auf der Liste, sie werden also alle pauschal in Goa Stadt rausgelassen und werden sich sicherlich sehr darüber freuen. Die Küste ist jedoch tatsächlich über 100 km lang mit diversen Orten an den vielen Stränden und alles wird nur aus Marketinggründen Goa genannt. Nach weiteren 30 Minuten werden wir zu zweit stinksauer im nächsten größeren Ort aus dem praktisch noch rollenden Bus rausgeschmissen. Neben dem Bus ist absurderweise eine 24 Stunden geöffnete Cafebar. Wir gehen rein und hinter der Theke liegen wirklich 2 Angestellte schlafend auf dem Boden. So bekommen wir wenigstens einen heißen Kaffee morgens gegen 5:00. Jeanine aus Köln ist seit 6 Monaten in Australien und Fidschi unterwegs und besucht hier noch 3 Wochen eine Freundin, allerdings an einem benachbarten Strand. Gegenüber liegt direkt der örtliche Busbahnhof, ich frage mal nach und siehe da, in 20 Minuten fährt ein localbus für ein paar Cent zu unserem ursprünglichen Ziel zurück. Den nehmen wir, sogar mit Sitzplatz, es wird im Laufe der Zeit allerdings ziemlich voll und ungemütlich. Nach ca. 1 Stunde sind wir zurück und jeder nimmt von hier wiederum seinen Bus zum jeweiligen Strand, das Ganze hat uns also ca. 2 Stunden und ein paar Nerven gekostet.

Ich laufe zum Guesthouse und werde überrascht beäugt, weil ich so früh da bin. Das Zimmer gibt es immerhin, aber es ist leider erst ab 11:30 frei. Ich sitze also 3 Stunden am Strand, esse Frühstück und bade ein bisschen. Döse auch ein wenig weg und bin gegen Mittag bereits etwas angebrannt. Ich hatte mich für den Senioren- und Familienstrand entschieden, Ruhe, Entspannung. Das ist es auch, man könnte sagen es ist sogar etwas langweilig. Das Hinterland, bzw. die eine vorhandene Straße, ist ziemlich verdreckt, dafür ist der Strand sehr sauber, er wird auch den ganzen Tag von Frauen mit langen Bastbesen gefegt. Alle 30 m stehen mehrere Mülleimer repräsentativ am Strand rum. Der Strand ist eine lange geschwungende breite Sandbucht mit hellem Sand, leichtem rückseitigem Bewuchs mit Palmen, halbwegs klarem Wasser mit leichten Wellen am Einstieg und ohne nennenswerte Strömung. Der Strand ist nicht so schön und aufregend wie meine letzten in Sri Lanka, dafür badet es sich wirklich sehr entspannt ohne andauernden Überlebenskampf. Es ist allerdings sehr heiß und gibt wenig Schatten. Ich werde hier wahrscheinlich drei Tage bleiben. Die Hütten sind sehr basic. Roh zusammengezimmerte Holzhütten mit Linoleumbelag. Der Wasserdruck und das Wlan tendieren gegen Null. Ich denke aber es wird schon gehen, die Wäsche ist zumindest annehmbar. Im Ort gab es ohnehin kaum etwas mit besseren Kritiken, insofern denke ich, alles sieht ähnlich aus. Ich wohne leider in zweiter Reihe, mit Blick auf die hässliche Rückseite der engstehenden, vorderen Bungalows, vielleicht investiere ich morgen nochmal in einen Meerblick.

Ich hänge den ganzen Tag in den Seilen. Die Busfahrt war doch sehr anstrengend. Laufe zum Sonnenuntergang immerhin einmal links ans Ende der Bucht, überall sitzen Leute und machen Yoga oder meditieren, die Einheimischen gehen bis oben zugeknöpft ins Wasser. Keine Musik, keine Party, alles sehr entspannt.


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Nicole -
10.02.2020 - 19:40:33 Uhr
Beste Selfie mit Kuh! Vielen Dank! Kaum zu glauben, dass die 5 Wochen schon fast vorbei sind. Was lesen wir nur dann immer zum Frühstück oder abends beim Wein/ Bier?

Genieße Deine letzten Stunden!
Stefan -
09.02.2020 - 11:23:56 Uhr
Die Kühe am Strand sehen aber besser aus als die in den indischen Städten. Vielleicht klappt ja noch mal ein Selfie mit Kuh. Schönen Flug mach Mumbai. Bleib tapfer.
Nicole -
06.02.2020 - 19:28:40 Uhr
Sieht sehr entspannt aus. Dann lass mal die Seele baumeln...vielleicht doch noch einmal Yoga? Ansonsten legst Du dich zu den Kühen.. apropos, bitte ein Selfie mit Kuh bei Sonnenuntergang! Und nimm Dir eine Hütte in der ersten Reihe!
Hampi | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 07:36 - GOOGLE MAPS 
32 Wasserfall

Ich stehe geruhsam auf und werde tatsächlich um 10 vor 9 daran erinnert, dass ich jetzt raus muss. Gebe mein Gepäck ab und gehe ganz langsam frühstücken, auf dem Bastdach über mir toben die Affen rum. Nach 2 Stunden entscheide ich mich, ein bisschen am Fluss langzulaufen, da ich den noch gar nicht gesehen habe. Sehe die Fährstelle, ein nettes Flussufer mit großen Felsen, alles leider etwas verdreckt, einen Einheimischen, der sein Fahrrad bis zur Hüfte im Wasser durchs Wasser schiebt, einen anderen der in der Bracke angelt. Gehe langsam immer weiter, bis es nicht mehr geht und biege dann ins Land ab, bis mir wieder mal jemand an einer staubigen Strassenkreuzung mitten im Nichts Hasch verkaufen will. Will ich nicht, aber er sagt noch ‚Wasserfälle‘ und deutet in eine Richtung. Stimmt, ich hatte was gelesen. Also laufe ich 30 Minuten in voller Hitze erst eine Straße neben Bananenplantagen, dann einen Trampelpfad in Bananenplantagen und anschließend wild durch die Plantage. Ich treffe irgendwann aufs Flussufer und komme auf Steinen über den Fluss auf eine Mittelinsel. Hier hütet ein Junge die örtlichen Tempelkühe, eine große muhende Herde mitten im Wald, sie werden gehütet und es wird Milch genommen erklärt er mir. Hinter der Insel lehne ich mitten im Nirgendwo ein Führerangebot ab, was ich relativ bald überdenke. Mein googlemaps zeigt mir die ganze Zeit, dass ich eigentlich bereits mitten im Fluss bin, scheinbar ist der Wasserstand gerade relativ niedrig. Überall liegen Kiesel in Hausgröße kreuz und quer. Es macht Spaß hier rumzuklettern, aber man sieht weit und breit keine Menschen und keine Wasserfälle, nur ein paar schöne Becken mit stillem Wasser. Ich möchte hier nicht mit gebrochenem Bein rumliegen, es ist wirklich niemand weiter unterwegs. Leider ist auch mein Wasser alle, das war alles etwas sehr spontan und es wird immer heißer. Es ist aber auch traumhaft schön und total ruhig. Um mich taumeln große bunte Schmetterlinge und schwirren überdimensionierte Libellen. Nach ca. 30 Minuten kraxeln treffe ich eine ältere Deutsche in indischer Führerhand. Ich bin ganz nah dran wird mir erklärt. Sie wurde vom älteren besorgten Inder aufgelesen, da er scheinbar etwas Angst um sie hatte. Hier zeigen sich in den Felsen bereits Auswirkungen des gerade unsichtbaren Wassers, überall sind absurde runde und ovale Ausspülungen, teilweise sehr kleinteilig. Es sieht aus, als hätte Andy Goldsworthy hier gewütet und Steine gebohrt oder gebrochen. Irgendwann treffe ich auf den Wasserfall, wobei ich ihn eher höre als sehe. Es ist dann auch ein eher unterirdischer Wasserfall. Ich kann mich also leider nicht drunterstellen, was ich inzwischen bräuchte. Das Wasser gurgelt laut zwischen den Steinen, aber man erhascht nur kurze Blicke zwischen den Fugen und Ritzen. Ich denke mal im Monsun ist der Wasserstand erheblich höher und das Wasser muss dann eine ziemlich hohe Geschwindigkeit haben.

Quäle mich langsam zurück und lege mich eine halbe Stunde zu diversen Einheimischen in den ersten Tempelvorbau den ich erreiche, der Wind pfeift herein, angenehm kühler Schatten zwischen den Stützen und der massige Ganesha wacht über uns.

Danach werde ich übermütig. Denke, ich sehe mir noch kurz die letzten Tempelreste im Ort an, gehe erstmal zu einer großen Kuhfigur und dann immer weiter am Fluss abwärts. Hier könnte man auch auf dünnen Schilfschüsseln den Fluss runtertreiben bzw. rudern, ich sehe aber niemanden der das wirklich macht und würde dem auch eher nicht vertrauen. Zwischendurch passierts mal wieder. Ein besorgter local kommt auf mich zu und zeigt bedeutungsschwanger auf mein Gesicht. Ich bin etwas perplex. Auf einmal holt er eine lange Stahlnadel raus und tut so, als würde er mir einen schillernden grünlichen Schleim aus dem Ohr holen. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht tatsächlich aus meinem Ohr kam was er mir zeigt. Ich winke sofort ab, als er mir wieder sein prallvolles Kritikenbuch zeigen will. Am Fluss ist es dafür wundervoll, es finden sich immer wieder diverse kleine Tempelruinen, malerisch am Ufer angeordnet, sogar ein genutzter und brummender geschäftiger Hindutempel und schließlich ein riesiges altes Marktgelände mit hunderte Meter langen Arkadenruinen und am Ende des riesigen staubigen Platzes ein Tempel, sehr ähnlich dem Haupttempel von gestern, als Ruinenausgabe ganz für mich allein. Hier verirrt sich wirklich kaum noch jemand hin dabei ist die Atmosphäre toll. Wandere nach einer weiteren Stunde in der prallen Sonne am Fluss zurück und hole mein Gepäck. Danach erstmal Cola und Kaffee und Paneer Pakoda mit Chilliesauce und frittierten Curryblättern im Backpackerparadies und kurzes Abtupfen.

Es ist inzwischen 17:00 und ich werde mit dem Linienbus zur nächsten Stadt fahren, in der mein Nachtbus um halb neun abfährt. Auf dem Weg zum Bus kommt mir eine verzweifelte Chinesin entgegen, die energisch von einer großen Kuh verfolgt wird. Sie wird gerettet von einer Gruppe bunter InderInnen, die die Kuh einkreisen, ihre Stirn berühren und sie segnen bzw. sich segnen lassen. Bus kommt, ich fahre in 30 Minuten nach Hospet, vorbei an den Palmen und Feldern im Sonnenuntergang. Die Einheimischen beten im Bus im Sitzen zu den Hindutempeln am Straßenrand. Frage mich zum Nachtbus durch und warte in einem heissen, stickigen Raum voller Mücken mit diversen Touristen auf diesen.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:45 - GOOGLE MAPS 
31 Endlich mal Tempel

Früh wach, da die benachbarten Einheimischen aufstehen, klappern, husten und Schleim entsorgen, lange und laut. Frühstücke in der Backpackerhochburg, im ‚Mangotree Cafe‘. Essen und Kaffee sind in Ordnung, aber die vielen Angestellten sind faszinierend unorganisiert.

Habe mich für eine Tuktuk-Tour in die Umgebung entschieden, da es ganz schön heiß ist und die Hotspots etwas weiter entfernt sind, denke ich zumindest. Es gibt wohl fast 4000 Monumente in der Umgebung, verteilt auf 36 km2. Ich habe überhaupt keine Lust auf ein winziges Klapperfahrrad und schmerzende Knie.

Tuktuk kommt und wir fahren die diversen Tempel ab, durch eine scheinbar fruchtbare Landschaft mit Zuckerrohr und Bananenplantagen, überall am Wegesrand und in den Feldern alte Ruinen, kleine Tempel, Stützen etc.. Ich sehe eine große massive Statue von Shiva als Frau mit Löwenkopf-Inkarnation auf einem Schlangenthron, einen Tempel, welcher unter Bodenniveau liegt, alle Einheimischen stapfen unter Gekicher und Gejohle durch das kalte Wasser, ich auch, und noch einige andere kleinere Ruinen, Wachtürme, eine Moschee usw.. Dann gehts zum ummauerten Königsareal. Hier gibts das elegante ‚lotus mahal‘, die Elefantenställe und ein paar kleinere Tempel. Anschließend zum großen Hazarama Tempel, mit Säulen aus schwarz polierten Granit, zu einer Aussichtsplattform, einem Stufenbrunnen, dem Volksbad sowie dem Bad der Königin. Es ist entspannt, nie wirklich viel los, wenig Verkehr, nur ein bisschen zu heiß. Ich bin scheinbar zu schnell, deshalb machen wir Mittagspause. Ich liege 2 Stunden mit einer Cola in meinem Zimmer rum, der Ventilator quietscht, die Nachbarn reden und lachen und verbrennen Sachen, was würzig in mein Zimmer zieht.

Am Nachmittag gehts bei ausgewachsener Hitze zum Museum, naja, und anschließend zum Highlight, dem Vittala Tempel. Zu diesem läuft man erstmal 1 km über eine Schotterpiste, wahlweise kann man sich auf einem verlängerten Golfwagen mitnehmen lassen. Ich laufe und sehe unterwegs noch ein paar Nebenschauplätze. Der Tempel aus dem 16. Jrhdt. selbst ist schön, allerdings sehr überlaufen. Hinter dem Eingangsbauwerk stehen mehrere komplett ausgeschmückte und verzierte Säulenhallen und der seltsame Steinwagen mit steinernen Rädern, der in allen Beiträgen zu Hampi abgebildet ist. Er soll Vishnus Wagen darstellen und ist wohl früher tatsächlich gerollt. Der Deutsche in mir zuckt jedesmal zusammen, wenn die Leute sich an die Skulptur anlehnen und sie mit der Hand betasten. Ich höre dabei immer schabende, kratzende Geräusche in meinem inneren Ohr. Die schmucke Haupthalle ist leider in großen Teilen abgesperrt. Hier sind Steinsäulen verbaut, die nach meinem Führer bei Berührung diverse, in Tonhöhen abgestimmte Geräusche machen. Scheinbar hatten die Behörden doch Angst, dass diese Säulen bald weggetatscht sind und haben sie weggesperrt. Irgendwann löse ich mich und nehme für den Rückweg doch den Golfkarren.

Als letzten Programmpunkt gibt es einen Sonnenuntergang. Ich entscheide mich für einen anderen Stellplatz als gestern. Um die Ecke gibt es einen alten, aber sehr rege bespielten Hindutempel, hinter dem ein felsengesäumter Abhang mit einer weiten Sicht liegt. Es erweist sich als gute Entscheidung, man kann praktisch bis oben fahren. Alle Untergangsinteressierten müssen sich durch Spaliere von Affen schlagen, aber es lohnt sich. Man tritt durch ein Loch in der rückseitigen Mauer des Tempels auf ein Felsplateau und kann auf drei Seiten bis zum Horizont in die Landschaft gucken. Überall liegen riesige Felsen rum, zum Teil seltsam unwahrscheinlich übereinandergeschichtet. Etwas ähnliches habe ich bisher nur auf Sardinien gesehen, im Tal der Giganten. Ich klettere bis an die Spitze des Abgrunds, ein paar Inder klettern leider mit, setzen sich direkt vor mich und beginnen lautstark zu telefonieren. Es ist trotzdem schön. Aus dem Tempel dringt diesmal leicht unrythmische Trommel- und Zymbelmusik. Das fällt etwas ab gegen den Esoterikkitsch von gestern, dafür wird es live eingespielt von zwei knochigen älteren Herren im Tempel.

Zurück im Ort esse ich ein Curry im Restaurant von gestern und überlege wie es weitergeht. Vermutlich nehme ich morgen einen Nachtbus nach Goa, bleibe dort drei Tage und muss dann nach Mumbai.

Das Busbuchen ist eine unerwartete Hürde. Da das Internet hier so schwach ist, bekomme ich die Bankbestätigung mehrfach nicht hin. Das Gerät sucht und rödelt, irgendwann wird die Transaktion immer wieder abgebrochen. Beim 5. Versuch klappt es dann doch noch. Ich fahre also morgen Abend um 20:30 in 10 Stunden nach Goa. Da ich um 9:00 ausschecken muss, wie es absurderweise im gesamten Ort üblich ist, wird das ein langer Tag im Freien. Ich kann allerdings mein Gepäck abstellen und muss es nicht bezahlen, wie es bei einigen Absteigen hier kritisiert wurde.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:44 - GOOGLE MAPS 
30 Backpackerparadies

Nach dem Aufstehen sehe ich zufällig kurz meine Mails durch und sehe, dass mein gestern gebuchtes Hotel mir bereits geschrieben hat und mir erklärt, dass das Zimmer nicht verfügbar ist und ich solle doch bitte canceln. Irgendwie ist gerade der Wurm drin. Finde nichts anderes gutes und buche dann ein doppelt so teures 3er Zimmer. Danach Frühstück, neben einem Mann aus Madagaskar, und buche ein Olataxi. Bekomme vom Angestellten noch erklärt, dass hier eine eigene Sprache gesprochen wird, bei Gesprächen zwischen Einheimischen werden auch seltsamerweise auch immer wieder englische Wörter eingeflochten. Taxi bekommen ist schwieriger als gedacht, da ich diesmal spontan buchen wollte, aber alle Taxen haben Anfahrtszeiten von 10 bis 15 Minuten. Irgendwann beißt doch einer an und findet mich nach Telefonat auch. Er fährt sehr langsam und redet sehr viel, will alles wissen, Job, Verdienst, Wetter in Deutschland usw.. Zum erstenmal in diesem Land denke ich, 'fahr doch mal ein bisschen schneller'. Er ist jedenfalls Christ und erklärt mir, dass dies die drittgrößte religiöse Gruppierung in Indien ist.

Komme rechtzeitig an und bekomme meinen Flieger, diesmal checke ich das Gepäck ein, damit ich es nicht wieder zwischen die Sitze hämmern muss. In diesen kleinen Flugzeugen spürt man jede Kurve noch sehr direkt stelle ich fest, bei einer engen Kurve liege ich gefühlt parallel zum Boden. Wir landen auf einem Feld, laufen bis zur Minieingangshalle, nebenan dräut und hämmert das Stahlwerk. Toiletten sind draußen aufgestellte Stahlcontainer. Gepäck gibts direkt vom Karren. Das versprüht den Charme von 'Parchim International'.

Mein Hotelhost ist da, da er sowieso gerade jemanden hingebracht hat, allerdings nur mit einem Tuktuk. Nach einer guten rumpeligen Stunde über holprige Straßen und Schlaglöcher durch eine flache Landschaft mit vielen Felsen sind wir in Hampi-Bazaar, einer kleinen Ansiedlung mit vielleicht 5 Straßen direkt zu Füßen eines großen alten Tempels. Es sieht aus wie in einer typischen Backpackersiedlung in Asien, überall kleine Shops, Reisebüros, Bars und Restaurants, jedes Haus ist ein Guesthouse oder Homestay. Nicht unangenehm, aber auch nicht wirklich typisch indisch. Allerdings leben auch viele Einheimische hier. Das Zimmer ist sehr basic, aber halbwegs sauber. Es erinnert mich stark an meine Zimmer in Thailand vor 20 Jahren. Der Durchgang zum sogenannten Bad ist sehr flach, da weiss ich jetzt schon, dass ich leiden werde. Internet ist allerdings nicht wirklich vorhanden, das scheint aber nach mehreren Tests auch im ganzen Ort so zu sein.

Laufe irgendwann los für einen ersten Überblick. Kurzer Exkurs aus Wikipedia: Von etwa 1343 bis 1565 war Hampi die Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte Vijayanagar, das als letztes großes Hindu-Reich gilt, fast ganz Südindien. Seine Hauptstadt soll zur Blütezeit rund 200.000, nach anderen Schätzungen sogar 500.000 Einwohner gehabt haben. Heute ist Hampi nur noch ein Dorf mit 2777 Einwohnern.

Direkt neben dem Ort kann man schon diverse alte Tempel und Ruinen anlaufen. Sehe zwei riesige Ganesha Statuen, eine eingezwängt in einen engen Raum, es sieht aus als würde er ihn sprengen, und eine im luftigen Tempel von Affen besprungen, mit einem Wächter daneben in identischer Position. Ein großer Shivatempel mit schöner Fassade ist leider eingerüstet. Daneben ein großes altes Marktgelände mit langen Arkaden und einem schönen Teich mit dekorativem Pavillon. Die Tempel sind alle aus dem vorherrschenden Material gebaut, einem glatten Granit. Dadurch sieht alles etwas glatter aus als bisher gewohnt. Man erkennt hier gut die Tragstruktur der Tempel, letztendlich sind es klare Stützen-Riegel Konstruktionen mit aufgelegten schmalen Deckenplatten, wie aus einem Baukastensystem. Es sieht ein wenig aus wie ein Industriefertigteilbau aus der DDR. Alte Verzierungen oder Aufbauten aus Holz oder Ziegel fehlen inzwischen fast vollständig. Die Tempel sind nicht so schön, wie die bisher gesehenen Sandsteintempel, aber sie liegen malerisch in einer tollen Landschaft. Überall liegen riesige Felsen rum, diese sind teilweise so groß wie ein dreistöckiges Haus. Ab und an läuft man über große Felsplateaus, überall Palmen. Es ist sonnig und heiß, es fahren wenige Fahrzeuge, also insgesamt sehr entspannt.

Ich gehe irgendwann in den großen Tempel direkt im Ort. Das Hauptgebäude ist über 50 m hoch. Der Tempel ist noch in Betrieb, überall laufen betende Einheimische und geschäftige Mönche rum. Ansonsten gibt es noch sehr viele Affen, einige sehr aggressiv und sehr schwanger und einen Tempelelefanten, den man gegen ein geringes Entgeld streicheln, bzw. sich Segen abholen darf. Allerdings ist er relativ eng angebunden, das sieht nicht bequem aus, aber er wird wohl zumindest jeden Morgen im Fluss gebadet.

Zum Sonnenuntergang gehe ich auf einen Tempelberg direkt neben dem großen Tempel. Hier stehen auf einem Felsplateau malerisch lauter Tempelruinen mit pittoresken Bäumen und man kann weit in die zauberhafte Landschaft schauen. Vom Tempel nebenan tönen laut erst monotone Mönchsgesänge und anschließend ein wenig Ethnojazz mit Sitar und Panflöte in die Landschaft. Die Sonne geht unter, große Vögelschwärme in schwarz und weiß fliegen durch die Landschaft, es ist unglaublich kitschig und sehr schön. Alle sitzen mehr oder wenig ruhig am Rand des Berges und schauen in die Landschaft. Manche meditieren.

Nachdem es dunkel ist kommt ein trillerpfeifender Polizist und scheucht alle vom Berg. Nur ein Haufen Affen und Hunde darf bleiben. Der große Dorftempel wird Nachts angestrahlt und überragt das ganze Dörfchen, es sieht aus, als wäre hier ein Ufo gelandet.

Ich gehe etwas essen und entscheide mich für die Nummer 3 im Ort, da erfahrungsgemäß in derartigen Orten eh alles gleich schmeckt. Nehme ein tomatenbasiertes Paneercurry und bin ganz zufrieden, es ist zumindest halbwegs scharf. Da hier immer alle Fahrer, Bedienungen, Guides etc. über 'spicy' reden, das ist das Dauerthema mit Ausländern, nehme ich mal an, dass die meisten Touristen das nicht wollen. Insofern ist es wirklich schwierig mal ein scharfes Essen zu bekommen. Ich laufe nochmal durch den Ort, zum Glück gibt es keine laut dröhnenden Bars, danach ins Zimmer. Die weiteren Buchungen werden schwierig, da das Netz hier wirklich schlecht ist und meine indische Simkarte hat auch überhaupt keinen Datendurchsatz. Nochmal kräftig den Kopf im Bad gestossen, dann ist Schluss für heute.


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Hydarabad | Indien | Montag - 03.02.2020 - 10:55 - GOOGLE MAPS 
29 Neue Märkte

Es ist ziemlich ruhig in der Nacht, selbst die Straße vor dem Haus ist kaum befahren. Bin trotzdem etwas erschöpft. Es wäre schön, mal wieder richtig saubere Laken und ein ordentliches Bad zu haben.

Gehe nach unten, der Chef ist da, versorgt mich mit einem guten Frühstück und ruft sogar für mich bei dem verweigerten Hotel von gestern an, da es über Agoda schon im voraus bezahlt wurde. Die schieben es allerdings auf Agoda, mal sehen ob ich mein Geld wiedersehe. Beim Frühstück rede ich mal länger mit einem netten Eineimischen, der hier wie in einer Pension mehrere Monate wohnt und in einer großen LKW-Fertigung von Ashok Leyland arbeitet, das waren z.B. immer die ganzen schönen Busse in Sri Lanka. In Indien sieht man die selten, hier sind meist nur äußerst hässliche Busse von Tata unterwegs. Der Inder hat jedenfalls schon in Europa und Amerika gearbeitet und Hyderabad ist nach seiner Aussage wirklich eine funktionierende große, sehr moderne Industrie- und Handelsmetropole.

Entschließe mich mit einem Taxi zum Fort Golkonda als großer örtlicher Sehenswürdigkeit zu fahren. Dort ist es voll, ich muss erstmal zwischen lauter bunten Einheimischen anstehen, wahrscheinlich ist Samstag hier auch beliebter Ausflugstag. Das Fort ist riesig, allerdings auch komplett zerfallen und nur noch als Ruine vorhanden. Man kann ein bisschen durch die alten Keller und Untergeschosse laufen, überall finden ernsthafte Fototermine statt. Anschließend gehts keuchend mit allen anderen über steile Treppen auf einen Berg, es ist wirklich heiß heute. Die obere Mauer ist beeindruckend, hier wurden riesige Felsbrocken eingepflegt und man hat eine gute Aussicht auf die Stadt und ins Hinterland. Ein weißes Gebäude mit Rundumblick auf der Spitze ist hochfrequentiert und ich schaue mir fast eine Stunde die buntestmögliche Kleidung an, es sieht aus, wie ein farbenfroh blühendes Blumenbeet, unterbrochen immer wieder nur durch voll-schwarzverschleierte Musliminnen, da die Stadt eine große muslimische Vergangenheit hat. Ansonsten sind oben noch ein absurd bunter und verbauter Hindutempel in Nutzung sowie eine kleine Moschee.

Fahre anschließend zum Wahrzeichen der Stadt, einem Triumphbogen (Triumph über Wassermangel und Seuchen) direkt neben dem Altstadtmarktviertel auf einer Verkehrsinsel in Form eines riesigen Gebäudes mit vier großen Minaretten. Das Gebäude ist ziemlich elegant und beeindruckend. Einen Aufstieg spare ich mir mal aufgrund der langen Schlangen und der Hitze. Zum Glück ist um das Gebäude kein Verkehr, sondern ein riesiger, proppevoller, bunter Markt. Hier könnte man den ganzen Tag nur rumsitzen und sich das Gewimmel aus bunten Hindus, schwarzen Muslimen und noch undefinierten Kindern anschauen. Ein großes Ding in dieser Stadt sind bunte kleine Perlen in allen möglichen Ausführungen in Ketten, Armbändern usw., hier stehen auch wirklich alle Einheimischen in Gruppen rum und diskutieren und feilschen hart mit den Verkäufern. Ich esse erstmal ein paar frittierte Teile, wobei die Chillieschoten diesmal etwas enttäuschen. Ich hatte gelesen, dass sie hier auch noch gefüllt werden, das kann ich leider nicht bestätigen. Anschließend noch ein wenig Ananas. Das andere große bekannte Essen der Stadt sind Biryanis, das schaffe ich danach leider nicht mehr. Es fällt allerdings auf, dass hier im Süden prinzipiell mehr Reis und vor allem auch mit der Hand gegessen wird. Im Norden gab es eher Brote als Beilage. Neben dem Markt liegt noch eine riesige Moschee für 10.000 Betende und irgendwelche Stadtvillen bzw. -paläste. Ich werfe von weitem einen Blick, dann reichts mir.

Ich fahre ins Hotel und lege mich ab, en Geruch ignoriere ich einfach. Später gehe ich nach Tipp der Rezeption 1 km weiter zu einem Buffetinder. Ich esse mich zweimal durch die Auslage, dann gibts noch Süßes und Papaya. Ich bereue es eigentlich schon beim essen, aber es ist wirklich nicht schlecht. Es gibt auch Biryani und der ist ebenfalls gut. Ich finde im Reis beim essen Anissterne, Zimtrinde, Kardamom und diverse andere angeröstete Gewürze, das alles schmeckt man dann auch deutlich. Spaziere langsam zurück, noch ein Guesthouse für Hampi gebucht und nach einem relativ entspannten Tag rechtschaffen ins Bett.


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Sonne -
03.02.2020 - 22:06:02 Uhr

Jetzt biste schon so lange unterwegs dass wahrscheinlich die SIM-Karte abläuft? Hoffe aber weiter auf Fotos und Text, womit ich mir die grauen Berliner Abende ein bisschen schöner mache.


Ellora | Indien | Montag - 03.02.2020 - 02:38 - GOOGLE MAPS 
28 Tücken der Buchung

Heute ist wirklich einiges schiefgegangen. Man sollte einfach nicht online buchen, wenn man müde ist.

Zunächst ist alles fein, nach einem geruhsamen Frühstück einige mich mit David darauf, dass wir uns ein Auto in die Stadt teilen, so gegen 15:00. Es ist 11:00 und ich gehe einfach nochmal in die Ellora Caves, da ich nun schonmal da bin. Ich kann bis 15:00 im Zimmer bleiben, also sogar noch duschen, ich denke mal das Hotel braucht noch ein paar gute Kritiken.

Die Höhlen sind immer noch toll, ich achte diesmal mehr auf die Details. In einigen Höhlen bin ich ganz allen mit den fröhlich zwitschernden Fledermäusen, zwischen den Höhlen rauschen dekorativ kleine Wasserfälle. Raus aus dem Gelände nach fast 3,5 Stunden und pünktlich am Auto. Die beiden anderen werden am Busbahnhof abgesetzt, sie wollen dort spontan einen Nachtbus nehmen, und ich fahre zum Flughafen.

Nach mehrmaliger Durchsicht meiner Reservierung und des Tickets fällt mir dann auf, dass ‚google flights‘ meinen Flug zwar auf 17:40 datiert hat und mir auch eine entsprechende Bestätigung geschickt hat, der Flug geht aber tatsächlich erst um 19:10, wie es auch auf den Tickets steht. Das hatte ich nicht geprüft am Vortag, bedeutet also eine Stunde länger warten. Die Sicherheitskontrolle ist absurd. Ich muss meinen Rucksack auspacken und meine Taschenlampe und mein Ministativ werden misstrauisch beäugt. Ein Japaner neben mir hat Probleme mit seinen Batterien. Ich werde auch gefühlt 10 Minuten abgetastet, da mein Knöpfe piepen. Ich weiß nicht ob ich mich dadurch viel sicherer fühle. Der Flieger hat dann auch noch 20 min Verspätung. Es ist wieder eine winzige Propellermaschine, mein Handgepäck passt nicht mal zwischen die Sitze, ich muss es mit Gewalt reinpressen. Nach der Ankunft finde ich mein Ola Taxi nicht. Die App zeigt auf einer Karte sowohl meinen eigenen Standpunkt als auch das Auto an. Beide Punkte liegen übereinander. Irgendwann gebe ich einem Einheimischen mein Telefon, er spricht kurz mit dem Fahrer und erklärt mir dann, dass ich auf die untere Ebene muss, und tatsächlich, da unter mir stehen alle Taxen.

Eine Stunde Fahrt in die Stadt, über einen höhergelegten Highway und entlang einer aufgestockten Metro. Das habe ich hier bisher bis auf Delhi überhaupt noch nicht gesehen. Ich sehe seltsamerweise auch viele Krankenhäuser und Kliniken, darunter eine Cancer healing clinic. Vorbei an einem Haus in Fischform, dann tankt der Fahrer erstmal für 2,5 €. Irgendwann reicht er mir einen Klinkenstecker und will deutsche Musik hören. Mir fällt so schnell nichts ein, also spiele ich ihm seeed über youtube vor, es scheint ihm nicht zu gefallen, er macht es jedenfalls schnell wieder aus. Hydarabad ist jedenfalls eine überraschend große und offensichtlich reiche Stadt. Später höre ich, dass man die Stadt auch hitec-city nennt. Sie ist neben Bangalore eines der großen wirtschaftlichen Zentren im Süden.

Irgendwann kommen wir an, mitten im Nirgendwo, direkt neben einer großen Klinik. Als ich reinkomme sieht alles schon etwas seltsam aus, man findet den Eingang kaum Der Mann am Empfang spricht kein Englisch und erklärt dann meinem Taxifahrer, dass Ausländer im Hotel nicht erlaubt sind. Super, es ist inzwischen 23:00. Zurück im Taxi suche ich schnell ein anderes Hotel raus, welches nicht zu weit weg ist. Kritiken sind durchwachsen um es positiv zu formulieren. Wir fahren hin, eine ruhig Gegend, auch mit eher villenartigen Gebäuden. Alles ist dunkel, ich klingel und ein verschlafener Junge macht auf. Er ist aber angenehm professionell und zeigt mir 2 Zimmer, beide vollkommen in Ordnung, von denen ich eins nehme. Das einzige Problem ist, dass das Haus irgendwie unangenehm stinkt. Wir hatten das mal in Sri Lanka, da erklärten uns die Eigentümer, dass das am Putzmittel liegt. Ich entscheide mich, dass das hier auch so ist, ein ganzes Haus voller Inkontinenter wäre eher unwahrscheinlich. Das Haus ist innen komplett mit Marmor belegt und mit dunklen Holzmöbeln und Sofagarnituren auf den Etagen möbliert, es sieht eher etwas absurd aus, als würde es in England stehen. Ich bin ziemlich kaputt und schaffe es nicht mal mehr etwas zu essen.


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Ellora | Indien | Samstag - 01.02.2020 - 19:19 - GOOGLE MAPS 
27 Höhlen die zweite...

Frühstück und dann gehts mit David und Giovana Zimermann im Taxi 100 km nach Ajanta. Er ist Maler, eigentlich Schotte, aber 1989 nach Chile ausgewandert, sie kommt aus Brasilien, hat Architektur und Kunst in Paris studiert, ist Buddhistin und macht feministische und urban art. Beide waren bei einem Kunstfestival in Gujarat in Indien, zusammen mit Künstlern aus Afrika und Indien. Wie ich später erfahre ist er 70. Jedenfalls sind beide sehr nett, leider spricht sie kein englisch und ich kein spanisch und französisch, insofern läuft die gesamte Kommunikation über ihn.

Wir fahren tatsächlich über 3 Stunden auf/über diversen Straßenbaustellen vorbei an Getreide-, Mais- und Baumwollfeldern. Praktisch die gesamte Straße wurde zuerst weggestemmt und mikroskopisch kleine Teile sind bereits neu erstellt oder gerade im Bau. Die Leute entlang der Strecke leben also seit 3 Jahren in einer staubigen Baustelle voller Stau, Staub, Lärm und Chaos. Gefahren wird überwiegend auf dem unbefestigten Untergrund, durch riesige Schlaglöcher, es ist tatsächlich sehr anstrengend. Die beiden Mitgefangenen sind 3 Tage vorher bereits mit einer 18 Stunden Taxifahrt nach Ellora gekommen, inklusive verirren mitten in der Nacht. Ich staune, dass sie diese Autofahrt schon wieder ertragen.

Irgendwann kommen wir an und sind sofort von äußerst penetranten Händlern umgeben. Ein selbsternannter Führer spricht sehr gut deutsch und verfolgt mich 10 Minuten lang bis ich ihm noch alles gute Wünsche. Wir schlagen uns gemeinschaftlich durch und fahren mit einem klapprigen Bus die letzten 2,5 km zu den Höhlen.

Diese 29 rein buddhistischen Höhlen sind älter als die von Ellora, sie stammen aus dem 2. Jrhdt. v. Chr. bis zum 7 Jrhdt. n. Chr.. Es gibt hier noch einige Malereien, da die Höhlen erst im 19. Jrdt. wiederentdeckt wurden. Durch Umwelteinflüsse sind die Bilder allerdings schon stark angegriffen, deshalb sind private Autos im größeren Umkreis verboten. Die Höhlen liegen diesmal aneinandergereiht und durch Gänge und eine große Zahl Treppen verbunden in einer halbkreisförmigen Steilwand eines alten großen Flussbettes. Man kann praktisch die ganze Zeit auf die Höhlen, das Flussbett und das gegenüberliegende, schön bewachsene Ufer blicken. Es ist wunderschön, nur leider inzwischen auch sehr heiß. Dazu die ganzen Treppen machen es etwas anstrengend. David, klapperdürr, mit seinen 70 Jahren und einer umgehängten Decke sieht aus wie einem Italowestern entsprungen und macht alles in Ruhe mit. Überall turnen Affen rum. Es sind überwiegend indische Touristen unterwegs, die gefühlt diesmal alle besonders bunt angezogen sind. Bei fast allen Höhlen muss man die Schuhe ausziehen, es ist also ein ewiges an und aus.

Die Höhlen selbst sind sehr dunkel, es gibt nur wenig Beleuchtung. Das ist schön für die Atmosphäre und die Lebensdauer der Bilder, man kann nur leider kaum etwas erkennen. Nur wenige Höhlen sind bzw. waren praktisch komplett ausgemalt, inklusive der Decken. In der Mehrzahl sind keine Bilder mehr zu sehen. Trotzdem gibt es immer wieder einige neue feine Details und die Räume ansich sind oft sehr schön. Es gibt einige große Buddhafiguren, Fassaden- und Deckenskulpturen sowie in der letzten Höhle ein schönes gehauenes Wimmelbild. In einer Höhle wurde die Decke noch nicht geglättet, es hängen große Felsbrocken in den Raum. Das gibt einem sofort ein etwas beängstigendes Gefühl für das Felsgewicht über einem. Mindestens 2 Höhlen sind bereits eingestürzt. In zwei anderen Fällen sieht man beginnende Höhlen, in denen gerade erst die grundsätzliche Form und Ansätze von Stützen freigelegt wurden, man bekommt einen guten Eindruck, wie die Höhlen ursprünglich hergestellt wurden. Es gibt auch 4 schiffbauchförmige Kulthöhlen mit schöner Akustik, der Rest waren Wohnhöhlen. Man schlendert geruhsam von einer Höhle zur nächsten und schaut was es so gibt. Kurz vor Ende gibt es noch eine komplett bemalte Höhle, leider auch total dunkel, die im Zwielicht aussieht, als hätte Hieronymus Bosch sie gemalt, leider sind einfach keine feinen Details zu erkennen. Immerhin muss keiner von uns ein Selfie machen, den ganzen Tag.

Nach fast 3 Stunden sind wir durch und wandern den Weg zurück. Am Eingang liegt ein Restaurant. Wir stellen gemeinsam fest, dass es aussieht wie eine 70er Jahre Bahnhofsgaststätte, wobei der Schotte den Begriff Mitropa nicht kennt, und dass wir es mögen. Trinke Cola, esse Thali (Sammelcurry), und danach nehmen wir dem Bus zurück. Die auf einmal überall hervorspringenden Händler sind wieder sehr hartnäckig. Mehrere stürzen sich gemeinsam auf ein hilfloses Opfer und hören gar nicht mehr auf zu reden und zu gestikulieren. Als der Bus losfährt, sind einige Händler noch drinnen und einige Hände und Arme. Das gleiche, als wir mit unserem Auto losfahren. Giovana muss einem praktisch seine Ohrringe aus dem Autofenster zuwerfen.

Die Rückfahrt ist wirklich anstrengend, vor allem, da ich wieder vorne sitze. Es ist extrem staubig, wir fahren gegen die untergehende Sonne, später noch lange in der Dämmerung, also praktisch im Dunkeln. Man sieht fast nichts, es ist voll, alle drängeln und hupen auf Verdacht. Ich sehe mehrere Beinahe-Fast-Eigentlich-doch schon-Unfälle. Ein riesiger beladener LKW, den unser Fahrer vorher geschnitten hat, folgt uns 10 Minuten lang laut hupend, das erinnert mich sehr unangenehm an den alten Spielfilm 'Duell'. Irgendwann ist aber auch das vorbei. Esse mit Giovana, wobei die Kommunikation wirklich schwer ist, beide wollen, können aber nicht. Auch die zur Hilfe herangezogenen Apps bringen nichts, die Übersetzungen sind bestenfalls interpretationsfähig. Währenddessen wird David von der Amerikanischen Mitbesitzerin des Hotels mit Beschlag belegt. Er vermutete, dass sie eine wiedergeborene Christin ist. Ich vermute, dass sie in Ellora noch eine christliche Höhle hinzufügen will. Irgendwann buche ich nach Bier und kurzer Überlegung 2 Flüge und ein Hotel. Ich hoffe, die Buchungen stimmen soweit. Fliege morgen nachmittag nach Hyderabad, bleibe dort einen Tag und fliege danach nach Hampi, einem kleinen, relativ abgelegenen Backpackerort, von dem alle die dort waren sehr schwärmen. Da ich bisher relativ schnell war, kann ich das noch spontan einschieben. Der nächstliegende winzige Flughafen zu Hampi ist erst vor kurzem in Betrieb gegangen und wird von einer Stahlhütte betrieben, oder so ähnlich. Ansonsten wäre die Anfahrt relativ kompliziert mit Bahn und Bus und kaum an einem Tagen zu schaffen.


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Ellora | Indien | Freitag - 31.01.2020 - 17:27 - GOOGLE MAPS 
26 Selfie please, selfie please, selfie pl...

Halbwegs früh raus und Frühstück auf dem Rasen. Irgendwie bestelle ich immer normalen Kaffee, aber er schmeckt immer, als ob sie Garam Masala reinmachen. Vielleicht gewöhnt man sich auch irgendwann daran. Anschließend zu Fuß los zur staubigen Straße, durch indische Touristen und Touristenbusse zum Eingang gewühlt, teuren Ausländereintritt bezahlt, diesmal allerdings vollkommen berechtigt, und in einer wieder mal gepflegten Gartenanlage zur ersten von 36. Höhlen, insgesamt 12 buddhistische, 17 hinduistische und 5 jain, die komplett künstlich in einem leichten Gesteinshang angelegt wurden, vom 6. Jrhdt. aufwärts.

Der Eingang zum Gelände wurde natürlich am Highlight angelegt und das ist es auch tatsächlich. Von weitem sieht es gar nicht so beeindruckend aus, etwas grau, nicht so groß. Aber wenn man den Kailasa Tempel durch die riesigen Mauern, die mit mehrere Meter hohen Figuren besetzt sind, betritt ist das schon überwältigend. Ein kompletter mehrstöckiger Tempel inklusive 2 hohen Siegessäulen, 2 riesigen Elefanten sowie mehrere umlaufende Galerien inklusive einer Unmenge an Skulpturen wurden komplett AUS dem Felsen geschlagen. Die Bauzeit betrug wohl 200 Jahre und es waren 8000 Leute beteiligt. Im Führer steht, er ist doppelt so groß und zudem um die Hälfte höher als der Athener Parthenon. Während man durch die Anlage läuft vergisst man das ab und an, weil es einfach unvorstellbar ist. ALLE Skulpturen wurden an ihrem Ort aus dem bestehenden Felsen freigelegt und nicht etwa hingebracht und aufgestellt. Ich kann mir gar nicht denken, wie man so etwas herstellt. Leider ist es ziemlich voll, viele Schülergruppen, und gleich fängt an, was mich und alle anderen wenigen Ausländer den gesamten restlichen Tag erwartet, 'selfie please'. Nach wenigen Minuten habe ich bestimmt schon 9 oder 10 Selfies machen müssen. Zum Glück verziehen sich die Schüler bald und es wird etwas ruhiger, hört aber bis zum Ende nie ganz auf. Neben dem Tempel selbst mit mehreren Stockwerken, einem aufwendigen Dachaufbau sowie einer Brücke zu einem kleinen Nebengebäude gibt es eine Vielzahl an großartigen Skulpturen. Es ist ein hinduistischer Tempel, also wird hier in die Vollen gegangen. Es gibt Krieg und Kampf und Liebe, starke Götter, vielarmige Götter, schöne Nymphen, zerschmetterte Feinde u.s.w.. Das alles an den Tempelwänden und entlang der langen Galerie unter einem beeindruckenden Felsenüberhang. Daneben immer wieder schöne Einzelskulpturen. Ein Ganesha, seitlich ein paar Tänzerinnen, die ich ganz klar dem Jugendstil zuordne. Irgendwann gehe ich ins Tempelinnere, er ist nämlich komplett ausgehöhlt, mit einem komplette Tempelinnenraum mit verzierten Säulen und Allerheiligstem mit Lingam.

Nach fast einer Stunde komme ich raus und wander langsam die nächsten Tempel ab. Diese sind nun tatsächlich Höhlen, nur noch vereinzelt mit kleineren, freigelegten Nebengebäuden. Teilweise haben die Höhlen bis zu 3 Stockwerke und sehen durch sehr regelmäßige, eckige Stützen und fehlende Fassadenausschmückung aus, wie sozialistische Schularchitektur aus den 70er Jahren. Im Inneren finden sich aber bei vielen Höhlen immer wieder Skulpturen oder fein verzierte Säulen und Decken. In einigen Heiligtümern stehen auch immer wieder lingams rum, und ich betrachte fasziniert, wie diese Phalli von mittelalten Inderinnen angebetet und mit Blumen beworfen werden, aber es ist ja nur eine Inkarnation von Shiwa und hat bestimmt keine tiefere Bedeutung.

Aus den hinduistischen geht es langsam über in die buddhistischen Höhlen, und man muss klar feststellen, dass sie etwas langweiliger sind und gegen die Hindutempel abfallen. Es sind einige schöne Buddhafiguren zu sehen und die Höhlen sind teilweise auf kleinerem Raum ineinandergeschachtelt, aber die Hindus haben für die Innenausstattung einfach die besseren Geschichten, bunter, mit mehr Personal, mehr Gewalt, Intrigen, Sex, Pathos. Zwischendurch gibt es allerdings auch eine riesige, aber karge Speisehöhle und eine schiffsbauchförmige buddhistische Versammlungshöhle mit Rippendecke, welche eine schöne Atmosphäre und einen tollen Hall hat, was auch von allen Einheimischen lautstark demonstriert wird. Am Ende der Höhlenreihe mache ich dann kehrt und wandere zurück. Hinter dem mittleren Kailasa Tempel folgen noch einige Hinduhöhlen, darunter eine etwas abgelegenere, in der ich praktisch 30 Minuten ganz allein bin, bis auf einen am dunklen Boden liegenden, singenden Wächter, der mich irgendwann durch ein Husten ziemlich erschreckt, da er kaum zu sehen ist, und fiepsende Fledermäuse in den dunklen Ecken.

Am Ende noch knapp 1 km Fußmarsch zu den etwas abgelegenen Jainhöhlen. Die Haupthöhle ist sehr beeindruckend. Ein ausgestemmter kleiner Tempel vor der Höhle und ein zweistöckiger Höhlenbau, mit einem unglaublich aufwendig ausgebauten (ausgemeisseltem) Innenraum, mit fein ziselierten unterschiedlich und extrem aufwendig gemusterten Säulen, Decken etc.. Dazu teilweise etwas seltsame, leicht jenseitige Skulpturen, welche eher an einen billigen Fantasyfilm erinnern. Auf mich als Amateur wirken sie erstmal buddhistisch, aber es gibt zusätzlich sehr schöne, fast kitschige florale Umrandungen und Hintergründe, und die Hauptfiguren sind tatsächlich erkennbar nackt, offensichtlich schon immer ein Erkennungsmerkmal der Jain.

Am Ende gehe ich nochmal zum Haupttempel, dessen einziges Problem es ist, dass man ihn aufgrund des fehlenden Platzes schlecht fotografieren kann. Die Wucht vor Ort und den Eindruck der darüberliegenden Masse Fels kann man kaum aufnehmen. Und es ist zu voll. Ein paar letzte Selfies, bis 3 nepalesische Mönche als besseres Fotoobjekt auftauchen. Entdecke noch einen Aufstieg neben dem Tempel den man nur auf eigene Gefahr gehen soll, mit gutem Ausblick auf das filigran ausgestaltete Dach, dann komplett fertig aber glücklich ins Schischiresort.

Ich esse zunächst wieder komplett allein in der großen Eingangshalle ein gutes Chillie Paneer, wie ich inzwischen mitbekommen habe, gar kein indisches Gericht sondern ein abstrahiertes chinesisches, egal, und spreche einen der beiden anderen Ausländer an, der hier doch noch ab und an auftaucht. Er, Schotte, Maler, in Chile lebend, will mit seiner Kollegin eigentlich erst am übernächsten Tag nach Ajanta, einem Ort in der Nähe, in dem es weitere buddhistische Höhlen zu sehen gibt. Das wäre allerdings zu spät für mich. Während ich beim essen bin kommt er jedoch nochmal an und erklärt mir, dass sie sich umentschieden hätten. Wir teilen uns also am nächsten Tag ein Taxi und fahren 100 km über eine vom Hotelmanager angekündigte absolute Buckelpiste und komplette Strassenbaustelle in mindestens 3 Stunden Fahrzeit nach Ajanta.


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Varanasi | Indien | Donnerstag - 30.01.2020 - 13:50 - GOOGLE MAPS 
25 Reisetag 3

Die Nacht im Schlafsaal war in Ordnung, aber man ist doch irgendwie eingeschränkt, und sei es nur durch mehrere französische Frauen und Jungs die Abends um 23:00 anfangen Moskitos zu jagen, auch wenn das seine Berechtigung hat. Auch das geteilte Bad ist schwierig ab einem gewissen Alter, da braucht man doch eher seine Ruhe. Also im Dunkeln um 6 raus und nochmal kurz zum Ufer. Leider kein Sonnenaufgang, da es leicht diesig ist, aber es herrscht eine sehr entspannte Stimmung, einige Leute baden, sogar ein paar Frauen, die man tagsüber eher nicht sieht. Selbst die Bootsverkäufer sind noch nicht ganz wach und murmeln nur undeutlich vor sich hin. Sehe eine buddhistische Mönchsschule, die leicht gequält Lachyoga machen. Ansonsten werden Vögel gefüttert, Boote liegen im Nebel, man könnte fast meinen, das ist Venedig. Laufe am Ende doch viel weiter als beabsichtigt und lande sogar noch beim ersten Verbrennungsghat. Das sieht im Morgengrauen eher schlimm und trostlos aus. Es riecht nach kalter Asche, Hunde balgen sich um irgendwelche Reste. In beiden Verbrennungsghats gibt es auch Räume/Häuser für Verbrennungen, diese haben riesige Schornsteine auf den Dächern, das ist sicherlich die bessere Lösung als die Freiluftverbrennungen. Direkt hinter dem Hauptverbrennungsghat liegt eine Straße mit Läden und Wohnhäusern, alle Leute die dort arbeiten und leben, stehen praktisch 20 Stunden am Tag in Qualm und Rauch und Asche.

Ich habe mich mit meinem Spaziergang etwas verschätzt, eile zurück und frage den Mann am Eingang, was mit meinem Kaffee ist, da er mir etwas mehr Geld abgeknöpft hatte, mir aber dafür einen Kaffee versprochen hat. Mein Taxi steht irgendwann schon da, wird kurz vertröstet und ich gucke mal zu wie der Kaffee gemacht wird. Sie kochen einen Topf mit Milch und streuseln ein paar Kaffeekrümel rein, Herstellung also so, wie beim allgegenwärtige Masala-Chai. Es schmeckt aber ganz gut, vor allem dafür, dass das der erste Kaffee ist, den er jemals gekocht hat. Er musste sogar extra jemanden zum Kaffeeholen schicken.

Mein Taxi habe ich über die App ‚Ola‘ bestellt, ein Tipp von den Bayern aus Jaipur. Es klappt wirklich gut, kein Gefeilsche, pünktlich und sogar billiger als die sonstigen Flughafentaxis. Bin letztendlich etwas früh am Flughafen, aber alle haben vorher mystisch über den Verkehr geraunt. Der Flughafen ist entgegen der Stadt sehr sauber und aufgeräumt, die Durchleuchtung/ Abtastung ist diesmal intensiv und langwierig, scheinbar kommt der Premierminister im Laufe des Tages nach Varanasi. Sitze ein bisschen und höre dem Inder neben mir zu, der genüsslich 10 Minuten lang laut seinen Tee schlürft, was überraschend stark an meinen Nerven zehrt.

Der Flieger kommt pünktlich und setzt mich in Hyderabad ab. Der nächste Flieger kommt auch, ist aber leider eine winzige Propellermaschine. Mein Handgepäck passt nicht in die Fächer und auch kaum unter den Vordersitz, hier habe sogar eine Weile Einblick ins Cockpit, wie in den 80ern, und sehe, wie die Piloten die Bedienungsanleitung lesen. Auch diese Maschine kommt pünktlich an. Ich habe mir ein bisschen Luxus gegönnt und mir wieder per app ein Taxi bestellt, das mich die 40 km nach Ellora bringen soll. Die localen Busse fahren evtl. nur bis 23:30 und irgendwann reichts auch mal. Das Taxi hat diesmal etwas Verspätung, fährt dafür aber sehr zügig. Ich schaue irgendwann nicht mehr hin.

Im Resort wird mir erstmal ein kostenloses Upgrade angeboten. Ich bekomme anstatt des basic Room, der schon relativ teuer war, nun einen luxury bungalow mit solarerhitztem Warmwasser, kleiner Terasse usw.. Akzeptabel, bzw. sogar ganz schön, bis auf den Geruch. Vermutlich sind das wie in fast allen Zimmern im Land wieder diese Kügelchen die im Waschbecken liegen, evtl. Mottenkugeln? Ansonsten gibt es in der Anlage auch eine gepflegte Rasenfläche mit Sitzgelegenheiten und Feuerschale, Schaukeln und einen Trimmdichpfad.

Gehe zum Abendessen ins Empfangsgebäude und bekomme ein wirklich stark gewürztes Paneer Curry mit viel Kardamon und sogar ein Bier. Es sind überwiegend Einheimische anwesend, nur ein anderes Touristenpaar. Ich hatte das Zimmer über eine neue App gebucht, goibibo, weil des Resort auf bookingcom ausgebucht war, bzw. nicht zur Verfügung stand. Sehe erst im Nachhinein auf meiner Bestätigung im Kleingedruckten, dass Nichtinder und unverheiratete Paare eigentlich nicht übernachten dürfen. Da habe ich ja nochmal Glück gehabt, dass Susanne nicht dabei ist.

Morgen gehts in die Höhlentempel von Ellora, Weltkulturerbe und eine der, zumindest von Indern, meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes, ausländische Touristen sind hier eher spärlich zu finden.


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Nicole -
30.01.2020 - 22:34:20 Uhr
Hahah. Spicejet...sehr schön. Na, endlich mal eine etwas besser klingende Behausung, hast Du Dir nach Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbad ja auch mal verdient. Fotos, please.
Varanasi | Indien | Dienstag - 28.01.2020 - 17:05 - GOOGLE MAPS 
24 Same procedere

Um 8:00 beginnen die Bauarbeiten. Das authentische Frühstück besteht aus 2 kleinen Schaumpfannkuchen und Dhal, entscheide mich dazu das Hotel zu wechseln. Laufe zu einem sehr gut bewerteten Hostel um die Ecke. Es liegt sehr gut, etwas eingerückt von der Straße, davor ein süßer kleiner Holztempel. Als ich nach einem Zimmer frage, zeigt er mir gleich den Schlafsaal mit 6 Betten. Ein Deutscher sagt mir, dass es ok wäre und ich entscheide mich, das als Gefahrensucher mal auszuprobieren. Hole mein Gepäck und besetze mein Bett, der Deutsche ist da schon weg. Das Gepäck kann man unter dem Bett notdürftig wegschließen. Ich nehme noch einen Kaffee im Cafe gegenüber und buche mir einen Flug für morgen früh nach Aurangabad und eine Unterkunft in Ellora. Dort gibt es nur eine Handvoll Hotels, deshalb wird das wohl trotz mäßiger Bewertungen mein teuerstes Zimmer, liege hier bei 37 €. Das Problem ist, es gibt keine Direktflüge und eigentlich auch keinen Flughafen. Ich komme also am späten Nachmittag ca. 30 km entfernt in Aurangabad, einer Kleinstadt oberhalb von Mumbai, an. Das wird wieder interessant.

Ich stelle fest, dass ich völlig zerstochene Hände habe. Am Abend hatte ich am Ufer schon gemerkt, dass es dort viele kleine Mücken gibt. Ich hoffe nur, dass die nicht alle vorher im Fluss waren, sonst bin ich schon so gut wie tot. Ich will heute nochmal in Ruhe die Ghats ablaufen und mir einen Haupttempel der Stadt anschauen. Das erste Mal in diesem Arbeitsurlaub benutze ich sogar Sonnencreme, will ich ja nicht umsonst mitgenommen haben. Das Ufer ist wie gestern, ich achte ein wenig mehr auf die Details. Es gibt wirklich einige schöne, wenn auch renovierungsbedürftige Paläste am Ufer, besonders eindrucksvoll sind die hoch aufragenden Außenwände und Fundamente. Schlender bis zu dem Hauptverbrennungsghat und will noch ein wenig schauen, das ist heute aber kaum möglich. Die nähere Umgebung ist vollkommen verqualmt und voller Asche. Es ist ziemlich windig und man bekommt kaum Luft. An einer Stelle, an der ich gestern direkt über den Feuern stehen und gucken konnte, ist es heute nicht zum aushalten. Die Flammen schlagen sehr hoch und es ist viel zu heiß.

An einem Hauptvergnügungsghat, dem ghat des 4 Pferdeopfers, biege ich in die Stadt ab um zum Tempel zu kommen. Ich verlaufe mich allerdings sofort wieder. Irgendwann stoße ich auf eine Prozession von überwiegend barfuß laufenden älteren Indern, die alle auch zum Tempel wollen, denke ich. Ich schließe mich an. Bald kommt es zum Stau, da uns auch Massen entgegenkommen und die Straßen unglaublich eng sind. Schlage mich langsam durch, es gibt keine Schilder, in einige Gassen darf ich nicht rein. Überall stehen Unmengen von stark bewaffneten Soldaten mit Maschinengewehren und Pistolen. Stoße auf eine größere Straße und bin sofort im Staub und Lärm, man kann kaum atmen. Komplettes Chaos, eine Frau fährt mich leicht mit ihrem Moped an, zum Glück streift sie mich nur. Irgendwann stehe ich vor dem komplett abgesperrten und noch stärker bewachten Tempel. Die unmittelbare Umgebung sieht aus, als wären hier Bomben eingeschlagen, hier wurde scheinbar das komplette benachbarte Wohnquartier abgerissen und einfach liegengelassen. Es sieht ein wenig aus wie Berlin nach dem Krieg. Ich soll meinen Pass abgeben, der ist leider im Hostel, da sie ihn vorschriftsmäßig zur Anmeldung brauchten, gegen 600 Rupien und eine Passkopie könnte ich irgendwie rein, aber ich bin inzwischen nach nur 15 Minuten im Chaos vollkommen genervt und entschließe mich einfach wieder ans ruhige Ufer zu gehen. Das ist eine gute Idee, schaffe es gerade so zurück und schlender herum, trinke Kaffee und Cola in einem Backpackercafe, mache ein paar Selfies und fürchte danach, dass ich doch nochmal zum Friseur muss. Vielleicht gehe ich wahlweise einfach als heiliger Mann mit zotteligen grauen Haaren. Treffe am späten Nachmittag im Hostel ein und stelle fest, dass mein Bett mit Rucksack etc. belegt ist. Werfe erstmal alles runter. Das gemeinsame Bad ist ok, aber auch nicht wirklich sauber, vielleicht sollte ich nächstes mal doch wieder ein Zimmer nehmen.

Ich schaue mir abends nochmal etwas genauer das Feuerspektakel an. Es wird scheinbar an 3 Ghats in identischer Form gezeigt. Mehrere junge Männer in authentischer Kleidung schwenken zu ohrenbetäubender Musik stilvolle Blechfeuerschalen mit angeformter Kobra, danach werden Tücher geschwenkt und Blütenblätter verstreut, anschließend mit einem Büschel gewunken und selbstkasteit, und zum krönenden Abschluss in Muschelschalen geblasen. Danach stürmen alle zum Wasser und werden vermutlich gesegnet. Es sind kaum Ausländer da, das Publikum sind Inder, die dem ganzen gebannt folgen, enthusiastisch mitklatschen und singen, sich beim vorbeigehen tief verbeugen, und am Ende versuchen, die kitschige Feuerschale zu berühren. Es muss irgendeinen Sinn machen, der ist für mich aber nicht zu entschlüsseln. Seltsamerweise ist auch kein interessierter Bürger da, der mir das ganze gegen eine exorbitante Spende erklärt. Ich esse danach ein Thali im selben Laden wie gestern. Bin gespannt auf die Nacht im Sammelraum, das hatte ich das letzte mal vor 20 Jahren.


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Stefan -
29.01.2020 - 20:17:23 Uhr
vor 20 Jahren auf Fehmarn, daran kann ich mich gut erinnern, ich weiß noch genau, dass du damals gesagt hast, nie wieder in einem Mehrbettzimmer . Ich hoffe du überlebst die Nacht.
Wir freuen uns jeden Tag über deine Reiseerlebnisse, deine Berichte sind nicht umsonst, wir lachen und schütteln jeden Tag wieder unsere Köpfe über deine seltsamen Geschichten. Bleib tapfer, Greyhound.
Varanasi | Indien | Dienstag - 28.01.2020 - 07:10 - GOOGLE MAPS 
23 Heiliges Irrenhaus

Die Anfahrt war doch sehr interessant bzw. ziemlich anstrengend.

Irgendwie dachte ich, 2AC wäre besser als 3AC, da hier nur 2 anstatt 3 Lagen Betten übereinander liegen. Leider gab es 2 AC erst ab dem nächsten Ort, ca. 1 Stunde entfernt, dort sollte der Zug mitten in der Nacht neu zusammengesetzt werden. Also bin ich gegen 22:40 am Bahnhof, ziemlich voll, überall schlafen Menschen auf dem kalten Boden, sogar ein paar Touristen liegen und stehen herum. 2 Hunde bespringen mich und wollen gar nicht mehr weg, ich sehe sogar Zähne. Irgendwann sind 2 Französinnen interessanter, sie riechen vermutlich besser. Ich kaufe ein General Ticket für den ersten Teil der Fahrt, Zug kommt, Abteil fast leer, aber es ist ziemlich kalt, obwohl ich alles anhabe. Gegen 0:00 sind wir in in Mahoba, es ist düster, voller Menschen, kalt, ich bin der einzige Tourist weit und breit, kein anderer Zug zu sehen. Als wir einfahren springen schon die ersten neuen Gäste auf und drücken sich durch die nur halb geöffneten Fenster, aussteigen ist ebenfalls schwierig, da sich hier sofort ein Knäuel aus Menschen bildet die rein wollen. Auf dem Bahnhof versuche ich rauszukriegen wie es weiter geht. Das ist etwas  schwierig, da ich mit niemandem auch nur ein Wort kommunizieren kann. Ich entnehme dem Gefuchtel, dass der Zug Verspätung hat. Mein alter Zug wird irgendwann quietschend entkoppelt, nach 45 Minuten fährt er zur anderen Seite raus, ich bin etwas unentspannt, sehe mich schon auf dem Bahnhof übernachten. Nach über 1 Stunde kommt doch tatsächlich der jetzt neu zusammengesetzte Zug, ich suche mein Abteil, es ist alles voll, ein Betreuer schmeißt einen Mann aus meinem gebuchten Bett. Ich bekomme noch 2 Laken und falle in die Koje. Ich hätte wohl doch die 3. Klasse nehmen sollen, dann hätte ich mir 2 Stunden Stress gespart. Immerhin kommen wir pünktlich um 10:30 in Varanasi an. Nehme ein Tuktuk und nach 2 min denke ich, ich habe einen Hörsturz, der Varanasi eher eine Großstadt und der Verkehr entsprechend wild ist. Die zwei letzten Orte waren doch erheblich kleiner und ruhiger.

Finde mein Hotel, eigentlich eine ruhige Lage, aber es liegt eine Baustelle direkt daneben. Es wird gesägt, gehämmert und exzessiv mit dem Schlagbohrhammer gearbeitet. Schnelle Morgentoilette und dann gehe ich in die Stadt. Varanasi ist evtl. die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt und liegt direkt am Ganges. Hauptsehenswürdigkeit sind die über 80 Ghats, also Bereiche mit Stufen zum Fluss hin, an denen die Hindu-Inder baden, beten, sterben und verbrennen. Die alten historischen Tempel der Stadt wurden immer wieder von diversen Eroberern geschliffen und anschließend neu aufgebaut, sind also meist nicht wirklich alt. Ich entscheide mich für die Ghats und laufe über 3 Stunden am Fluss lang, sie sind alle durch Wege und Stufen verbunden und es gibt keinen Verkehr. Am Rand liegen teilweise auch alte Paläste und kleine Forts, es ist aber aber alles eher etwas runtergekommen. Der Wasserstand ist derzeit niedrig, teilweise steigt es scheinbar nach vorliegenden Wassermarkierungen mehre Meter an. Die Randbebauung ist deshalb meist sehr hoch, oft ragen 10 bis 20 m hohe Grundmauern auf. Es herrscht eine entspannte Stimmung, die Sonne sticht heute zum ersten mal richtig. Bis auf die Händler, ‚no boat‘, ‚no boat‘, ‚no boat‘, und den Geruch ist es schön und interessant. Leider stinkt es zwischendurch immer wieder unglaublich nach Urin, da hier alle Männer rumstehen und sich in die Ecken erleichtern, es stehen sogar einzelne kurze offene Prallwände für diesen Zweck da, alles fließt dann über den Gehweg, die Stufen oder offen Abflussrinnen in den Fluss. Ansonsten überall Leute die sich und ihre Kleidung im nämlichen Fluss waschen, viele Pilger, heilige Leute, Leute mit angemalten Gesichtern und Oberkörpern, Bettler, ohne Füße, ohne Hände, unglaublich viele Kühe, Ziegen, Hunde, Welpen, Affen, kleine und größere Tempel etc.. Man kann sich segnen, massieren und anmalen lassen, etwas essen oder einfach nur gucken. Überall liegen Boote rum, werden vermietet, gebaut, repariert oder mit Teer bestrichen, was dem ganzen noch eine ganz neue intensive Geruchsnote hinzufügt. Zwischendrin am Ufer ein kleiner Tempel, der dekorativ im Ufergrund versinkt. Wie im Reiseführer steht, hat jemand das mal als ‚heiliges Irrenhaus‘ bezeichnet. Alle waren scheinbar schon hier, sogar Mark Twain. Ich komme an 2 Ghats vorbei, in denen Leichen verbrannt werden, eines davon ist das Hauptverbrennungsghat. Hier sieht es im Hinterland aus wie auf dem Lagerplatz eines Baumarktes. Überall liegt gestapeltes Holz herum, das penibel abgewogen wird, da sich so die Kosten einer Verbrennung ergeben. Die Leichen werden scheinbar erst gebadet, dann in Tücher eingewickelt, mit Blumen belegt und anschließend mit Holz umschichtet und verbrannt. Zwischendurch wird immer wieder irgendein Pulver als Brandbeschleuniger reingeworfen. Die Familie steht neben dem Feuer, in diesen Bereich kommt man nicht rein, sondern wird drum herum geleitet. Es wird getrommelt und gesungen. Die verschiedenen Kasten haben wohl unterschiedliche Plattformen. Am Ende werden alle Reste, Asche, Folie, Tücher und Blumen in den Fluss geschüttet. Fotografieren ist strikt verboten und ich halte mich weitestgehend daran, obwohl andauernd Jungs auftauchen die einem ‚Permission‘ verkaufen wollen. Ich stehe bestimmt eine Stunde und schaue mir das an. Es brennen mindestens 10 Feuer, die Luft ist voller Rauch und Asche. Es ist eine seltsame apokalyptische Stimmung, aber auch sehr betriebsam und wuselig, da die Verbrenner konzentriert ihren Job machen, die Regeln sind nicht ganz durchschaubar. Direkt dabei stehen Kühe und Ziegen und fressen die Blumenabfälle und sonstiges der Prozedur.

Ich muss wieder einige Selfies machen lassen. Eine Gruppe ist amüsiert von meinen Haaren, scheinbar haben die wenigsten Inder so graues Haar, bis auf die heiligen Männer. Als ich ihnen sage wie alt ich bin meinen sie, nein, ich sähe aus wie 27. Ich lasse das hier mal unkommentiert so stehen.

Gehe danach noch weiter, bis ich irgendwann komplett durch bin. Mehrfach wird mir Haschisch oder Haschischtee angeboten, ich lehne ab. Am Ende will ich durch die Altstadt zurück und verlaufe mich prompt. Die Straßen sind unglaublich schmal und unvorhergesehen gekrümmt. Finde nach einiger Zeit das Flussufer wieder und gönne mir einen Cappuccino für europäische Preise aber wenigstens 3 mal so groß. Zurück zum Hotel, die Bauarbeiten sind leider auch am Abend in vollem Gange, und gegen 7 Uhr fliehe ich raus zum Trommel- und Feuerevent am Flussufer. Es stehen viele einheimische Touristen rum. Es gibt laute Musik, life Trommeln und es werden leichte Tanzbewegungen ausgeführt und eine Art Ministrantengefäße geschwenkt. Das Ganze geht nur ca. 20 Minuten, danach werden alle gesegnet und bekommen die Stirn angemalt. Abends sind überall am Ufer Netze gespannt und es wird Badminton oder Kricket gespielt. Ich esse in Ruhe ein gutes Vegetable Thali und gehe zurück ins Hotel, wo die Bauarbeiten bis um 23:40 weitergehen.


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Sonne -
28.01.2020 - 07:52:05 Uhr
Du wolltest Abenteuer. Klingt so, als würdest du einiges dafür tun....
Khajuraho | Indien | Montag - 27.01.2020 - 05:05 - GOOGLE MAPS 
22 Sexy Tempel

Schwierige Nacht, da mir die Aubergine nicht gut bekommen ist, vorsichtig ausgedrückt. Grübel seit dem Vortag ob ich das Hotel wechsel und wie ich nach Varanasi weiterkomme. Es gibt Flüge, aber erst am Nachmittag, und es gibt einen Nachtzug. Erstmal Frühstück auf der Dachterrasse des angeschlossenen Restaurants mit Blick auf die Tempel die ich mir heute ansehen werde. Es gibt sogar annehmbaren Kaffee aus einer Herdespressokanne. Danach entscheide ich mich den Nachtzug am selben Tag zu nehmen, bedeutet, Gepäck abstellen, den ganzen Tag unterwegs und abends zum Bahnhof und weg. Das fühlt sich irgendwie wie die beste Lösung an. Es gäbe zwar noch einen Wasserfall in der Gegend in den man sich zwecks Beweisfoto stellen könnte, und irgendwelche total authentischen Dörfer mit Besichtigung des Dorfleben, aber irgendwie habe ich keine Lust drauf.

Gehe ca. 1 Minute zu den heutigen Tempeln, diesmal die kostenpflichtige westliche Gruppe. Diese liegt eingezäunt in einem gepflegten Garten. Es sind ca. 8 Tempel aus Sandstein oder Granit in verschiedenen Größen und die meisten sind in einem sehr guten Zustand. Alle sind pittoresk in einem gepflegten großen Garten verteilt und stehen auf massiven Steinplattformen. Ich fange links an. Eine Art Schrein als Wachpavillon mit einer tollen Sandsteinskulptur, Vishnu in seiner Inkarnation als Eber, sagt der Reiseführer. Gegenüber ist einer der größten Tempel mit hoher Stupa und Unmengen an Figuren in mehreren Eben übereinander. Es ist praktisch keine Außenwand mehr zu sehen, selbst in den einspringenden Ecken überlagern sich die Figuren. Es ist ein in Stein geschlagenes Wimmelbild, die gebaute totale Reizüberflutung. Die Figuren sind diverse Götterfiguren z.b. tanzende Ganeshas (Elefant), diverse Tiere, wie ordinäre Elefanten und Pferde, Jagdszenen, Bauarbeiter beim Steinetragen, Frauen bzw. Nymphen beim Rückenkratzen, beim Babywiegen, beim Spiegelhalten, beim Bügeln (meine Interpretation), beim Dornausziehen und viele Paare bei diversen expliziten Gymnastikübungen. Und das im puritanisch prüden Indien. Es ist ziemlich schwer den Überblick zu bewahren, man guckt sich von Figur zu Figur und versucht die solitären, herausragenden rauszufiltern. Es gibt z.B. eine sehr auffällige Figur, die wirklich durch eine extremste Verdrehung auffällt und sehr erotisch wirkt, durchrauschenden Reisegruppen mit Führer entnehme ich, dass sie einen feuchten, halbtransparenten Sari tragen soll. Der Sockel dieses Tempels ist ebenfalls mit einem umlaufenden Fries versehen. Hier finden sich Jagd- und Kampfszenen, sowie einiges sehr obszönes. Neben mehreren orgiastischen Gruppenaktivitäten sind hier auch Übungen mit Pferd abgebildet. Im Inneren des Tempels ist es dunkel und schummrig. Die Außenwand der inneren Kammer zeigt ebenfalls einige laszive Tänzerinnen, obwohl hier die ganz expliziten Szenen fehlen.

Die nächsten Tempel sehen ähnlich aus mit Abstufungen in Größe, Detailliertheit der Figuren u.s.w.. Bei allen gibt es jedoch immer wieder schöne Einzelstücke. Als Gegenstück zum massiven Eber im linken Eingangstempel gibt es auf der rechten Seite einen Schrein mit dem Reittier Shivas, einem Stier. Auf einer Plattform im hinteren Gartenbereich stehen gleich 3 Tempel, darunter der größte Tempel des Gebiets. Er allein weist schon fast 900 Figuren auf. Seine Türme sind mehrfach abgestuft und sollen wohl an ein heiliges Gebirge erinnern. Auf dieser Plattform stehen auch mehrere große Einzelskulpturen von Fabelwesen aus Löwe und Mensch beim Kuscheln mit Nymphen, wobei es auch ein Ringkampf sein könnte. Im düsteren Inneren steht hier ein Lingam, auch eine göttliche Inkarnation, der engagiert angebetet wird und auf dem Leute kleine Blümchen abgelegt haben.

Letztendlich verbringe ich mit längeren Pausen, Schokoladenkeksen, Cola und Wasser fast 6 Stunden auf diesem Gelände. Es ist neben den vielen Besuchern trotzdem einfach unfassbar ruhig und entspannt, die Sonne scheint, das lauteste Geräusch sind die keckernden Vögel und Streifenhörnchen, sowie das Klicken der Fotoapparate. Einzige Unterbrechung sind die ca. 30 Selfies, die ich mit vielen Indern schießen muss. Meist wollen sie noch wissen woher man kommt, vermutlich eine Art Länderbingo, und schütteln einem dann die Hand. An einer Hand waren dann auch mal 2 Daumen. Beim 2. Durchlauf durch den Park sehe ich einige Chinesen mit Mundschutz, dabei ist dieser Park vermutlich der geschützteste Bereich den ich bisher in Indien gesehen habe, sogar die Straße vor dem Park ist abgesperrt und wird nicht befahren. Aber vermutlich geht es gar nicht um Abgase, sondern um die neue Grippewelle aus China.

Da es so schön war laufe ich anschließend noch 600 m und gehe kurz ins Archäologische Museum, einen üblichen seltsamen 70er Jahre Beton-Verbau. Ich bin praktisch alleine, bis auf eine Gruppe Chinesen. Leider darf man nicht fotografieren. Hier stehen Original-Einzelstücke welche fast durchgehend unglaublich detailliert und fein gearbeitet sind. Es gibt feine Nuancen in Gesichtsausdrücken und Haltungen, die man an den Tempeln aufgrund der mengenmäßigen Überforderung und der Betrachtungsabstände gar nicht wahrnehmen kann. In der Vorhalle steht schon mal ein großer, grazil tänzelnder Ganesha mit dickem Bauch und einer Maus zu seinen Füßen, auch die restlichen Teile sind toll. Hier hat man endlich die Gelegenheit sie in Ruhe mit geringem Abstand anzuschauen. Es gibt natürlich keinen Museumsshop und kein Buch mit Abbildungen, dafür ca. 15 grimmige Wächter, die ihrne Job diesmal leider sehr ernst nehmen.

Irgendwann zurück ins Hotel, der Chef hat mir Zugtickets besorgt, da es absolute Lastminute Tickets sind, mit Aufschlag. Ich darf bis abends im Zimmer bleiben und sogar nochmal duschen. Er tut wirklich alles für eine gute Bewertung. Zwischendurch noch ein kurzes Gespräch mit 2 Italienern im Hotel, die 3 Wochen mit einem gemieteten Motorrad, einer Royal Enfield, unterwegs sind. Anschließend ins angeschlossene Rose Cafe ein gutes Kadhai Paneer Curry und ein Bier. Da Kommunikation mit der Bedienung nicht möglich ist bekomme ich ein Kingfisher Strong. Schmeckt ein wenig wie aufgelöster Schnaps. Einer der Italiener zeigt dem Chef nebenan in der Küche, wie man Spaghetti aglio e olio kocht.

Um 22:30 mit dem Tuktuk zum Bahnhof, in den Zug, 2. Klasse AC, vielleicht schlafen und mittags bin ich dann voraussichtlich in Varanasi, der heiligen Stadt der hinduistischen Inder am Ganges, in der viele Hindus ihre Toten verbrennen. Wie jemand auf tripadvisor schrieb, 'das ist eine Kloake mit einer guten PR'. Ich habe vorsichtshalber nur eine Nacht gebucht, damit ich im Fluchtrhythmus bleibe.

Nachtrag zum Vortag: Eine kurze Recherche hat ergeben, dass die heiligen Männer und Priester der Jain tatsächlich, zumindest zum Teil, permanent nackt sind, da sie keinem Lebewesen und keiner Pflanze schaden wollen. Sie sind 'luftgewandet', oder skyclad wie der Traveller so sagt, nachdem er es im internationalen Netz gelesen hat. Da sie aber eigentlich auch keinen festen Aufenthaltsort haben, wandern sie demzufolge immer wieder nackt mit Gefolge durchs Land. Der gesehene Federbuschel wird benutzt, um den Platz auf dem man sitzt oder läuft sanft von unschuldigen Lebewesen zu befreien, damit man sie nicht aus Versehen tötet. Die im Jaintempel gestern abgebildeten Fotos stammen von einem der bekanntesten lebenden Mönche, nämlich diesem hier: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Acharya_Vidyasagar


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Stefan -
27.01.2020 - 23:27:41 Uhr
Hi. Hast du dein Auberginencurry überlebt? Mit dem coolen Nachtzug hast du ja wieder eine Übernachtung gespart, entspannt die Reisekasse etwas . Gehts eigentlich nochmal zum Strand zum Abschluss? ....Trail of Dead hat ne neue Platte rausgebracht, ganz gut, habe ich schon käuflich erworben. Gute Nacht im Zug. Stefan
Khajuraho | Indien | Samstag - 25.01.2020 - 18:10 - GOOGLE MAPS 
21 Local train

Um 2:00 leider wieder ein Hundeüberfall in der Umgebung mit Gebell und Geheule ohne Ende. Kostet mich 2 Stunden Schlaf. Trotzdem um 6 raus und ohne Frühstück auf die Straße, vorbei an einer Kuh die gerade ein Haus entert. An der Kreuzung finde ich EIN einziges Tuktuk, ohne Fahrer. Eine Frau die dort steht verlangt 400. Ich lache laut schnaubend, gehe 100 m weiter und komme wieder zurück, nichts los, keine Tuktuks, keine Autos. Der Fahrer ist zurück vom Tempel, ich frage ihn, er sagt 200 bevor die Frau dazwischenfunken kann, ich sage sofort zu. Ich lache kurz germeinsam mit der Frau, es ist ihr auch nicht peinlich. Durch den dunstigen Sonnenaufgang zum Bahnhof. Bin 20 min zu früh und kaufe im Bahnhof ein General-Ticket, ohne Platzreservierung. Im Ticketschalter lauter riesige alte Schalter und Hebel, handgemalte Schalt- und Rettungspläne, Generatoren etc.. Das sieht aus wie in einer Endzeitdystopie. Auf dem Bahnhof beobachte ich Kühe auf dem Bahnhof und Kühe im Gleisbett. Einheimische kommen zum Bahnhof und holen mit einer quietschenden Handpumpe und großen Behältern Wasser.

Der Zug fährt ein und ist viel länger als erwartet, Stress, nach hinten laufen. Ich muss in die letzten 5 Wagen, da der Zug irgendwo getrennt wird. Gehe in einen Waggon rein, ziemlich voll, will wieder raus, aber der Zug rollt schon. Durch den Waggon kommt man nicht weiter, es gibt keine Verbindung zwischen den Wägen. Also muss ich bleiben, im Waggon sind nur 2 Abteile mit einer überschaubaren Anzahl an Sitzen und ein WC. In einem Abteil sind 4 Kinder, davon 3 im Gepäcknetz, was gleichzeitig ein Notbett ist, auf der anderen Seite schläft hier scheinbar jemand unter dicken Decken. Frage eine Frau ob ich mich dort setzen kann, wo sie ihre Füße drauf hat, sie will nicht, aber irgendwie setze ich mich irgendwann einfach. Der Zug sieht von außen eher aus wie ein Hochsicherheits-Gefängniszug, von innen ähnlich, alles sehr stählern, rustikal und handgeschmiedet, alles nur praktisch und sehr massiv. Die Sitzplätze sind minimal gepolstert. Fahre jetzt 5 Stunden mit diesem Zug, zwischendurch immer wieder Gastaustausch, insgesamt ca. 4 mal und viele wechselnde Verkäufer. Nach der Familie mit den Kindern, dabei ein wirklich unglaublich süßes kleines Mädchen, schon den Kleinkindern werden hier die Augen mit Kajal umrandet, sie haben also total große Mangaaugen, kommen 2 alte Damen mit interessanten Zahnstellungen, mehrere alte Männer mit Turban und langen Holzwanderstäben, ein wirrer Typ in Schwarz und grau, mit langem Strubbelbart im kurzen Röckchen, mit Goldketten behangen und einem schweren Stahlspeer mit Dreispitz, den er neben mir anlehnt und der mir dann irgendwann fast auf den Kopf fällt sowie ein gesprächiger Mann mittleren Alters, am Ende ein neuer Freund. Kommunikation ist allerdings schwierig, er erzählt mir wohl, dass er 4 Kinder hat und ich frage wie, 4 Frauen? Ein großer Lacherfolg im gesamten Waggon. Ab und an schlängelt sich ein durchdringender Toilettengeruch durch die sonstigen Aromen. Wir fahren durch meist flache Gegend mit ordentlichen Feldern, vielen Wasserlöchern und Brunnen, wäschewaschenden Frauen und einer Unmenge an Vogelscheuchen. Sehe überraschend außerdem eine große Antilopenherde durch die Felder springen.

Wir kommen mit einer Stunde Verspätung an. Finde ohne große Verhandlung ein akzeptables Tuktuk und fahre 9 km in den Ort Khajuraho. In diesem Ort gab es sehr viele Hotels mit Bewertungen über 9, es war aber schnell klar, dass darunter viele Fakebewertungen sein müssen. Mein Zimmer ist sauber, groß und eigentlich wirklich gut, liegt aber leider an einer engen, zugebauten und voll befahrenen Hauptstraße, es ist ziemlich laut. In einer Bewertung stand, ‚es ist alles bereit für einen ruhigen Aufenthalt‘, das muss wohl Ironie gewesen sein.

Ich nehme erstmal im angeschlossenen Restaurant einen Kaffee und Frühstück, ich habe noch nichts gegessen. Da ich mich im Zimmer nicht aufhalten kann, es ist lauter als zuhause in Kreuzberg, beschließe ich mir schonmal ein paar Tempel anzuschauen. Der heute winzige Ort war zwischen den Jahren 900'bis 1700 Sitz einer bedeuten Herrscherdynastie. Aus diesem Grund stehen hier laut Führer ca. 80 Tempel mit ausschweifenden Reliefs und Skulpturen. Sie sind im wesentlichen in 3 Gruppen aufgeteilt, ich entscheide mich für die kostenfreie östliche Gruppe. Leihe mir ein sehr billiges Fahrrad, was auch schon das einzig positive an diesem Gerät ist, und fahre los.

Ich finde die ersten Tempel und sie sehen aus wie neu gebaut, sind jedoch alle um die tausend Jahre alt. Scheinbar wurden sie irgendwann stark gereinigt, nur die Kammern im inneren mit dem Allerheiligsten sehen düster aus und haben eine gewisse Patina. Es gibt tatsächlich unglaublich viele Figuren, die sich allerdings meist stark ähneln. Von den versprochenen erotischen Motiven sehe ich noch nicht so viel. Schaue mir so 4 ähnliche Tempel an. Danach gehts zu mehreren zusammenhängenden Jaintempeln. Hier werde ich irgendwann ziemlich rüde aufgefordert, auch noch meine Socken auszuziehen, das ist mir neu. Der erste Tempel ist ein Konglomerat aus Neubau und alten Einzelteilen und alten Applikationen. Ich verstehe diese Glaubensrichtung bisher noch nicht ganz, in den Tempeln sind sowohl viele hinduistische Figuren dargestellt, als auch in den inneren Kammern buddhaartige Statuen. Da die Jain gewaltlos leben, z.T. auch gegenüber Pflanzen, sind die besonders heiligen Männer scheinbar gezwungen nackt zu leben. Im Tempeln sind seltsame Ölbilder eines nackten Mannes aufgestellt und auch einige irritierende Fotos eines älteren untersetzten nackten Mannes abgedruckt. Offensichtlich ein hoher Priester. Überall sitzen weissgewandete Jainnonnen und halten scheinbar Unterricht oder beten, z.T. mit seltsamen Cheerleaderbuscheln. Hinter dem Mixtempel dann zwei alte Tempel, welche offensichtlich von ADHS Betroffenen errichtet wurden. Ich habe noch nie so viele Statuen auf einem Haufen gesehen. Sobald man anfängt sich das genauer anzusehen wird einem etwas schwindelig. Ganze Reihe von rund gebogenen Kontraposts, da schmerzen einem schon beim angucken die Gelenke. Viele Figuren sind ähnlich, Tänzerinnen, Helden, Gottheiten, aber zwischendurch gibt es auch schöne Einzelexemplare, z.B. eine Frau, die sich einen Dorn aus dem Fuß zieht, eine andere dehnt ihr Bein u.s.w.. Die erotischen Szenen ahne ich hier erstmal ein wenig, sie sind allerdings relativ klein gehalten in der obersten Reihe. Als ich aus dem Tempel rauskomme überbieten sich 2 Andenkenverkäufer, mir minutenlang diverse Devotionalien mit Sexbezug anzubieten, Kühlschrankmagneten, Holzfiguren, Steinfiguren, Metallfiguren. Am Ende kommt einer mit einem Holzteil angerannt, wenn man eine Hebel drückt passiert dieses und jenes. Am Ende müssen sie beide lachen. Ich bin scheinbar der einzige Ausländische Tourist heute und sie probieren alle Tricks an mir aus.

Ich laufe zurück zurück zum Hotel und denke, dass ich vermutlich morgen das Zimmer wechseln muss wegen der Lautstärke. Gehe dann erstmal essen. Entscheide mich für ein Auberginencurry, serviert auf den 2 Auberginenhälften, ich bin nicht ganz überzeugt. Wie überall in diesem Ort werde ich nach dem essen aufgefordert eine gute TripAdvisor Kritik abzugeben, vielleicht ist der Laden deshalb auch auf Platz 1 im Ort. Beim Gang nach Hause gewinne ich noch einen neuen Freund, er läuft lange neben mir her und will mir nichts verkaufen, zumindest noch nicht gleich, erstmal könnte man ja Tee trinken. Mit vielen neuen Freunden gehts ins Bett.


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Orchha | Indien | Freitag - 24.01.2020 - 15:49 - GOOGLE MAPS 
20 Ruhetag 2

Ich bin zwar um 5 wach, aber müde und der Magen drückt ein wenig. Ich entscheide mich schläfrig spontan für einen Ruhetag. Irgendwann komme ich raus, denke erst im Haus läutet ein Alarm, ist aber nur ein Jugendlicher im Schreinzimmer, der ekstatisch ein Gebetsglöckchen läutet.

Seit Agra habe ich Rajasthan verlassen und bin nun in der Provinz Madya Pradesh. Hier spielt wohl das Dschungelbuch, von richtigem Dschungel ist nur leider nicht mehr viel zu sehen. Die großen Ruinen und die vielen Affen geben einem trotzdem ein Gefühl dafür, wie es hier früher mal aussah. Auf der anderen Seite des Flusses gibt es wohl noch einen kleinen Nationalpark mit Wald und wilden Tieren, das spare ich mir aber diesmal.

Stattdessen gucke ich mir nochmal in Ruhe den belebten Gebrauchstempel an. Alles wie gehabt, große Gruppen ergriffener Einheimischer, allgemeines singen und trommeln, erhebende Musik. Im Allerheiligsten drängeln sich die Leute und wollen spenden, kleine Blumen, Essen, Geld. Alles wird von einem Mann mit grauer Afrofrisur angenommen, der 2 dicke weiße Streifen im Gesicht hat, das sieht wirklich sehr cool aus. Er nimmt die Gaben und gibt etwas in die Hände zurück, vielleicht Salz oder Zucker, es wird jedenfalls sofort verspeist. Vor dem Schreinraum beten Leute, und liegen z.T. beuchlings auf dem Boden, auch einige halbnackt mit wirrem Haar und geweißtem Oberkörper und Gesicht. Es müssen hier manchmal riesige Menschenmassen ankommen, vor dem Tempel gibt es große Edelstahlgestelle, an denen die Leute ihre Ledergürtel aufhängen können. Ich muss mich regelrecht losreissen, da man hier stundenlang nur rumsitzen und zuschauen bzw. -hören könnte.

Gehe danach zielstrebig zu einem Cafe mit richtigem Kaffee, laut tripadvisor. Es steht dann auch tatsächlich eine richtige Espressomaschine rum, ich nehme in Ruhe 2 Cappuccino, sitze ca. 1,5 Stunden rum, schreibe Text, gucke Fotos, sonne mich ein wenig, gucke Kühe, bzw. kämpfe gegen Kühe die mich von meinem Platz vertreiben wollen. Es wird schnell angenehm warm. Ich laufe irgendwann nochmal aufs bereits gestern besichtigte Palastgelände. Da ich weiß, wo die Eintrittskarten verlangt werden, umgehe ich diese Stellen und wandere auf der Rückseite des Geländes aus einem Tor in der Palastmauer, da ich gestern gesehen habe, dass hier in den Feldern eine Menge kleiner Tempel und Ruinen stehen. Ich bin praktisch alleine, bis auf ein paar Arbeiter und Bauern immer begleitet von der Beschallung aus der Einsiedelei. Ich dachte ja das kommt vom Band, aber irgendwann höre ich den Rezitator husten, also ist es eventuell doch live. Leider sind einige Tempel abgesperrt, andere sogar scheinbar bewohnt. Ich sehe ausgebreitete Wäsche, zum trocken ausgelegte Dunghaufen und sogar eine Satellitenantenne. Irgendwann lande ich bei einem Tempel am Flussufer, es ist unglaublich friedlich, ich sitze entspannt zwischen großen Steinen am Fluss, über mir kreist ein Geier und mir ist angenehm warm. Nach 30 min kommt ein kleiner Lkw, hält um die Ecke und der Fahrer schreit irgendwas über den Fluss. Am Horizont schälen sich ein paar Gestalten aus dem Dunst, überqueren den Fluss auf kleinen Felsen und gehen zum LKW. Mir wird doch ein wenig mulmig, da ich hier ganz allein bin. Gehe irgendwann, werde auch bemerkt, bekomme aber nur ein nettes 'namaste' zugerufen. Laufe noch ein paar Tempel an, scheuche ein Truthahnrudel auf, gehe irgendwann zurück und nehme eine lange Cola und Gemüsepakora mit Chilliesoße am qualitätsgeprüften Stand von gestern. Nochmal zum benachbarten Spukschloss, das ist ohne Eintritt zugänglich. Es bleibt sehr morbide und schön. Beobachte eine Zeitlang 5 riesige Geier an der Turmspitze, aber sie wollen sich leider nicht viel bewegen, putzen nur müde ihr Gefieder. Es ist scheinbar ihr Lieblingsplatz, was man gut am Boden an dieser Stelle erkennen kann, sie haben einen beeindruckenden Auswurf.

Pause in der Unterkunft und am frühen Abend nochmal zum Straßenrestaurant vom ersten Abend und wieder ein Gemüsethali, diesmal u.a. mit einem guten scharfen grüne Bohnenpamps. Das Dhal ist hier eher eine dünne Suppe, während es im Süden bzw. in Sri Lanka immer als dickes Curry kam.

Ich will morgen früh mit dem Zug weiter, die ungefähre Uhrzeit nannte mir der Hoteleigner. Man kann diesen Zug allerdings nicht reservieren, da das tatsächlich ein kleiner langsamer Provinzzug ist, der auch noch in irgendeinem Ort geteilt wird und danach zu verschiedenen Zielen fährt. Ich bin sehr gespannt, ob das so klappt, ich im richtigen Zugabschnitt lande und auch ob ich morgen früh an der Kreuzung ein Tuktuk bekomme.


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Stefan -
27.01.2020 - 23:25:56 Uhr
Hi. Hast du dein Auberginencurry überlebt? Mit dem coolen Nachtzug hast du ja wieder eine Übernachtung gespart, entspannt die Reisekasse etwas . Gehts eigentlich nochmal zum Strand zum Abschluss? ....Trail of Dead hat ne neue Platte rausgebracht, ganz gut, habe ich schon käuflich erworben. Gute Nacht im Zug. Stefan
Nicole -
25.01.2020 - 16:44:51 Uhr
Das klang ja mal nach einem etwas entspannterem Ort....wir sind schon sehr gespannt, wo Du mit dem Zug landest.
Keep on posting...kein Eintrag kann zu lang sein!
PS: Eintracht und Union führen ....noch...
Orchha | Indien | Freitag - 24.01.2020 - 10:09 - GOOGLE MAPS 
19 Fortsetzung des Vorhergehenden

Da ich gestern konservativ geschätzt eine Million Fotos geschossen habe, stelle ich hier noch ergänzend ein paar ein. Ich freue mich schon drauf, wenn Susanne mir beim Auswählen hilft. Text zu heute folgt später.


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Orchha | Indien | Freitag - 24.01.2020 - 06:36 - GOOGLE MAPS 
18 Diverse Paläste

Trotz des Hundegebells und der dezenten Trommeln und Tempelgesänge aus der Umgebung habe ich gut geschlafen. Heisswasser kommt tatsächlich in einem quälend dünnem Strahl, ist eben auch Deluxe. Gehe zunächst zum Zentrum, also zur Straßenkreuzung 200 m weiter und nehme an einem staubigen Straßenstand einen frittierten Gebäckkringel und einen Kaffee. Der Kringel besteht praktisch nur aus karamelisiertem Zucker und der Kaffee dann später auch. So gestärkt enter ich neugierig den Bereich hinter der Straße. Ich finde mehrere Ruinen, einen entspannten Markt in und um die Ruinen sowie einen großen Platz vor einem sehr belebten weißen Tempel mit quitschbunten Applikationen in rosa und orange. Das ist der Rāmarāja Mandir, also der „König-Rāma-Tempel“. Er war ursprünglich ein Palast aus dem 17. Jrhdt. und wurde später als Tempel umgenutzt. Drumherum lebhaftes Treiben, auch viele Bettler und einige der immer leicht verwirrt wirkenden Männer unbestimmten Alters mit starrem Blick, wirrem langem Haar, gleichem Bart und zweifelhafter Kleidung. Alles ist eher auf locals eingerichtet, ich werde nur halbherzig angesprochen. Der Tempel wird ausgesprochen gut angenommen, es ist brechend voll, die Menschen strömen rein und raus und es erklingt ununterbrochen ekstatische, monotone Lobpreisungsmusik. Ich gehe nach kurzer Rücksprache mit der schwerbewaffneten Security auch mal rein und es ist tatsächlich interessant, überall andächtig betende Menschen und ganze Gruppen von Menschen, die sich wiegen, trommeln und singen. Ich komme mir aber ein wenig vor wie ein Voyeur und gehe bald wieder raus.

Neben dem lichten, weitestgehend fröhlichen Tempel ein mächtiges, dunkel aufragendes Gebäude, der Chaturbhuj-Tempel, hier muss die böse Schwiegermutter wohnen. Steige düstere Treppen hoch und betrete einen dunklen, kathedralenhaft großen Raum, allerdings mit kahlen abgerissenen Wänden. Von draußen dringt fahles Licht rein. Eine alte Stahltür öffnet sich knarrend, nein, nicht wirklich, das Gebäude hat aber eine sehr eigene gedämpfte Stimmung, ein hervorragendes Beispiel der deutschen Romantik. Ich werde relativ schnell von einem Wärter unter den Arm geklemmt, der einfach davon ausgeht, dass ich aufs Dach will. So früh kann ich mich dagegen auch kaum wehren. Er schließt ein Gitter auf und wir steigen schmale, krumplige Treppen ohne jegliches Licht hoch und schlängeln uns unter ca. 1 m hohen Türen durch. Zwischendurch immer wieder schöne Blicke nach innen ins Gebäude und nach außen auf 2 weitere sehr große alte Gebäude in der Nähe. Auf dem Dach eine tolle Aussicht in alle Richtungen. Er zeigt mir einen riesigen Geier der hier haust und sich auch tatsächlich kurz bewegt, damit ich das glaube, ein Eulenpaar in einer Nische und scheucht eine Papageienhorde für mich auf. Irgendwann gehen wir wieder runter und er ist kurz mit dem Geld unzufrieden das ich ihm gebe, worauf ich unzufrieden bin, da ich die Leistung eigentlich gar nicht bestellt habe. Wir kriegen uns aber beide wieder ein und es gibt einen versöhnlichen Händeschlag. Ich gehe hinten raus und stelle fest, dass es doch noch 2 weitere Straßen im Ort gibt, überwiegend gefüllt mit Straßenständen, das war es dann aber auch wirklich. Noch ein Gespräch mit einem netten Local, ich warte immer darauf, was sie mir jetzt verkaufen wollen, aber manchmal kommt da tatsächlich nichts, vielleicht bin ich einfach zu negativ.
Durch eine kurze, sehr belebte Marktstraße, über eine kleine Brücke und ich stehe vor den 2 anderen schlossartigen Gebäuden. Diesmal akzeptablen Eintritt gezahlt und das erste Gebäude betreten. Ein Palast aus dem 17. Jrhdt., Jehangir Mahal, erbaut von einer kurzzeitig in Gunst stehenden Adelsfamilie, leider ohne Ausstattung oder Ausbauten, aber sehr eindrucksvoll durch seine Größe und Verspieltheit und einzelne schöne Details. Man kann durch die üblichen dunklen, steilen Treppenaufgänge bis aufs Dach gelangen und hat einen tollen Blick ins Umland. In der Umgebung stehen eine Vielzahl kleiner alter Ruinen in den Feldern rum. Auf dem Dach viele kleine Pavillons, überall im Inneren Sicht- und Lichtachsen durchs ganze Gebäude ins Freie, alles ist friedlich, ruhig und entspannt und ganz Atmosphäre.

Hinter dem Palast liegt eine kleine hinduistische Einsiedelei, sieht original aus wie aus einem mittelalterlichen Gemälde, mit großem Felsen, krummem Baum u.s.w.. Aus einem Megaphon ertönt hier die ganze Zeit ein eintöniger Hindu-Singsang und beschallt die gesamte Gegend, alles zusammen ist ein athmosphärisches Gesamtkunstwerk. Neben dem Palast finde ich u.a. ein altes Badehaus mit schönen Gewölben, davon eins mit einem Loch in der Mitte, woher kenne ich das bloss? Im nächsten kleineren Gebäude, ein Haus für die Mätresse, werde ich erstmal überfallen, von einer Meute aus 6 ca. faustgroße Welpen. Zum Glück kommen die noch nicht die Stufen hoch, bemühen sich aber sehr. Im Obergeschoss ein paar nette Wandmalereien mit Damen der Gesellschaft und virilen Männern zu Pferd. Ich sehe vor dem Gebäude das erste Ochsengespann im Land, als ich es fotografieren will, wird mir das allerdings untersagt. Auf dem ganzen Außengelände sind unglaublich viele Arbeiten im Gange. In den ganzen angrenzenden Besuchsgebäuden scheinen die dazugehörenden Ausführenden auch zu leben und zu schlafen, hier liegen überall Kleidung und Kochutensilien rum. Auf dem gesamten Gelände sind viele BauarbeiterInnen unterwegs. Es ist wie immer, Unmengen an bunt gekleideten Frauen schleppen schwere Gegenstände oder Schalen auf dem Kopf mit Sand und Mörtel, die Männer machen Männersachen, rumstehen, reden, leichte Putzarbeiten, Aufsicht.

Das letzte, etwas kleinere Palastgebäude, Raj Mahal, ist ebenfallls sehr schön, auch hier kommt man über die diversen Stockwerke auf verschlungenen schummrigen Pfaden bis aufs Dach. Zwischendurch entdecke ich hier jedoch auch noch mehrere Räume mit gut erhaltenen Wand- und Deckenmalereien. 2 Räume sind offensichtlich mit religiösen Motiven aus dem Ramayana ausgefüllt, einige Details kenne ich schon aus Angkor Wat, z.B. das ziehen der großen Schlange und dadurch die Quirlung des Milchozeans. In den Obergeschossen sind dagegen eher Ornamente und vermutlich höfische Szenen zu sehen. Vor dem Gebäude gucke ich mir noch eine sehr düstere Säulenhalle an, laut Auszeichnung eine Art Gerichtsstand, und finde auch hier in der schwarzen, z.T. halb verfallenen Decke schon etwas desolate aber trotzdem sehr schöne Malereien. Ich ertappe mich dabei, wie ich leicht vor mich hinstöhne, weil das alles so schön ist. Das ganze hat ca. 4,5 Stunden gedauert. Ich war überwiegend alleine unterwegs. Einzelne Reisegruppen fielen nur temporär ein und verschwanden nach organisierten Fototerminen meist schnell wieder. Mir ist bei meiner Inspektion aufgefallen, dass die Treppen unmögliche Trittmaße haben, teilweise Stufenhöhen bis zu 50 cm, die Durchgangshöhen viel zu niedrig sind und die Geländer- und Brüstungshöhen absolut unzureichend. Eine Besichtigung wäre in Deutschland so vermutlich nicht zulässig.

Kurz noch durchs angrenzende verwilderte Gelände mit mehreren kleineren Ruinen, ich überlege die ganze Zeit was Caspar David Friedrich daraus gemacht hätte. Vereinzelt springen hier auch Affen durchs Unterholz, diese sind allerdings ganz schön groß, so dass ich respektvoll Abstand halte. Noch ein Aussichtspunkt am Fluss, dann laufe ich durch den Markt zurück. Inzwischen haben sich hier lange sitzende Reihen an Bettlern, bestehend aus älteren Frauen und heiligen Männern, aufgebaut und nehme an einem Strassenstrand Gemüsepakora, Samosa und einer Art Kartoffelbreiteilchen, welches dann aber nach der Bestellung direkt mit der Hand zerdrückt und auf der großen heißen Kochplatte mit diversen Zutaten wie Zwiebeln, Kichererbsen und einigem undefinierbarem zusammengebraten wird. Am Ende kommt noch Garam Masala und eine Art Zuckerrübensirup rauf. Gewöhnungsbedürftig aber essbar. Nachdem ich mir noch Chilliesoße für die Samosa reichen lasse ist alles gut. Allerdings habe ich gesehen wie die Samosas hergestellt werden, zum Zusammenkleben wird immerhin keine Spucke genommen, aber Wasser aus dem Hahn. Ich gehe mal optimistisch davon aus, dass beim frittieren genug Hitze erzeugt wird.

Powernap im Zimmer und dann in die andere Richtung zu einem 2 km außerhalb liegenden Tempel in ungewöhnlicher, weil dreieckiger Form. Mehrere Etagen mit langen Gängen um einen zentralen hohen Turm und alle Gänge sind mit meist gut erhaltenen und zum Teil herzallerliebsten Wand- und Deckenmalereien verziert. Neben den üblichen Kriegs- und Jagdszenen sowie Tieren und floralen Verzierungen gibt es auch einige schöne Abbildungen vom 'Maharaja un sine fru' in verschiedenen unverfänglichen häuslichen Situationen, zumindest meine freie Interpretation, ich habe ja keinen Führer. Außerdem einige starke Männer beim Ringkampf in neckigen Sporthosen und im Heiligtum ein seltsames Sockenmonster sowie diverse Affenmönche u.s.w.. Eine äußerst bedenkliche Treppenkonstruktion in den mittigen Turm begehe ich nicht, da ich bezweifle, dass meine Krankenkasse dafür aufkommt.

Zuletzt wandere ich zum Fluss, hier stehen 15 Cenotaphen, also leerstehende symbolische Gräber der alten Herrscher, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich bin etwas enttäuscht, da die wassernahen Gebäude mittlerweile nach Umbauten auf einer großen Betonfläche stehen und vor dem ganzen die üblichen Bauarbeiten mit viel Staub stattfinden. Trotzdem ist die Stimmung im Sonnenuntergang und der kommenden Dämmerung am Fluss ganz schön. Nebenan ist noch ein abgetrennter Bereich mit weiteren Gebäude in einem gepflegten Garten. Unter Papageiengekreisch wander ich kurz herum, leider kann man hier nicht auf die Dächer. Sehe immerhin noch einen großen Geier, der auf einen der Cenotaphen fliegt, sich dann aber leider nicht mehr bewegt.

Ich beschließe etwas zu essen und laufe hinter einer sehr disziplinierten Ziegenherde zum Restaurant Nr 1 laut TripAdvisor. Chef ist ein junger Mann den ich am Fluss bereits kurz getroffen habe, weil er dort sein neues Fahrrad ausprobiert und es mir auch sofort anbietet. Er ist sehr kommunikativ, um es vorsichtig auszudrücken, aber auch wirklich nett. Ich erfahre, dass er nie eine Schule besucht hat, sondern schon als Kind in einem Guesthouse gearbeitet hat, er zeitweise eine Beziehung zu einer 69 Jahre alten Schweizerin hatte, das auf die Auskunft, dass meine Freundin älter ist als ich, dass er eine arrangierte Heirat eingegangen ist und dass seine Frau schwanger ist. Laut seiner Auskunft gibt es keine generelle Schulpflicht in Indien. Auf Nachfrage erklärt er mir auch noch, dass es aus seiner Sicht in Indien kein Kastensystem mehr gibt und das nur ein Schlagwort der üblichen populistischen Politiker wäre. Allerdings ist er auch Muslim und stände damit sowieso ausserhalb des Kastensystems, Dies alles erfahre ich bei einem Gemüsecurry und 2 Bier mit Blick auf den bunt beleuchteten Hauptpalast.

Irgendwann löse ich mich und wanke nach Hause, ich bin jetzt bestimmt 9 Stunden rumgelaufen. Kurze Lagebesprechung mit Berlin und erfüllt ins Bett. Das Lagezentrum konnte mir leider auch nicht helfen bei der Frage, ob ich noch einen Tag bleibe. Der örtliche Zug kommt um 7:20 und fährt 5 Stunden nach Khajuraho zu den berühmten 'Pornotempeln'. Ich werde einfach am Morgen prüfen, ob ich dafür bereit bin.


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Orchha | indien | Mittwoch - 22.01.2020 - 18:08 - GOOGLE MAPS 
17 Wartetag

Die Literatur-Standardfloskel, 'irgendwo bellt ein Hund', bekommt eine völlig neue Bedeutung für mich, als ich um 4 Uhr wach werde, da ca. 5 Hunde direkt neben meinem Zimmer rumbellen und jaulen, 1,5 Stunden lang. Da die Klimaanlage direkt über dem Kopfteil meines Bettes praktisch nur aus einem großen Loch in der Wand besteht, klang das tatsächlich, als wären sie in meinem Zimmer. Trotzdem bzw. deswegen früh rausgekommen und noch ein Eilfrühstück genommen. Vor dem Haus totaler Nebel, womöglich noch schlimmer als gestern. Sehe gar keine Fahrzeuge finde aber nach 80 m genau ein einziges Tuktuk, kurze Verhandlung, schon aus Prinzip, und bin auf dem Weg. Bereue schnell die dezente Andeutung, dass mein Zug bald fährt. Die Sicht liegt bei ca. 10 m, so wie alle trotzdem rasen schält sich immer erst kurz vor dem Zusammenstoß ein Schemen aus dem Dunst. Dazwischen unbeleuchtete Fahrräder, Kühe und überraschend viele Jogger in kürzester Sportkleidung bei 8°C, Respekt.

Am Bahnhof gibts genug Leuchtanzeigen, so dass ich selbstständig den richtigen Bahnsteig finde. Die ersten BettlerInnen beziehen gerade ihre Stellung und legen sich in der Kälte im Nebel auf den Fussboden, das sind vor allem alte, knöcherne Frauen. Da sie hier alleine sitzen und kein Auflauf droht gebe ich auch etwas.

Neben mir steht irgendwann noch eine englische Reisegruppe. DANN fängt es an, ein Sonderbildschirm nur für Verspätungen zeigt 1h Verzug an. Im Laufe der Zeit wird dieser Wert immer wieder um 30 Minuten angehoben, meist, wenn wir grad fast dran sind, wie deprimierend, bis wir am Ende bei finalen 4 Stunden Verspätung landen. Es gibt keinen Warteraum, so dass alle auf dem kalten, zugigen Bahnsteig rumstehen. Zwischendurch immer wieder Angebote zum Schuheputzen oder zur Reparatur des Rucksacks. Ich lasse niemanden ran. Ein Zug der beiden Würzburgerinnen hatte schon mal 9 Stunden Verspätung, insofern war ich eigentlich gewarnt, aber es nervt trotzdem. So komme ich immerhin dazu mein nächstes Hotel zu buchen. Das, welches ich ursprünglich wollte, ist bereits ausgebucht, das nächste ist auf einmal ausgebucht als ich gerade ein Zimmer wählen will. Es gibt im Ort sowieso nichts über 8,9 bei Booking.com und wenn man genau hinschaut, sind auch noch unglaublich viele Fakekritiken drin, so wie überall im Land. Ich wähle also ein Hotel mit Bewertung 7,7, das hatte ich noch nie glaube ich, aber dafür das Super Deluxe Zimmer und vorsichtshalber erstmal nur für 1 Nacht.

Der Zug kommt irgendwann, ich verpasse es fast, da ich die Ansagen und Anzeigen gar nicht mehr ernst nehmen kann, und ich laufe erstmal in die 2. Klasse Aircon, gibt es also doch, sieht nett, bequem und sauber aus, ich bin aber leider 2. Klasse S. Die ist einen Waggon weiter und unglaublich dreckig. Alle Leute die ausgestiegen sind haben alles was sie in der Hand hatten einfach fallen gelassen, Verpackungen, Obst- und Nussschalen liegen auf dem Boden, mehre Sitzreihen schwimmen in einer undefinierbaren Flüssigkeit. Mein Sitz ist soweit in Ordnung und auch halbwegs bequem, es gibt sogar eine Steckdose. Wir fahren 5 Stunden durch eine unspektakuläre, flache Landschaft. Zwischendurch tauchen immer wieder mal Festungs- und Palastruinen auf. Alles wäre in Ordnung, wenn der Zug nicht andauernd an diversen Kleinsthaltestellen lange stehenbleiben würde, das macht es zu einer eher quälenden Angelegenheit. Eigentlich wäre ich gegen 14:30 angekommen, so lande ich in Jhanzi erst um 17:30, also zum Sonnenuntergang. Ich bin komplett genervt, allerdings geht es mir besser, als ich sehe, dass die englische Reisegruppe auch im Zug war und genauso gewartet hat. Über diesen Effekt müsste ich vielleicht mal nachdenken, aber geteiltes Leid u.s.w.. Außerdem wurde mir also scheinbar kein Looserticket verkauft, was ich zwischendurch mal vermutet hatte.

Mein eigentliches Ziel ist leider nochmal 20 km entfernt. Tuktuk gegriffen und ohne große Verhandlung auf unter 50% Prozent des erstgenannten Preises verständigt. Durch die Rushhour und diverse Straßenbaustellen mit riesigen Staubwolken im Dunkeln zum Hotel.

Zimmer ist ‚Super Deluxe‘, also zumindest gerade so sauber genug für mich, bis auf die fiese, flauschige Pferdedecke, aber halbwegs groß und der wurmstichige Boiler funktioniert, wie mir eindrücklich und mehrfach versichert wird. Die Bettwäsche schaue ich mir vorsichtshalber nicht genauer an. Als erstes gibts dann schon mal einen Stromausfall und darauf einen laut anspringenden Generator, nach 5 Minuten ist das zum Glück vorbei.

Gehe gleich in den Ort, der besteht nach erster Sichtung im Grunde nur aus einer Straßenkreuzung, und setze mich in das erste Straßenrestaurant, da es hier bis auf wenige Hotels, die ich gar nicht sehe, nichts weiter gibt. Im Hintergrund drohen schon düster hochaufragende Teile der Ruinen die ich mir morgen ansehen will. Werde erst ignoriert, dann bekomme ich doch ein vegetarisches Thali und eine Cola. Thali ist ein Sammelcurry aus Salat, kalter Kokosmilchsauce, Reis und 3 Currygerichten. In meinem Fall Dal, das ist immer drin, ein Kartoffelirgendwas und ein Kichererbsenirgendwie. Alles wird auf Anfrage nachgefüllt, ist also eigentlich ein 'all you can eat'. Da das alle Einheimischen nehmen, kocht das in großen Töpfen auf den diversen Propanflammen, sollte also gut durch sein. Dazu gibts Brot, welches ebenfalls nachgereicht wird. Dal mag ich seit Sri Lanka nicht mehr wirklich, aber der Rest ist gut und auch anständig scharf ohne weh zu tun. Heiße Dusche, Bett.

Zur Entspannung noch ein kleines Video zum Thema Verkehr, das die Bayern aus Mumbai geschickt haben und ein paar Fotos von gestern.


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Stefan -
23.01.2020 - 22:06:03 Uhr
Man o man. Das klingt ja nach permanentem Überlebenskampf. Hast du schon abgenommen oder hältst du noch dein Gewicht?
Warum nimmst du nicht den Flieger und fliegst ans Meer zum Strand. Och habe gehört, in Goa soll was gehen.
Bleib tapfer. Stefan
Nicole -
22.01.2020 - 21:21:00 Uhr
Boris, Du bist echt tapfer! Ich bin gespannt, was in Orchha auf Dich wartet. Jedenfalls hat der Taj Mahal Nebel es heute bis hierher geschafft.
Agra | Indien | Mittwoch - 22.01.2020 - 02:24 - GOOGLE MAPS 
16 Fast das Taj Mahal gesehen

Das war ein langer, aber auch erfolgreicher Tag. Früh aufgewacht, da das Restaurant auf meinem Flur unbedingt Musikbegleitung beim rumstehen braucht. Sehe, dass meine Geräte über Nacht nicht geladen haben, das ist ärgerlich, da ich beide Handys abwechselnd brauche und nutze. Dann kommt auch kein Warmwasser. Ich renne ziemlich sauer runter zur Rezeption, gar nicht meine Art, der Einchecker von gestern Abend kommt ins Zimmer, ruckelt am Stecker, Strom geht, dreht am Hahn, Warmwasser kommt. Das ist etwas peinlich. Merke abends, dass das Wasser tatsächlich ein paar Minuten braucht, aber dann wirklich heiß wird, ungewöhnlich. Wasche mir mit dem rumliegenden bezaubernden Pfirsichshampoo die Haare und bekomme Frühstück. Die angepriesene Dachterrasse mit Taj-Blick ist eine vermüllte Baustelle im Dunst.

Es ist total nebelig, diesig, aber ich hoffe, dass sich das bald verzieht, also gehe ich gegen 8:30 los. Merke bald, dass es ziemlich kalt ist, 10°C habe ich etwas unterschätzt. Im Laufe des Tages sollen es 19° werden, habe natürlich auch den Flies nicht mit und mein Tuch vergessen. Laufe im Nebel ca. 5 Minuten zum Taj Mahal. Vorbei an einem großen öffentlichen ‚Toilettenkomplex‘, unter dem gehts nicht. Das erinnert mich an die überhöhten Wortschöpfungen im Osten. Teures Ticket gekauft und rein. Die obligatorische Durchleuchtung und Abtastung ist diesmal konsequenter, alles wird hinterfragt, meine kleine Taschenlampe ist grenzwertig, mein Tablet zweifelhaft, die beiden Mandarinen werden leider verhaftet, no food, die Kekse haben sie aber nicht gefunden. Wie immer Aufgabenteilung beim kniffen, abreißen und lochen der Tickets. Das Eingangstor ist sicherlich grandios, aber leider nicht zu sehen, die Sichtweite beträgt gefühlt 15 m. Eine Atmosphäre wie in einem 70er Jahre Horrorfilm, wie in 'Wenn die Gondeln Trauer tragen'. Nach dem Tor ist wirklich nichts zu sehen, irgendwo müsste das Taj Mahal sein aber man siehts nicht. Alle starren angespannt in den Dunst. Man erwartet jeden Moment, dass hier unbeschreibliche Dinge auftauchen, kreischend. Am ordentlich angelegten, marmorgesäumten Wasserlauf schießen die wenigen Anwesenden die ganzen ikonografischen Bilder, nur leider ohne Taj Mahal, das sieht sehr lustig aus. Man orientiert sich in die ungefähre Richtung. Da man eh nichts sieht, entscheide ich mich dafür, trotz Zusatzeintritt und Pantoffelgebühr auch ins Gebäude reinzugehen. Also nochmal Eintritt, Schuhschoner an und auf die eigentliche Plattform. Aus der Nähe taucht das Gebäude irgendwann verschwommen auf, die Spitzen der Minarette liegen allerdings immer noch im Dunst. Das Gebäude ist aus einem sehr feinen weißen Marmor mit vielen Einlegearbeiten und sieht eigentlich etwas clean aus. Im Inneren darf man nicht fotografieren, trotz der ganzen Eintritte. Es gibt eine große Grabkammer mit 2 Sarkophagen, groß und klein, für Maharadja und Maharani. Diese sind eingefasst mit sehr schönen luftigen Marmortrennwänden. Die Wände im gesamten Gebäude sind mit einer Unmenge an Edel- und Halbedelsteinen belegt, alles wirkt sehr kühl, ist aber natürlich auch ein Grabmahl und kein Wohnzimmer. Hinten raus, mehrmals umrundet. Inzwischen kommen doch etwas mehr Besucher, alle hoffen auf ein bisschen Sonne. Ich auch, meine Haare sind immer noch nass vom waschen und es ist einfach nur kalt, ich hoffe ich vertrage das. Gegen 9:30 ist langsam etwas zu erkennen, aber richtig klar wirds heute nicht mehr, meine Meinung. Die Außenwirkung des Baus ist schon toll, sehr harmonisch, dazu der schöne Park, aber mir fehlt ein wenig das morbide. Papageien kreischen, Hörnchen keckern und bespringen die Leute, kleine weiße Reiherartige schreiten majestätisch über den Rasen, über allem kreisen wieder mittlere Greifvögel. Da die Tickets nur 3 Stunden gelten muss ich sowieso irgendwann raus. Ich gucke mir noch ein wenig den Kampf um die Fotostellplätze an, alle machen ihre signature-moves, Arme zur Seite, Victoryzeichen, Jacken aus und klassische Gewänder an, aber nur kurz, dann wieder in die Winterklamotten. Ich stelle mich manchmal auch einfach mitten rein und wandere dann langsam aus dem Gelände.

Tausche nebenan in einem Stoffladen spontan 200 €, ich muss langsam mal was loswerden, ich habe viel zu viel Bargeld mitgenommen, und fahre mit einem Tuktuk zum Red Fort. Sehe zum ersten mal ein kleines Fohlen durch die Menge schlendern und einen großen Taubenschwarm, in den sich ein paar grüne Papageien geschummelt haben. Inzwischen wird mir klar, dass dieser Ort für Touristen anstrengender ist als alles bisherige, die selbsternannten Führer, die Fahrer und die Händler sind sehr viel hartnäckiger und laufen einem minutenlang nach. Offensichtlich haben sie alle auch eine psychologische Schulung erhalten, es kommen immer wieder Argumente wie, 'sind doch nur 2 Euro', 'jetzt reist du so weit und wirst nichts verstehen im Fort', u.s.w.. Beim Abtasten am Eingang werden mir im Red Fort auch die letzten Kekse abgenommen, damit hätte ich sicherlich viel Schaden anrichten können. Das Fort ist riesig, ganz aus rotem Stein und innen zum Teil aus Marmor, es gibt einen Burggraben und eine Zugbrücke, ganz wie ein kleiner Junge sich eine Burg vorstellt, und es hat seine Momente, ein paar schöne Fassaden und Marmorblümcheneinlegeabeiten, aber es gibt keine wirklichen Innenräume, alles wirkt ein wenig aufgelassen und in einige Teile kommt man nicht rein. Draußen eine Baustelle und eine einzelne junge Frau, die den Mörtel in großen Körben auf dem Kopf hinträgt. Sie muss dabei aufmerksam den ganzen Touristen ausweichen, die sie als Fotomotiv nutzen. Überall tollen Unmengen der netten Nager rum und springen zum Teil auch die Gäste an.

Da mich die Stadt nervt und es noch relativ früh ist, entscheide ich mich, mit einem local Bus zu dem ca. 30 km entfernten Ort Fatehpur zu fahren. Dort gibt es eine Geisterstadt aus dem 16. Jhrd., welche von einem der größten Mogule Indiens gebaut und teilweise schon bezogen, aber nach kurzer Zeit, nach ca. 15 Jahren, wegen Wassermangel wieder verlassen wurde. Nehme also ein Elektro-Tuktuk zum staubigen local Busbahnhof. Dieser sieht eher aus wie ein Schrottplatz. Über und unter den verrosteten, verbeulten, staubigen Bussen überall Affen und Hunde. Der Bus nach Fatehpur steht schon bereit und fährt in 20 Minuten ab. Er ist wirklich dreckig, ich kann mich gar nicht entscheiden wo ich mich hinsetzen will, und anfassen will ich sowieso nichts. Erstmalig denke ich sehnsüchtig über ein Desinfektionsspray nach. Wir rattern eine gute Stunde hupend durchs Land und kommen glücklich mitten im Ortsmarkt von Fatehpur an. Die Sehenswürdigkeiten von Fatehpur Sikri sind zum Glück direkt begehbar. Zunächst am höchsten Punkt direkt hinter dem Busbahnhof eine riesige Moscheeanlage, wohl die flächenmäßig größte in ganz Indien. Eine steile Treppe ohne ordentliches Trittmaß führt rauf zum gewaltigen Eingangstor, bestückt mit mehreren kleinen pittoresken Dachpavillons, in der Mitte von massiven Mauern eingefasst ein riesiger gepflasterter Platz. Alles sehr schön und bis auf die vielen verzweifelten Händler in ziemlich entspannter Stimmung. In die Mauern integriert sind verschiedene Tore und Gebäude. Ich schlender barfuß auf den riesigen Platz, hier sind die Händler nochmal um einiges hartnäckiger, liegt vielleicht daran, dass hier höchstens 5 Westler unterwegs sind, der Rest sind Einheimische. Kaufe fast ein Schachspiel, da es mich an eins aus meiner Kindheit erinnert, im weggehen werden aus 50 Rupien, 30, dann 10, wenn ich richtig verstanden habe. Das wären letztendlich ca. 12 Cent, ich muss nochmal in Ruhe darüber nachdenken, ob es ethisch akzeptabel wäre das zu kaufen. Das wäre wirklich viel zu billig. Andere Händler sehen mich über den ganzen Platz hinweg, steuern mich zielstrebig aus der Ferne ebenfalls an, geben mir gute Besichtigungstipps und versuchen mir dann kleine Steinelefanten zu verkaufen, aber ich kann wiederstehen. In einem kleinen Marmormausoleum darf man nicht fotografieren und ich gehe vorsichtshalber auch nicht rein, da hier gehäuft grimmig aussehende bärtige Männer rumstehen. Daneben eine düstere vermutete Begräbnisstätte. Als Highlight entpuppt sich ein zunächst gedachtes Seitentor als die sogenannte Freitagmoschee mit wunderbaren Wanddekorationen und mehreren Säulenhallen sowie dem seitlich angeordneten Frauenbetbereich, alles schummrig und in düsterem rotem Licht durch die verwendeten roten Steine.

Irgendwann gehe ich raus aus der Moschee und laufe 300 m zum verlassenen weltlichen Teil. Zunächst wieder Eintritt und Durchleuchtung. Es gibt den verlassenen Palast und mehrere Gebäude zu sehen, umgeben von einer Stadtmauer. Alles hergestellt aus dem gleichen roten Stein wie die Moschee. Es ist relativ leer und entspannt. Überall wird gewerkelt, z.T. sehe ich richtige handwerkliche Steinmetzarbeiten. Die meisten Gebäude sind komplett freigeräumt und pur, es gibt aber auch einige feingehauene Steinfassaden zu sehen. Ein kleiner Zierteich darf nicht fehlen. In einem Gebäude eine seltsame Mittelsäule mit kopfseitigen kreuzartig angeordneten Stegen, absolut unverständlich, hätte ich doch nur einen Führer genommen. Es macht trotzdem einfach Spaß hier durchzulaufen. In allen Ecken sitzen Schüler oder Studenten rum und zeichnen.

Anschließend gehe ich zurück zum Bus und kaufe auf dem Markt eine gerade frisch hergestellte Samosa. Die Kommunikation ist allerdings schwierig, am Ende ist sie doch nicht vegetarisch sondern mit Hack gefüllt, schmeckt aber auch sehr gut. Anschließend erstehe ich noch 2 Süßigkeiten von einem Mann der mitten in seiner Auslage sitzt. Ich nehme Kekse aus einem kleinen Glasschrank, die wenigstens etwas vor dem Staub und den Abgasen geschützt rumliegen. Es sind eine Art würzige trockene Buiscuitkekse mit indischer Würzung, also Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamon und vermutlich viele andere die ich nicht kenne. Der Bus wird voll und die Rückfahrt ist anstrengend. Wir stehen 20 min an einer Mautstelle, neben uns schleppt ein Autokran einen Bus ab, als der Kran startet und Gas gibt, wird eine dunkle, stinkende Abgaswolke in unsere Bus gedrückt, es wird komplett dunkel und man kann kaum noch atmen. Die junge Frau neben mir erbricht sich gleich, zum Glück aus dem Fenster. Danach gehts mühsam durch den Abendstau zurück nach Agra.

Da mich die Stadt ziemlich anstrengt fahre ich direkt zum Bahnhof und versuche ein Zugticket für den nächsten Tag zu bekommen. Ich habe mehrere Male die Fakten zur Bahnorganisation in Indien gelesen, aber habe es nicht verstanden. Es gibt zig verschiedene Kontingente, Arten der Reservierungen und Wartelisten. Eine Registrierung im Onlinesystem ist mir nicht gelungen, da meine indische Handynummer bereits registriert ist und mein Mailverkehr mit der Bahn hat nichts gebracht, sie wollen einen Kaufbeleg für die Sim-Karte, den ich nicht habe. Ich muss also analog kaufen. Im Bahnhof ist kaum etwas auf englisch ausgeschildert. Bin erst am falschen Schalter, scheinbar der für die absoluten Last minute Fälle. Alle Leute hier sind sehr angespannt und man kommt nur mit äußerster Gewalt an den Schalter. Am anderen Ende des Bahnhofs dann ein neuer Versuch, gehe zum Schalter für ‚Tourists and Freedom Fighters‘, stehe 15 min an, fülle mein Formular aus, soweit ich kann und komme ran. Werde sehr nett behandelt, anders als die locals neben mir, das ist mir ein wenig unangenehm. Bekomme jedenfalls nach kurzem Gespräch ein Ticket für nächsten Morgen um 8:30, diesmal vermutlich aber Holzklasse, da es kein ac gibt, wenn ich richtig verstanden habe. Ich bin gespannt. Lange, sehr lange, sehr heiße Dusche und mittelmäßiges Sahneschleimcurry im Hotel, da es hier in der Gegend keine Auswahl gibt und ich zu kaputt und verfroren bin um noch woanders hinzufahren. Ohne Bier ins Bett, sicherheitshalber.


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Agra | Indien | Montag - 20.01.2020 - 18:56 - GOOGLE MAPS 
15 Reisetag

Es ist am Morgen nicht klar wo ich heute abend lande, ein richtiger Reisetag, endlich mal etwas Spannung. Morgens wird erstmal wieder eine Ziegenherde durch die Straße gescheucht. Nach dem Frühstück auf der Dachterrasse habe ich tatsächlich nur 7,2 € bezahlt, da war das Frühstück sogar mit drin und bis auf das Bett war es vollkommen in Ordnung. Ich weiß aber nicht, ob ich als Frau alleine dort gerne eingecheckt hätte. Der Eigner war kommunikativ und nicht unangenehm, aber irgendwie hing immer eine Gruppe junger und mittlerer Inder auf dem Dach oder vor dem Haus rum.

Der Boss besorgt mir ein Taxi zum 13 km entfernten Flughafen, für 8,4 €, vermutlich überteuert, aber ich habe keine Lust zu diskutieren. Der Taxifahrer erzählt was von Bauarbeiten und biegt irgendwann auf eine staubige Steinpiste in die Wüste ein, da verspanne ich mich kurz, bis uns ein Haufen Taxis entgegenkommt, scheinbar ist das doch der normale Weg. Ein Gespräch über Hitler verweigere ich einfach mal, er hat wohl keine Ahnung wovon er redet. Kleiner Flughafen mitten in der Steinwüste, ich habe alles in einen Rucksack gepackt und reise nur mit Handgepäck. Werde 2 mal gecheckt und abgetastet, überall Leute mit Maschinengewehr, evtl. wegen der Nähe zu Pakistan. Der Flieger hat 50 Minuten Verspätung, dann in Delhi mit dem Flughafen-Shuttle, wahrscheinlich der älteste Bus der Welt, ich erwarte jeden Moment, dass er wie in einer Explosionszeichnung in seine Einzelteile zerfällt, zum Metro Express. In wenigen Stationen zum Bahnhof New Delhi. Dazu gibt es im Netz haufenweise Horrorgeschichten, über Touristen, die an der Treppe zum International Ticketoffice abgefangen wurden, hier anschließend stundenlang nicht mehr rauskamen und immer wieder verschleppt wurden, von Reisebüro zu Reisebüro. Ich muss einmal quer durch zum Steig 1, schlage mich durch die hartnäckigen Schlepper, laufe die zig Bahnsteige lang und finde ohne Probleme das International Tourist Bureau, ein großer Raum mit dem Charme einer Mitropagaststätte im Nirgendwo in den 70ern. Einziges Problem unterwegs sind nur die wilden Hunde in den Aufgängen und Fluren vor dem Büro. Es ist ruhig, alles schläft scheinbar, aber 4 Schalter sind besetzt, sie bewegen sich nur kaum. Ich ziehe eine Wartenummer, fülle schon mal das Formular aus und bin nach 5 Minuten dran. Es kann wohl vorkommen, dass man hier mehre Stunden warten muss. Mein Bahnbeamter ist nett und freundlich, er tippt lange auf seiner mittelalterlichen DOS-Eingebemaske herum und gibt mir ein Ticket für 18:40, also in ca. 2,5 Stunden, Klasse 3 AC. Er muss mehrfach drucken, und dafür immer alles neu eingeben, Name, Pass etc., weil der laut sirrende Nadeldrucker aus den 80ern sich verdruckt. Habe die Sitzklassen leider nicht mehr im Kopf, aber es ist knapp über der Holzklasse glaube ich. Danach bleibe ich einfach 1 Stunde in einem abgeschabten Ledersofa im Raum sitzen. Ich glaube das ist der ruhigste Raum den ich bisher in Indien erlebt habe. 1 Stunde vor Abfahrt gehe ich raus und schaue ob der Zug kommt und wo er abfährt.

Es ist sehr unübersichtlich, ich lasse mir von einer Frau in der Touristinfo den Bahnsteig geben, den sie mühsam aus dem Internet holt. Finde den Bahnsteig und erkenne die Kennzeichnung für meinen Waggon. Es gibt eine Minimal-Leuchtanzeige, die abwechselnd die Zugnummer und den Waggon anzeigt, ebenfalls abwechselnd auf Englisch und Hindi. Was es nicht gibt, ist eine Anzeige der Bahnsteignummer, die ist nur auf der Überführung zu sehen. Auf dem Bahnsteig ist es unglaublich voll, ich bezweifel, dass diese Menge in 2 Züge passt. Der Zug auf dem Nachbargleis fährt ein, da hängen sich schon Leute an die Türen und offene Fenster, vermutlich haben sie keine Platzkarten. Mein Waggon ist entspannt, ich finde meinen Sitz bzw. meine Liege. Es sind insgesamt 4 Liegen möglich in 2 Lagen übereinander. Eine Klasse drunter wären es 3 Lagen, das stelle ich mir dann bei voller Besetzung etwas klaustrophobisch vor. Die Rücklehne würde man dann als Mittelbettlage hochklappen. Mit mir sitzt nur ein junger Inder, wir legen uns irgendwann unten hin und ich dämmere 2,5 Stunden vor mich hin. Es gibt grobe Decken und ein bezogenes Kopfkissen, aber keine Vorhänge, die erkauft man sich erst in der nächsthöheren Klasse. Ein Mann mit Pistole am Gürtel patrolliert die ganze Zeit durch den Zug.

Komme gegen 22:00  an und nehme ein Prepaidtaxi. Hotel ist eine Bruchbude in einer Nichtgegend. Die Kritiken waren eigentlich nicht schlecht, aber alles ist runtergekommen, man will eigentlich nichts berühren und von draußen klingt laute Musik rein. Gehe nochmal raus gucken, aber das schein ein weitestgehend künstlich angelegtes Viertel als Seitenzugang zum Taj Mahal zu sein, dafür bin ich wenigstens nah dran.

Ohne Süßigkeiten ins Bett.


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Jaisalmer | Indien | Sonntag - 19.01.2020 - 16:45 - GOOGLE MAPS 
14 Jain

Mittelgut geschlafen, das Bett ist wirklich sehr hart, es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit härter als der geflieste Fußboden. Buche im Bett einen Flug ins schöne Delhi, da ich mich noch nicht bereit fühle für 18 Stunden Zugfahrt. Hoffe, dass ich dort schnell zum Bahnhof komme und vielleicht spontan am selben Tag noch einen Zug nach Agra bekomme. Von dort fahre ich später nach Orchha, Khajuraho und Varanasi und danach wollte ich nach Aurangabad fliegen und der Rest ist ergebnisoffen, wenn ich noch Zeit habe. Siehe auch https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1VL2lAfm0FUr0ZfhDvkTYUzPvofNaNI85&ll=26.234026401342376%2C79.56829467490729&z=5

Omelette auf der Dachterrasse, völlig alleine, dann meinem Nachbarn bei der würgenden und hustenden Morgentoilette gelauscht, die Bäder haben eine durch eine Öffnung unter der Decke eine schön hallende Verbindung und nochmal in die Festung. Ich habe mich gegen Ausflüge und Kamelsafari entschieden und genieße lieber nochmal die friedliche Stadt. Durchs schöne Stadttor und die wieder sehr verschlungene Zuwegung. Laufe dieselben Straßen wie gestern, ein Stück innerhalb der leider total zugemüllten, mehrfachen Stadtmauer. Hier liegt irgendwo ein Stück altes Sandsteinkapitel, das ich am liebsten sofort einpacken würde. Es ist leider ein wenig zu groß für mein Handgepäck. Finde anschließend im Fort liegenden, komplett ineinander verschachtelten 5 Jaintempel. Sie sollen 500 bis 800 Jahre alt sein, sehen dafür aber eigentlich fast zu gepflegt aus. Meint auch ein Spanier den ich dort treffe, der mir in Jodhpur erzählt hatte, dass er einen Job für Marketing in einem Guesthouse in Jaisalmer bekommen hat. Das hat er wohl nach 2 Tagen bereits geschmissen, da er nur rumgesessen hat. Allerdings hat er eine Safari gemacht und meinte, er hätte noch nie in seinem Leben so gefroren. Die Tempel sind etwas glatt aber trotzdem schön und vor allem relativ ruhig. Es gibt unfassbar viele Steinarbeiten mit Figuren, frei schwebende zusammenhängende verschlungene Bögen aus Stein, Buddhafiguren, viele Reliefs und viele Chinesen. Jaintempel sind wohl berühmt für ihre aufwendige Gestaltung. Die Jain sind neben dem Hinduismus, Islam, Buddhismus und den Sikh eine der großen Religionen in Indien, sie leben vollkommen gewaltfrei und sind alle mindestens Vegetarier, normalerweise müssen deshalb in den Tempeln alle Ledersachen abgegeben werden, darauf wurde hier aber nicht geachtet.

Danach durch die Stadt, laufe eine Zeitlang 2 Schweizerinnen mit Führer hinterher, höre ein bisschen zu und wir lachen herzhaft, da wir immer dieselben Fotos schießen. Einen guten und freundlich gereichten Kaffee auf der Stadtmauer und irgendwann gehe ich raus, sofortiges Spießrutenlaufen, Führer, Souvenir, Souvenir, Schuheputzen, Antiquitäten, Holzelefanten, Steinelefanten, Anzüge, Tücher. Komme aber irgendwie durch. Die meisten Gespräche laufen so: 'Were you from' 'germany', 'Hamburg, Frankfurt, Munich?', 'achso‘, ‚wie geht’s‘, ‚moin moin'. Dann bin ich meistens schon vorbei. Manche sind hartnäckig und haben auch immer irgendwo einen Freund in Deutschland. Einer fragt mich sogar ob ich aus dem Osten bin. Na toll. Er hat wohl einen Freund in Dresden.

Habe Lust auf den Essenstand von gestern, gehe in eine Straße direkt am Fort und da ist er schon. Ohne Hunger geht das irgendwie einfacher. Nehme eine Art flache Samosa mit Zwiebeln und Kartoffeln gefüllt und wieder eine Chillieschote. Sehr würzig alles, lecker und bestimmt total gesund. Danach Chillen im Raum und Telefonate nach Berlin über Signal.

Gehe zum Sonnenuntergang nochmal raus in die Stadt einen letzten Blick werfen. Es ist total leer und entspannt. Sehe eine Frau, die ihre Curry-Essensreste in die Abwasserrine kippt, sofort ist eine bereits wartende Kuh da und schleckt das Curry weg. Ich habe erst einmal, bei der Herfahrt in der Steppe, Kühe auf Rasen, Wiese, oder etwas ähnlichem, gesehen, ansonsten leben sie scheinbar lieber in den Orten, stehen in den Müllbergen und kauen an Plastik.

Ich esse im selben Restaurant wie gestern, ich habe es gut vertragen, safety first. Das Aloo Gobi ist leider nicht so gut, drückt sogar schon etwas beim essen. Auf dem Weg nach Hause noch schnell ein Selfie mit Kuh, wieder ein Tag geschafft. Ich habe auf meinem alten Handy eine Bildbearbeitungsapp gefunden, mit der man Selfies veredeln kann, also Gesicht weichzeichnen, Augen größer und vor allem Gesicht schmaler, das werfe ich alles zu 100% an, dazu noch der Nostalgiemodus mit 50er Jahre Diafarben, voila, fertig ist das vollkommen natürliche, authentische Selfie.


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Jaisalmer | Indien | Freitag - 17.01.2020 - 12:41 - GOOGLE MAPS 
13 Die goldene Stadt

Morgens raus und werde mit meinem Verpflegungsbeutel vor einem dunklen Reisebüro abgesetzt. Warte 15 Minuten, der Bus sollte schon längst da sein Es kommen noch 2 deutsche Mädchen, die unabhängig voneinander jeweils mehrere Monate alleine unterwegs sind. Sie fühlen sich wohl ganz sicher, gehen aber abends im Dunkeln auch nicht raus. Der Bus kommt irgendwann doch noch und wir fahren mit lautem Entertainment in 5,5 Stunden durch flache, dünn bewachsene Steppenlandschaft nach Jaisalmer. Ich sehe eine Bollywoodklamotte, sieht aus wie Charlies Tante, und einen geschichtsklitternden heroischen Bollywoodschinken, mit einer tapferen Kriegerprinzessin, die gegen böse, frauenschlagende und bücherverbrennende Engländer ins Feld zieht, bevor sie am Ende lächelnd verbrennt. Naja. Das alles natürlich bei voller Lautstärke. Zwischendurch wird angehalten, weil ein Fahrer bei einem Straßentempel mitten im Nirgendwo Abgaben leisten muss.

Werde am Ziel, Jaisalmer, der goldene Stadt, mit einem völlig demolierten Auto abgeholt, das kann man für 4 Euro auch schon erwarten. Lese im Nachhinein, dass schon Leute aus dem Hotel geschmissen wurden, weil sie keine Kamelsafarie machen wollten. Ich will auch keine machen, aber das scheint kein Problem zu sein. Das Hotel liegt außerhalb des Forts in einem Wohngebiet, ein nettes Haus, Dachterrasse mit halbem Fortblick, Zimmer ist groß und halbwegs sauber. Die Bettwäsche ist gerade so in Ordnung, das Bad stinkt ein bisschen, aber für diesen Preis iast alles völlig ok. Nur die Matratze ist sehr sehr hart. Ich frage mich, wer sowas herstellt und dann mit gutem Gewissen verkauft.

Bekomme einen Kaffee und laufe los. Alles ist etwas entspannter hier, weniger Verkehr und das nur von wenigen Mopeds frequentierte Fort ist klein und wunderschön. Es ist komplett aus gelbem Sandstein gebaut, überall tolle alte Havelis und Tempel. Das Innere ist wie eine Kleinstadt bewohnt, es gibt auch viele Hotels, leider gibt es noch mehr Souvenirläden, bzw. es gibt eigentlich praktisch nichts anderes. Der Ort ist laut Reiseführer das Rothenburg ob der Tauber von Indien, es sind dementsprechend auch viele indische Touristen hier.

Trinke irgendwann einen Kaffee, sehr schlecht und sehr teuer, und treffe einen Deutschen, der sich seine Reise als ‚american football‘ Spieler in Deutschland verdient hat, den ich schon in Jaipur gesehen hatte. Er ist in Pushkar, einer esoterischen Stadt mit vielen Tempeln an einem See, hängengeblieben, hat dort viel getrommelt und wurde auf eine indische Hochzeit eingeladen. Als Deko? Er zahlt jedenfalls hier nur 2 € und da ist das Frühstück mit drin, ich zahle also definitiv zu viel.

Gehe nach 2 Stunden raus aus der Stadtmauer und schaue mir die umgebende Außenstadt an, auch hier viele tolle alte Häuser sowie ein nahezu göttlicher Essensstand. Nehme ein Chilliepakora und ein undefinierbares Teigteil aus Gemüse, beides sehr gut. In der Chillie ist diesmal noch ein bisschen Curry eingebacken, das ist richtig lecker. Irgendwann zurück, ablegen in der gemütlichen Fensternische in meinem Zimmer und am frühen Abend in 5 Minuten zu Fuß zum Sunrisepunkt an einem kleinen See mit mehreren romantisch angeordneten Sandsteinpavillons. Man kann den See auch mit Tretschwänen befahren. 2 seltsam colorierte Designergänse schnattern am Ufer lang, viele Einheimischen sitzen auch friedlich im Sonnenuntergang auf den Stufen zum See.

Dann wirds anstrengend, ich gucke im Hotel ob ich hier was esse, bin aber der einzige, gehe raus und kann mich nicht entscheiden. Kritiken sind alle ambivalent, die meisten Restaurants sind leer. Neben mir stoßen bei vollem Tempo 2 Mopeds zusammen, die Maschinen segeln über die Straße, die Fahrer klopfen sich kurz ab, dann gehts weiter. Suche den Pakorastand vom Nachmittag, aber finde ihn leider nicht wieder. Erschrecke mich mehrfach, da mir in den dunklen engen Gassen immer wieder teilweise riesige Kühe entgegenkommen, an denen ich mich vorbeidrücken muss. Gehe letztendlich in einen Laden in dem 2 Touristen und einige Inder sitzen, der Tandooriofen im 1. Raum verbreitet eine nette qualmige Lagerfeueratmosphäre, und esse ein 'paneer irgendwas' mit einer roten Currysoße, und mehrere plain Naans. Das ganze ist scharf und eine ziemlich gute Notlösung. Nach Hause, ins Betonbett und den vor dem Fenster kläffenden und kämpfenden Hunden zugehört. Als alle tot sind kann ich endlich schlafen. Beim letzten Blick aus dem Fenster zieht vor dem Fenster gemächlich eine Kuh mit ihrem Kalb vorbei.

Habe von den Deutschen in Jaipur ein Video zum Kitefestival bekommen, das sieht aus wie ein Bürgerkrieg und scheint ein großer Spaß für die ganze Familie zu sein. Natürlich haben wir als erstes eine Whatsappgruppe gegründet.


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Nicole -
19.01.2020 - 13:59:33 Uhr
Fur 4 Euro hatten wir ja was Schlimmes erwartet, aber das Zimmer mit Aussicht sieht gut aus.

Mir ist aufgefallen, dass man Dich nie auf den Fotos sieht...bitte ein Selfie mit Kuh!
Jodhpur | Indien | Freitag - 17.01.2020 - 12:41 - GOOGLE MAPS 
12 Meherangarh

Gut geschlafen, bis der Muezzin ruft bzw. schreit, natürlich mit Megaphon, sonst könnte es ja jemand überhören. Frühstück mit Toast und Omelette, dann los, ich muss Geld wechseln. Der Laden den ich mir vorher ausgesucht habe, hat nicht offen, der nächste hat kein Geld, ‚i waiting for my boss, maybe in one hour…‘. Also muss ich nochmal runter zum Uhrenturm und finde irgendwann einen atm. Der Verkehr ist morgens viel angenehmer stelle ich fest, es ist noch nicht so voll und alle halten sich noch vornehm zurück.

Wieder los zum 120 m hoch auf einem einzelnen Felsen über der Stadt drohenden Fort Meherangarh, ursprünglich aus dem 15. Jrhd.. Das alles bei schönem, halbwegs klarem und warmem Wetter. Mir fällt wieder mal auf, dass alle diese Orte und Festungen Namen haben, die klingen als wären sie aus dem Herrn der Ringe und sie sehen dazu auch meist noch so aus, prätentiös, verspielt, ziemlich kitschig und immer ein wenig zu viel von allem.

Beim Eintritt wird man auch nach Selfiestäben gefragt und hätte sie wohl abgeben müssen, scheinbar gab es hier in der Vergangenheit einige schwere Selfieunfälle. Ferner fällt wie immer hier im Land auf, dass jeder Angestellte genau einen Job hat. Das wären zum Beispiel Geld annehmen, oder Karte ausgeben, oder Karte kritisch angucken, oder Karte falten, oder Karte an bestimmter Stelle lochen usw., alles einzelne vollständige Jobs. Zum Eintritt der Festung gehört ein deutscher Audioguide, den ich diesmal auch nutze. Ein Mann mit britischem Akzent klärt mich über die 33 markierten Stationen auf. Man wird wie immer im Land auf einem starr festgelegten Parcour geführt und sofort weiter gewunken, wenn man ausschert. Es ist diesmal aber nicht ganz so undurchsichtig wie in Udaipur, dort gab es lange, enge, verwinkelte Gänge und man wusste nie wo man sich befindet. Hier wurden eher konservativ klar strukturierte, größere Räume in mehreren Etagen gebaut und um halbschattige Höfe gruppiert. Der Eingang, und allgemein die Bereiche unten und hintenrum, ist sehr massiv und wehrhaft und musste seinerzeit auch Elefantenangriffen wiederstehen. Aus diesem Grund gibt es in der Zuwegung ein paar Knicke um den Anlauf einzuschränken. Es gibt insgesamt 7 Palasttore, am letzten befinden sich ein paar rote Handabdrücke von Maharanis, welche sich nach dem Tod ihrer Männer selbst verbrannt haben, allerdings kann das nur eine Auswahl sein, denn die Herrscher hatten wohl viele Frauen. Lese später, dass es nur die Frauen EINES Maharajas waren und die Abdrücke von 1843 stammen. Diese Unsitte endete nicht einmal als die Engländer das verboten haben, ich bin mir nicht mal sicher, ob es auf dem Land nicht immer noch passiert. Die Fassade des Palastes besteht aus Sandstein und ist unglaublich filigran, besonders die Fensterverschattungen, von denen sich kaum mal zwei ansatzweise ähneln. Von weitem denkt man das wäre Holz. Innen gibt es den üblichen Krimskram, Sänften mit kecken Löwen und Tigern, das geht immer, hier lassen sich die Damen fotografieren und Waffen, Fototermine für die Herren. Dazwischen bezaubernde Miniaturmalereien, ein Schaubild zur wechselnden Bartmode bei Maharajas, einige wirklich schöne bunte und geschmackvolle Räume wie aus 1000 und einer Nacht und vor allem schöne Höfe, in denen man die Fassade auch mal in Ruhe bewundern kann. Die Angestellten tragen alle Themenkleidung im Orientstil und wollen gerne fotografiert werden, natürlich gegen ein kleines Entgeld, meist kann ich mich wehren.

Nach 1,5 Stunden bin ich durch und mir fällt auf, dass ich kein Wasser bei habe. Anfängerfehler, zu zweit passiert das normalerweise nicht. Gehe noch zum Ende der Festungsmauer, wo sich ein kleiner Tempel befindet. Schuhe aus, selbst der bewachende Polizist sitzt in Socken dort. Ich frage mich, wie er so Terroristen verfolgen will. An die Mauer kommt man nicht mehr direkt ran, siehe Selfieunfälle, aber man hat trotzdem einen schönen Ausblick auf die Stadt mit ihren vielen blauen Häusern. Früher durften nur Brahmanen ihre Häuser blau anstreichen, das hat sich wohl inzwischen geändert, sonst wäre es eine Stadt voller Brahmanen.

Ich laufe auf dem Felsen außerhalb der Festung ein Stück die staubige Straße runter vorbei an einem absurd heroischem Reiterstandbild zu den Grabstätten der Maharajas. Das Hauptgebäude ist eher ein kleiner weißer Marmorpalast in einer lauschigen Gartenanlage mit vielen kleineren, weißen Pavillons. Neben dem Abgrund mit Blick auf die Stadt stehen noch einige kleine Mausoleen. Sitze ein bisschen und sehe kleinen, dunkel schillernden Vögeln mit gebogenem Schnabel zu, wie sie Nektar aus Baumblüten schlürfen.

Wandere zurück in die Stadt und trinke auf einer Dachterrasse im Hill View Guesthouse (Kollegentipp) mit Blick über die gesamte Stadt eine Cola und einen sehr sehr schlechten Kaffee und brate angenehm in der Sonne. Über der Stadt schweben zwei große Falken, vermute ich mal, das habe ich auch schon in Udaipur gesehen. In der Stadt unter mir ist die Hölle los. Gefühlt 10 bis 20 Megaphone überschreien sich gegenseitig, mal entspannt, mal offensichtlich sehr gestresst. Einer singt melodisch und fast sanft, das klingt richtig gut, bis auf das elektrisch stark verstärkte Räuspern zwischendurch. Ein anderer klingt eher wie die Sportpalastrede. Überlege ob es Muezzin bzw. buddhistische Tempel oder doch nur Werbung, Lottowagen oder die Müllabfuhr ist. Die Frau im Guesthouse erklärt mir, dass es allein die diversen Moscheen der Stadt sind, welche Freitag nachmittag voll mit Menschen sind.

Schlender noch durch die Oberstadt, es gibt hier tatsächlich immer wieder wunderschöne alte große Häuser (Havelis), aber vieles ist leider stark runtergekommen. Von den im Reiseführer versprochenen Düften nach Gewürzen und Rosenblättern spüre ich nichts, das liegt evtl. auch an den vielen Männern, die hier überall an den Wänden oder in dunklen Ecken stehen und sich erleichtern. Außerdem gibt es in jeder Straße eine oder zwei offene Abwasserrinnen, in denen fragwürdige Flüssigkeit abfließt. Bei den großen Straßenbaustellen in Udaipur habe ich aber gesehen, dass unterirdisch auch ganz normal geschlossene Rohre und Leitungen verlegt werden.

Gehe kurz zum Stufenbrunnen, heute bewacht von einem Polizisten, man darf leider nicht runter und dann ins Hotel. Es gibt hier viele Leute, die auf der Straße leben. Beim rauslaufen in die Innenstadt  komme ich jedesmal an einem alten Mann vorbei, der scheinbar auf 1,5 m2 Bürgersteig lebt. Er sitzt immer an der gleichen Stelle, gestern Abend hatte er ein kleines Lagerfeuer vor sich.

Habe gestern bereits ein Hotel für 4 € die Nacht für die nächste Stadt gebucht, ich bin sehr gespannt wie das ist. Bislang zahle ich eher um die 20 € bzw. derzeit 11 €. Buche jetzt noch einen Bus für morgen früh nach Jaisalmer, eine Stadt in der Wüste, kurz vor der Grenze nach Pakistan, und entspanne noch ein bisschen im Hof. Schreibe Tagebuch, mal sehen wie lange ich das noch durchhalte.

Der Eigner erklärt mir, dass er Gespräche über den Verkehr immer nur mit Deutschen führt. Verkehr läuft hier nach meiner Beobachtung so, dass alle mit voller Geschwindigkeit aufeinander zufahren und wie wild hupen. Dann müssen sie in einer Art chaotischem Pfropfen stehen bleiben und versuchen alle gleichzeitig, sich irgendwie aneinander vorbei zu winden. Die Verkehrsteinehmer können auch nicht einen Moment abwarten. Sie müssen immer versuchen, sich neben jemanden zu schieben oder zu überholen oder in keline Lücken zu schießen, selbst wenn da eigentlich gar kein Platz ist. Das ist anscheinend eine Art Reflex. Und immer wird ununterbrochen wie wild gehupt. Vielleicht wäre das weniger anstrengend, wenn man einen Sinn darin erkennen würde.

Gehe noch essen, auf einer Dachterrasse am Stufenbrunnen. Sehe unterwegs eine sehr gewagte Schaufensterdeko im blauen Stil. Die nette Bedienung im Restaurant erzählt mir, dass sie im Restaurant alle aus Nepal kommen und erzählt Geschichten aus seiner Armeezeit. Es läuft laute Dancehallmusik. Ich versuche ihm zu erklären, dass er mehr Touristen bekommt wenn die Musik leiser ist, er lächelt nur, seltsame Touristen. Esse ein Gemüsecurry, das ist mittelmäßig, oder medioker, wie der durchschnittliche Tripadviserkommentator sagt, aber immer noch besser als in Berlin. Zu Hause zahle ich das Zimmer und bekomme eine Ausgleichstüte Frühstück hingestellt, mit Bananen, Mandarinen und Cracker, da ich morgen um 5:40 los muss. Im Garten werden die Neonröhren angemacht, sehr spacig. Passend dazu ist das kleine Licht in meinem Zimmer eine blaue Glühbirne, warum gibt es denn sowas?


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Stefan -
18.01.2020 - 18:17:25 Uhr
Hi. Wir lesen jeden Tag fleißig und sind gespannt deine neuen Erlebnisse. Wir Angsthasen trauen uns ja eh nicht dahin. Am seltsamsten aber sind für mich immer deine Versuche, doch noch mal eine billigere Bleibe zu bekommen. 4€ klingt vertrauenswürdig. Denk dran, auch schlafen ist wichtig.
Hast du schon grob eine Reiseroute für die nächsten Wochen? Wohin gehts noch so? Viele Grüße, wir folgen dir.
Nicole -
17.01.2020 - 18:18:49 Uhr
Boris! Wir le(b)sen noch! Bitte des Schreibens nicht müde werden, denn wir fiebern jedem Eintrag entgegen.
Jodhpur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 18:44 - GOOGLE MAPS 
11 Tiere streicheln Menschen

Da sich hier so viele Tierfotos ansammeln, nachfolgend mal eine kleine Auswahl.


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Jodhpur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 16:16 - GOOGLE MAPS 
10 Shabby shabby Bus

Komme halbwegs raus und laufe ohne Frühstück durch dunkle, verlassene Straßen ca. 1,5 km zum Bus. Finde den Bus und mit Verspätung gehts los. Dieser Bus hatte eine ziemlich schlechte Bewertung und das bestätigt sich leider, sehr verdreckt, es werden alle Leute eingeladen die so am Straßenrand rumstehen, was sehr viel Zeit kostet, und man will wirklich nichts anfassen, ich ziehe mir meine Kapuze über wenn ich mich anlehne. Leider war das der beste Bus für einen Morgentermin. Irgendwann auf der Strecke fahren wir über einen kleinen bewaldeten Berg. Hier sind auf einmal eine Menge großer Affen, sie sitzen in langen Linien am Straßenrand und beobachten den Bus, das ist sehr surreal.

Komme mit Verspätung in Jodhpur, der blauen Stadt, an und nehme das erstmögliche Tuktuk, handle 50 Rupien runter, aber zahle letztendlich doch mehr als für den Bus, ich will nur noch ins Hotel. Habe einem Hoteltipp der Bayern vertraut, das Zimmer ist auch originell, vor allem sehr farbenfroh, aber leider auch sehr basic und nicht so sauber wie die letzten beiden Zimmer. Es ist ziemlich staubig und die Bettwäsche möchte ich auch nicht im Tageslicht untersuchen. Gut, dass das Zimmer so düster ist. Dafür ist der muslimische Host auf zurückhaltende Art sehr nett. Ich bekomme einen Kaffee und schleppe mich erstmal in die Stadt. Schaue mir einen schönen Stufenbrunnen mitten in der Altstadt an, der geht sehr tief runter und wurde erst kürzlich saniert und saubergemacht, er war wohl vorher mit Müll vollgekippt. Über allem trohnt die riesige örtliche Festung auf dem Berg hinter der Stadt. Danach lasse ich mich durch die engen vollen Gassen treiben, viele blaue Häuser, Markt überall, tausende Läden und es zwängt sich immer noch irgendwie ein Moped oder ein Tuktuk durch. Verlaufe mich mehrfach, aber googlemaps sei Dank finde ich irgendwann den zentral am Fuß der Altstadt gelegenen Uhrenturm. Erinnere mich an den Tipp eines Kollegen und suche den Omeletteman auf. Der hat einen kleinen Stand, welcher im Wesentlichen aus einer schwarzen fettigen Pfanne, einem Bunsenbrenner und vielen Eierkartons besteht. Er hat Erwähnungen in allen Reiseführern und hinter ihm hängt sogar ein deutscher Artikel aus dem Spiegel oder so, also offensichtlich ein Geheimtipp. Esse ein Marsalaomelette und es ist ziemlich gut.

Laufe noch eine Runde und auch schon mal zur Festung hoch. Diese schließt gerade, also werde ich sie mir morgen in Ruhe anschauen. Habe mir in Tripadvisor eine Dachterrasse zum Essen rausgesucht. Schöner Blick auf einem tollen verwinkelten alten Haus mit sehr atmosphärischen bunten Innenhöfen, leider wird es abends ziemlich kühl. Esse ein radjastanisches Gericht, lange getrocknete Bohnen, Linsen und Kapern in einer Art Curry. Habe es extra ein wenig scharf bestellt und das ist es dann auch, sehr lecker. Dazu gibt es Naan und Chapati als Begleitbrote. Ich habe im Land bisher noch keinen Reis gegessen und vermisse es bisher auch nicht. Die Brote waren bislang aber auch sehr gut und alle Leute die ich bisher getroffen habe lieben Naan. Zum Nachtisch gibt es eine Art Milchreis mit Safran, bzw. vielleicht auch nur Lebensmittelfarbe, etwas gewöhnungsbedürftig aber essbar.

Ich schlender nach Hause mit einem Prozent Strom auf dem Handy und habe etwas Angst, dass ich ohne googlemaps das Hotel nicht mehr finde. Komme gerade so an. Ich merke langsam, dass mich das ewige Gehupe und der Stress mit den rasenden Mopeds und Tuktuks ziemlich aggressiv machen, vielleicht muss ich doch schneller in den vielleicht etwas entspannteren Süden. Ich lasse mir eine zweite Decke geben, da es wieder ziemlich kalt wird und setze mich alleine noch ein bisschen in den bunten Innenhof meiner Unterkunft, für mich wird sogar extra der kleine Springbrunnen angemacht.


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Udaipur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 16:12 - GOOGLE MAPS 
9 Dachterrassen

Gut geschlafen und Frühstück auf der bezaubernden Dachterrasse, umschwirrt von grünen Papageien oder Sittichen. Buche online den nächsten Bus. Danach zu Fuß durch eine schöne überwiegend von Menschen ohne Fahrzeugen belebte Straße zum Zentrum. Sehe, wie vor dem schönen Tempel von gestern, ein Einheimischer der großen Bettlergruppe Essen und etwas Geld geben will. Die Gruppe wird auf einmal zum rasenden Mob und sie zerreißen den armen Mann fast, er lässt sich aber nicht beirren und gibt weiter. So etwas habe ich in Thailand oder sonstwo in Asien nie gesehen. Den umherlaufenden Tieren wird hier auch immer etwas zu essen oder zu trinken gegeben, vor vielen Kühen liegt etwas Gras oder Curry, Hunde werden gefüttert und Tauben getränkt.

Sehe im Sonnenuntergangsghat von gestern mehrere Frauen die ihre Wäsche im See waschen. Sie schlagen stundenlang mit Holzknüppeln auf die Wäsche ein. Laufe wieder über die Brücke auf die Halbinsel und sehe mir die Seen nochmal im Sonnenlicht an, leider ist es etwas diesig, oder eher staubig und smogig. Man kann nur schwer atmen. Ich werde andauernd durch Händler und hier vor allem freie Künstler und Schneider angesprochen. Am Tempel mit Palastblick vertreibt mich einen Pärchenfototermin. Ich schaue ein wenig zu. Man braucht für adäquate Bilder eine große johlende Gruppe Fotografen, der Mann steht möglichst cool vor der Frau, welche in bunte, lang flatternde Gewänder gehüllt ist, dann schreitet die Frau langsam mit wehendem Kleid hinten um den reglos rumstehenden Mann, wenn möglich mit ein paar exaltierten Drehungen, irgendwann wird sie auch noch von ihm hochgehoben, so geht das.

Auf dem Rückweg fällt mir auf, dass meine Busbuchung falsch ist, bei der Suche wurden scheinbar 2 Städte angenommen und ich Amateur habe wohl einen Bus in die falsche Stadt erwischt. Setze mich neben die Brücke an den Fluss und storniere und buche richtig. Mit 2 Handys und Kreditkarte in der Hand, total sichere Sache. Werde dabei angebettelt und von 2 netten Schuljungen vollgequatscht, die an mir ihr Englisch erproben und natürlich Selfies wollen.

Schlendere langsam ins Hotel. Werde noch von einem Schneider angesprochen, der 3 Jahre in Deutschland Modedesign studiert hat, er ist sehr nett, aber nein ich trage keine Anzüge, und lege mich 1,5 Stunden ab. Dann bekomme ich eine Whatsapp-Nachricht von den beiden Bayern aus Jaipur. Sie sind grad in der Stadt angekommen und wir verabreden uns zum Essen. Treffen uns und landen auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Bollywood-Hotelinsel im See, eines der teuersten Hotels des Landes, die Nacht kostet wohl mehre tausend Euro. Das Essen ist mittelmäßig, aber es ist eine schöne Atmosphäre. Wir sitzen da und reden u.a. über die allgemeine Wohnungssituation in Deutschland, sie zahlen 1300 € für 75 m2, bis der Laden gegen 23:00 zumacht und ich trinke diszipliniert nur dreieinhalb große Bier. Auch sehr sicher, ich muss ja erst um 6 Uhr raus und fahre dann nur 5,5 Stunden mit dem Bus nach Jodhpur.


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Udaipur | Indien | Dienstag - 14.01.2020 - 17:05 - GOOGLE MAPS 
8 Noch ein Stadtpalast

Ich habe einen Tag praktisch nur auf der Dachterrasse verbracht. Trotz der mindestens 5 sich überlagernden Soundsysteme kann man es hier gut aushalten. Ich bin nur kurz raus um eine Cola zu kaufen und Geld abzuholen. Bekomme nur leider zunächst kein Geld, weil der atm sich weigert, evtl. ist einfach nicht mehr genug Geld drin. Ich denke, dass ich noch genug habe, aber beim auschecken am Abend  reicht es dann doch nicht, so dass ich nochmal los muss. Finde dann irgendwann auch einen funtionierenden Automaten. Die ganze Stadt hängt voller gekappter Drachenleinen, überall liegen abgestürzte Drachen. Das geht hier wohl noch ca. 1 Monat so weiter.

Ich sitze rum, beobachte 3 balzende Streifenhörnchen auf der Fassade gegenüber, esse gegen 20:00 im Hotel, sicherheitshalber, diesmal ein eher süßliches gemischtes Gemüsecurry, die schärferen Gerichte sind aber einfach besser, und fahre gegen 21:20 mit einem Tuktuk zum Bus. Finde ihn auch gleich und gegen 22:15 gehts los.

Ich habe ein Zweierabteil für mich, relativ sauber, keine Bettdecken, nur eine dünne Acrylwolldecke, alle Abteile durch Glasschiebetüren unterteilt. Nach dem losfahren geht die Klimaanlage los, fürchte schon zu erfrieren, aber es wird schnell warme Luft reingeblasen und wird im Laufe der Nacht richtig heiß.

Wir kommen gegen 6:00, also sogar 15 Minuten zu früh, in Udaipur an. Feilsche hart am Tuktukstand und gebe dann am Ende doch den vollen Preis, weil nur einer der Fahrer um diese Uhrzeit bereit ist mich zu fahren, feilschen ist irgendwie albern.

Die Straße wird gerade neu gebaut, scheinbar im halben Ort gleichzeitig, so dass ich die letzten 300 Meter zu Fuß gehe. Stehe im dunkeln um 6:30 vor dem verschlossenen Tor, es gibt nicht mal ein Schild des Homestays, weiß also nicht genau, ob ich richtig bin. Laufe kurz rechts, links, als ich zurückkomme ist das Tor auf. Gehe in den schönen friedlichen Hof und treffe einen Mann der die zuständige Dame weckt, checke ein, ohne vorherige Ansage, und gehe gegen 7:00 morgens ins Bett. Der Raum ist nett und sehr sauber, aber liegt leider direkt im EG neben einem Aufenthaltsraum, nur abgetrennt durch eine Glaswand mit Vorhängen, Verschluss ist eine Stahlstange von innen und ein Vorhängeschloss von außen. Das Haus ist scheinbar eine alte Stadtvilla mit begrüntem Hof, direkt neben einem kleinen Tempel.

Schlafe bis 11:00 und habe erstmal kein Warmwasser und keinen Strom. Laufe zu einem dreckigen Cafe mit tollen aber runtergekommenen Räumen und esse Frühstück, erkenne leider erst nach und nach wie dreckig das Lokal wirklich ist aber esse trotzdem ein Omelette und trinke Kaffee, der nach Curry schmeckt. Laufe danach zum Stadtpalast aus dem Jahr 1553, an dem danach noch 400 Jahre rumgebaut wurde. Das ist auch deutlich zu erkennen, er ist unglaublich groß und wirkt schon von außen sehr zerstückelt. So überwältigend der Palast von aussen wirkt, so verhutzelt und kleinteilig ist er im inneren. Laufe 2 Stunden durch unendlich viele lange schmale Gänge und Treppen, mal runtergekommen, mal mit Marmor ausgelegt, mal gefließt wie ein alter Berliner Hausflur oder eine Fleischerei. Zwischendurch Räume mit buntesten Fliesen, mit Glasscherben verkleidet, mit Schaukeln, mit Vogelkäfigen, mit Waffen, mit Pappmachepferden, mit flachen Pappmaharadjas, ein kleiner Raum mit Wandmalereien, schöne halbschattige Höfe und Kreuzgänge?, Balkone usw. usf.. Irgendwann eine kleine aber sehr feine Skulpturenausstellung und eine Bildergalerie mit Wimmelbildern. Ich stosse mir 2 mal kräftig den Kopf, da die Türen nur ca. 1,7 m hoch sind. Es ist unentwegt ein Kampf mit den Einheimischen um die besten Selfieplätze und Fotomotive, insgesamt wirkt der Palast innen aber eher seltsam, nicht sehr homogen, teilweise hat es etwas von einer 50er Jahre Inneneinrichtung und ist manchmal auch etwas runtergekommen. Entscheide mich anschließend gegen eine Bootsfahrt auf dem benachbarten See, da diese ab 14:00 Uhr 300 Rupien mehr kostet.

Spaziere durch den Markt vor dem Palast und zum benachbarten Tempel ‚jagdish mandir‘ im indo-arischen Stil von 1651. Eine steile Treppe führt hoch, überall liegen Bettler rum, oben Schuhe aus, leider alles von Vögel verdreckt. Der Tempel besteht aus Marmor und ist rundherum in mehreren Etagen mit Elefanten, Pferden, Tempeltänzerinnen etc. verziert. Viele Einheimische laufen im Kreis um den Tempel und beten. Ich beobachte ein Streifenhörnchen, das akrobatisch auf den Wasserspeicher klettert um zu trinken. Ein schöner Tempel und ein ruhiger netter Ort. Finde meine Schuhe wieder, und gehe raus. Draußen sitzt ein heiliger Mann unter einem Elefanten und will eine Spende, dafür fotografiere ich ihn dann auch mal. Ich nehme an, das ist seine Hauptbeschäftigung, Fotomodell.

Zurück wandere ich durch die Altstadt, hier ist es etwas weniger verdreckt als in Jaipur, aber auch hier gibts Problemecken. Manche Häuser sind zusammengebrochen und wurden einfach so liegengelassen. Aber es gibt auch immer wieder schöne ältere Häuser dazwischen. Irgendwo eine Zeremonie mit bunt gekleideten Frauen, die irgendwelche Gefässe auf dem Kopf balancieren und sich zu lauter Trommelmusik wiegen.

Dusche zuhause erstmal richtig heiß und gucke mir die Dachterrasse an, sehr schön, begrünt, mit kleinen Pavillons und lauschigen Sitzecken. Diese schönen Orte, die man immer wieder in den Häusern und Parks findet, passen irgendwie nicht zu dem Chaos und Dreck draußen. Wahrscheinlich ist das aber als Ausgleich einfach notwendig.

Laufe nochmal in die Stadt und gucke mir ein romantisches Ghat, Stufen zum Wasser hin, sowie auf einer benachbarten Halbinsel an einem der vielen Seen neben einem romantischen Gebrauchstempel den Sonnenuntergang mit Blick auf den Stadtpalast an. Verstehe hier ein wenig, warum das als eine der romantischsten Städte Indiens gilt. Alles ist in Gelb und Rot getaucht und wirkt weitab vom Verkehr sehr friedlich. Auf dem Rückweg macht mich der Verkehr dann doch etwas krank, es ist unglaublich laut und stickig und staubig. Das andauernde unmotivierte, grelle, überlaute Hupen von 20 bis 30 Fahrzeugen gleichzeitig zermürbt mich langsam. Als ich nach Hause komme habe ich das Gefühl von einer Staubschicht bedeckt zu sein. Esse in der Empfehlung des Hotels, da bei meinem selbst rausgesuchten Restaurant gar niemand sitzt. Versuche nochmal ‚chillie paneer‘, welches aber  schlecht und teuer ist. Mehr geht nicht.


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Jaipur | Indien | Montag - 13.01.2020 - 08:34 - GOOGLE MAPS 
7 Informationsabend

Frühstück mit klebrigen Käsetoasts und leckeren Pfannkuchen. Die bayrische Wandergruppe besteigt den benachbarten Berg mit einem Fort, ich sitze erstmal bei dröhnender und plärrender indischer Musik aus mehreren Dächern der Nachbarschaft aufgebauten Soundsystemen auf der Dachterrasse, das ganze Haus vibriert.

Mittags laufe ich zum Stadtpalast. Teurer Eintritt und der Palast ist eher enttäuschend. Mehrere Höfe mit verzierten Gebäuden, lange Mauern mit einfachst aufgemalten Mustern. Der Eingang zum zweiten Hof wird von 2 schönen Marmorelefanten mit schnurbärtigen Reitern bewacht. In den Gebäuden darf nicht fotografiert werden, das wird diesmal auch penibel überwacht. Sehe eine Stoff- und eine Waffensammlung sowie den Zeremoniensaal mit seltsam glatten Ölbildern und Fotografien der letzten immer bärtigen Maharadjas. Der derzeitige lebt wohl noch im Palast, wenn er in der Stadt ist. Auf dem letzten Hof dann der Grund, warum die Einheimischen hier rein gehen. Zwei bunt verzierte und bemalte Nischen führen zu langen Schlangen und Fotoorgien der ganzen Familie in diversen Siegerposen. Hier sehe ich das erste Mal auch chinesische und deutsche Reisegruppen. Die benachbarte Sternwarte mit der größten Sonnenuhr der Welt spare ich mir.

Schlendere danach nochmal zum ‚hawa mahal‘, der Windpalastfassade und danach langsam zurück. Im Hellen fällt mir doch auf, dass die Stadt ziemlich abgerissen ist. Viele Häuser sind baufällig oder schon halb verfallen bzw. komplett eingestürzt, überall in den schmalen Gassen Kühe und seltsamerweise Schweine und Ziegen und ihre diversen Hinterlassenschaften, überall Müllberge. Dazwischen einzelne nette Straßen, die besser in Schuss sind. In vielen Häusern kleine Werkstätten, Leute die irgendwelche Sachen herstellen und einpacken oder etwas kochen oder die kleinen Papierdrachen verkaufen. Über allem hängt ein zarter Uringeruch. Ständig muss man aus dem Weg springen, weil Mopeds wild hupend vorbeirasen.

Wechsel nochmal kurz das Zimmer, ein netter, sehr sauberer Raum, viel ruhiger und nicht mehr direkt an der Rezeption. Den Rest des Abends sitzen wir alle auf der obersten der drei Dachterrassen, trinken Bier und reden in einem im Laufe des Abends immer verworrener werdenden Gemisch aus deutsch und englisch. Der Engländer, gerade Lehrer in China, versteht auch deutsch, da er zum Teil in Deutschland studiert hat. Er löchert den Gastgeber ununterbrochen mit Fragen, ‚i have ONE question…‘, geht es den ganzen Abend. Ich weiß jetzt immerhin, dass der Besitzer aus der Brahmanenkaste stammt und trotzdem gerne Fleisch isst und Alkohol trinkt, er bereits mehrfach in Europa und auch in Deutschland war, er mal einen heiligen Mann geohrfeigt hat, weil der einfach zu viel Geld von ihm wollte, er Rammstein kennt, also die Band, seine Frau diese Stadt nicht mag, das Hotelgebäude erst vor einigen Monaten gekauft und saniert wurde, das süße Kind mit 1,5 Jahren schon auf englisch bis 10 zählen kann, die Kühe niemandem gehören und sich überwiegend von Plastik ernähren usw.. Der Boss hat eine Tüte mit frittierten Gemüsebällchen und Joghurt zum stippen mitgebracht die von allen Beteiligten geliebt und allmählich geleert werden.

Um uns herum werden es immer mehr Drachen, alle Dächer sind brechend voll mit Menschen, Musik plärrt und wummert, irgendwann steigen auch große brennende Papierlampions in die Luft, Raketen werden gezündet und Böller knallen, richtige erwachsene Böller, das Haus wackelt praktisch. Zum Fest in 2 Tagen werden sie wohl 50 Leute auf dem Dach haben. Am frühen Abend lässt der Chef auch mit mehreren Bekannten seine Drachen steigen. Auch wir Touristen versuchen uns mal daran. Die Drachen haben keinen Schwanz und müssen durch ununterbrochenes Zucken zum Aufsteigen überredet werden. Wenn sich Drachen untereinander verhaken muss eine der Parteien seinen losschneiden. Es ist eine Art Wettkampf.

Ich bekomme zwischendurch noch Abendessen auf die Terrasse, eine Art Curry mit kleingehaktem Paneer, sehr gut und schön scharf.

Das bayrische Paar muss um 4:30 raus aber wir trinken trotzdem ein Bier nach dem anderen. Ich schaffe es um 0:30 nicht mehr Bus und Hotel zu buchen. Da es einen Rohrbruch am Wassertank auf dem Dach gibt, läuft die ganze Nacht laut rauschend Wasser ab, direkt an meinem Fenster vorbei. Es klingt wie ein Wasserfall.


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Jaipur | Indien | Sonntag - 12.01.2020 - 07:25 - GOOGLE MAPS 
6 Elefanten streicheln

Mittelgut geschlafen, das Bett ist eher ein Brett. Frühstück ist einfach, kleine indische Pancakes aus Kartoffeln, Blumenkohl usw. und Sandwiches mit Gurke und indischer Mayonnaise. Schmeckt allerdings beides viel besser als es aussieht. Schließe mich einer Gruppe aus 2 Mädchen aus Regensburg und einem Pärchen aus München zu einem Ausflug zum Fort Amer an, nach mir springt auch noch ein Engländer rein. Im Laufe des Tages stellt sich raus, dass niemand eigentlich weiß, was eigentlich vereinbart ist, sowohl Ziele als auch Preis sind unklar. Die beiden Mädchen sind komplett mit Tüchern verhängt. Sie haben wohl gar keine warmen Sachen mit und frieren seit Tagen ziemlich. Es wird aber ein schöner Tag bei Sonne und ca. 20 Grad.

Wir fahren 20 Minuten mit Superman von 'superman tours', darunter gehts nicht, in 2 Tuktuks zum Fort. Kurzer Fotohalt fürs Fort aus der Ferne, sofort eilen 2 Inder mit Turban und Bastkörben herbei, machen die Körbe auf, fangen an zu flöten und 2 Kobras kommen aus den Körben. 2 aus der Gruppe fallen sofort in Ohnmacht und wir springen in die Tuktuks und fahren weiter zum Fort. Hier ist viel los, überwiegend indische Touristen. Laufen mehrere Rampen zum Fort hoch und müssen dabei den ganzen Elefanten ausweichen, auf denen Leute hochreiten. Von uns macht das zum Glück niemand, das ist bestimmt nicht artgerecht, sogar unser Fahrer meint, dass der Boden nicht gut ist für die Tiere und sie auch nicht gut behandelt werden.

Kaufen teure Touristen-Tickets und vereinbaren Treffpunkt in ca. 1 Stunde. Das Fort ist eher ein Palast mit unendlich vielen Räumen in mehreren Ebenen rund um einen großen Innenhof, alles in leicht islamischer Architektur. Leider wenig Wand- und Deckenbemalung bzw. Verzierung, es ist trotzdem sehr schön, viele schöne Räume an Räumen in Räumen hinter Räumen mit unerwarteten Durchblicken und verzierten Fensterverkleidungen. Irgendwo steht noch eine Holzkonstruktion um Wasser aus den Untergeschossen hochzupumpen. Im Keller dann ein hoher Tunnelbereich, in dem riesige Fledermäuse wie große Spinnen an der Decke hängen.

Treffen uns alle wieder, bis auf den Engländer, der ist scheinbar auf die höherliegende 2. Festung gestiegen. Warten 30 Minuten, fahren dann zu 5. in EINEM Tuktuk zum nahegelegenen Stufenbrunnen Panna Meena. Im Gegensatz zum letzten Brunnen in Delhi ist dieser quadratisch angelegt und es führen sehr fotogen lauter gegeneinander gesetzte Stufen nach unten. Der Brunnen ist nicht mehr in Betrieb und man darf leider auch nicht runtersteigen. Es ist jedenfalls ein ziemlich großes Bauwerk um Wasser zu holen.

Irgendwann kommt auch der Engländer mit dem zweiten Tuktuk und wir fahren zu einem Palast im Wasser. Kurzer Touristenblick und weiter zum Essen. An einem Straßenstand gibts gute Teigtaschen, tatsächlich Samosas, wie man sie aus Deutschland kennt, und chai, das ist also offensichtlich doch kein russisches Wort. Ich frage nach frittierten Chillies, da ich diese schon im Park in Delhi gesehen habe. Ich bekomme eine und sie ist sehr gut und wirklich würzig, eine große grüne Chillie einfach mit Teig ummantelt und frittiert.

Anschließend gehts zum Elefantenumarmen. Es ist ein kleines Camp leicht außerhalb, man kann Elefanten kennenlernen, streicheln, füttern, bemalen und ausführen. In dieser Reihenfolge sind auch die Preise gestaffelt. 3 aus der Gruppe wollen zumindest mal anfassen und füttern. Ich halte mich da raus, obwohl das schon sehr schöne Tiere sind, allerdings ziemlich klein. Zumindest sehe ich im Camp keine Stöcke und Pieker, ich hoffe also, dass die Tiere halbwegs gut behandelt werden. Jetzt kommt die Verkaufstour. Wir werden in einem Laden abgeben, in welchem im vorderen Raum auf mehreren langen Tischen Stoffe per Hand mit großen Holzstempeln in teilweise bis zu 5 Durchgängen mit verschiedenen Stempeln und Farben bedruckt werden. Das sieht eigentlich ganz schön aus, ich bin mir nur nicht sicher, ob das eine reine Touristenvorstellung ist. Im abgeschlossenen Nebenraum sollen wir dann Tücher, Shirts oder Anzüge kaufen. Zum Glück erbarmt sich der Bayer und kauft seiner Freundin ein Tuch zum Geburtstag.

Danach will noch irgendwer zum Affentempel. Wir landen in einer extrem mülligen Strasse, in der sich Unmengen an Affen mit Kühen und Hunden um Nüsse streiten, die an vereinzelte verirrte Touristen zum verfüttern verkauft werden. Laufen noch eine Rampe hoch, hier kommt auch noch eine Ziegenherde dazu. Einem der Bayern hat sich ein Führer aufgedrängt, der ist nachher mit dem Geld nicht zufrieden, da kauft er ihm noch Zigaretten. Stehen am Schluß noch 30 Minuten im Stau und kommen erst gegen 17:30 zurück ins Hotel. Am Ende gibt jeder 300 Rupien, das sind keine 4 Euro.

Wir trinken noch ein Bier auf der Terrasse, überall sind Leute auf den Dächern, man wird von allen Seiten gegrüßt, es sind hunderte von Papierdrachen in der Luft, es ist eine sehr schöne Atmosphäre. In drei Tagen findet hier ein großes Drachenfest statt, mit Musik und Lampions, scheinbar üben alle schon mal mit ihren Drachen.

Gehe mit den Deutschen zu einem teuren Dachterrassenrestaurant mit netter Aussicht auf die Altstadt. Versuche ein ‚palak paneer‘, Spinat mit Käse, merke aber wieder einmal, dass ich das nicht mag, ich wollte nur mal probieren ob es hier anders ist, und dafür noch ein göttliches ‚chillie paneer‘, indischer Rahmkäse mit Paprika und Chillies. Der Bayer als erklärter Carnivore kann gar nicht aufhören davon zu kosten. Er ist ein Barman, der gerade seinen Job gekündigt hat, auch schön. Im Dunkeln durch die langsam schließenden Märkte und riesige Müllberge mit grasenden Kühen und Schweinen nach Hause. Leider gibts kein Bier mehr im Hotel, ich vermute mal, dass sie immer erst eins kaufen, wenn es bestellt wird.

Ich werde wahrscheinlich noch eine Nacht hierbleiben, mich auf der schönen Dachterrasse entspannen und dann mit einem Nachtbus 7 Stunden nach Udaipur fahren.


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Jaipur | Indien | Freitag - 10.01.2020 - 18:11 - GOOGLE MAPS 
5 Shabby Bus

Heute ist nichts weiter passiert. Ich bin mühsam aber rechtzeitig rausgekommen, um 9:00. MEIN Cafe hatte überraschend zu, musste ich also zur german bakery. War ok, aber der Kaffee war viel schlechter, das können die Deutschen einfach nicht.

Beim rausgehen überrumpelt mich ein Schuhputzer. Ich stimme zu, auf einmal sinds schon zwei. Ich muss meinen Schuh ausziehen, dann fängt er auf einmal an eine kleine Fuge im Schuh zu kleben und reicht den Schuh dann dem anderen, der sofort anfängt den Schuh zu nähen, durch Leder und Sohle durch. Bei dem anderen Schuh habe ich dann abgelehnt und auch nicht den auf einmal wegen der Sonderleistung verzehnfachten Preis gezahlt. Eigentlich waren diese Schuhe mal wasserdicht.

Das Busunternehmen ist sehr professionell und hat am Abend noch einen Link mit Karte zum Pickup Punkt geschickt und es ist natürlich nicht da, wo mir der Portier vorher gesagt hat. Fahre dann eine Station mit der Metro und bin schon da. Stelle fest, dass genau hier der Pappmache Hanuman-Tempel ist, den ich gestern nicht gefunden habe. Der Eingang ist ein geöffneter Mund, sehr tiefsinnig und stilvoll.

Stehe 20 Minuten auf einer Mittelinsel im unendlichen, hupenden Verkehr und bekomme sogar einen Anruf vom Busfahrer. Irgendwann kommt der Bus, hält mitten auf der Strasse, blockiert alles und ich springe rein. Es ist eher ein Bus im staubigen shabby look. Sleeper und Sitzplätze in einem, auch über den Sitzplätzen wird geschlafen, deshalb sind diese sehr flach. Gardinen sind die ganze Fahrt über zu, deshalb sehe ich nicht viel, ist aber auch mal ganz entspannend.

Raus aus Delhi, Industrie, irgendwann flache Landschaft mit einzelnen Hügeln. Aussicht wie immer in Asien, Frauen welche auf Baustellen arbeiten, Schafsherden grasen mitten auf der Straße, Kühe im Müll, eine Raststätte mit einem großen Turban auf den Dach.

Kommen pünktlich um 16:00 in Jaipur an und nach kurzer Verhandlung gehts mit Tuktuk mit googlemaps ins Hotel, ‚pink elephant‘. Suche wieder etwas herum, aber diesmal gibts zum Glück Schilder. Der Hofeingang sieht eher schlimm aus, sobald man im Haus ist, ist aber alles gut. Ein eingebautes, riesiges älteres Haus, innen saniert mit drei Dachterrassen. Mein Zimmer ist eher für 4 gedacht also schön groß, liegt aber leider zur Rezeption hin und hat kein Fenster und keine Heizung. Dusche geht auch nicht, nur die indische Variante mit Plastikschüssel zum Schöpfen.

Ich laufe erstmal in die Stadt. Jaipur war einmal die pinke Stadt, da alle Häuser rosa angemalt waren, davon ist aber zunächst nicht mehr viel zu sehen. Die alte Innenstadt ist sehr geometrisch angelegt mit Vierecken aus grossen Strassen voller lautem Verkehr und dazwischen kleinen Gassen, mal nett, mal übel, teilweise extrem dunkel mit grell hupenden, überraschend vorbeischiessenden Mopeds. zwischendrin doch einige Müllberge und eingefallene Häuser. Ich laufe zum Palast der Winde, eine absurde Fassade, die dazu diente, dass sich gehobene Frauen das Leben auf der Straße angucken konnten, ohne gesehen zu werden. Der Verkehr ist übel. Man kommt kaum noch durch, es ist total laut und man will eigentlich nicht atmen.

Laufe danach durch kleine Gassen zurück, überall Geschäfte, oft thematisch in Straßenzügen angeordnet, Handwerkergassen, Schraubengassen, Motorgassen, dazwischen Essenstände, u.a. ein Popcornstand und überall Kühe, Mopeds. Irgendwann mittendrin eine Straße mit buntesten Bollywoodgewändern. Das wirkt absurd in all dem Müll, diese Kleidungwird hier aber tatsächlich auch von allen getragen.

Im Hotel geht mein Wasser erstmal nicht, es muss erst angestellt werden. 20:30 dann essen im Erdgeschoss mit anderen Touristen aus Holland, England und Spanien. Es gibt kleine selbstgebackene Teigteile mit einem ziemlich leckeren Kichererbsencurry. Es wird solange nachgekippt und gelegt bis alle satt sind. Die Beilagenchillie auf dem Teller schneide ich mir auch noch rein, dann ist es richtig gut. Danach noch ein frittiertes Backwerk, das aussieht wie eine kleine Bockwurst, bzw. irgendwas vom Elefanten wie der Holländer neben mir bemerkt, aber sehr lecker und unfassbar süß ist.

Ich bin sehr gespannt, ob ich hier schlafen kann. Stelle grad fest, dass das Bett auch eher ein härteres ist. Lasse erstmal 1 Stunde den Heizlüfter laufen, da es hier abends eher kalt ist, ich musste auch schon meinen Fließ wieder rausholen.


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Delhi | Indien | Donnerstag - 09.01.2020 - 17:29 - GOOGLE MAPS 
4 Gräber

Bin erst um 5:00 eingeschlafen, dadurch erst 12:00 raus. Diesmal zum Frühstück onion-omelett, das können sie auf alle Fälle besser.

Anschliessend mit Metro und Bus bei Sonne und ca. 20 Grad zum Humayun’s Tomb, googlemaps machts möglich, kennt sogar die Busabfahrtszeiten, theoretisch. Man wird überall durchleuchtet und zum Teil auch abgetastet, metro, Hotel, Sehenswürdigkeiten etc., da fühlt man sich ja sofort total sicher.

Das Grab ist teuer, ca. 10x einheimischer Preis für Ausländer, aber sehr schön. In einem großen gepflegten Garten liegen das Hauptgrab eines Mogulkaisers, und das Grab seines Frisörs, sowie das Grab eines hohen Adligen, Isa Khan, und noch einige weitere untergeordnete, welche aber gegen die drei ersten etwas abfallen.

Das Hauptgebäude, das Grab des Mogul-Kaisers Humayun von ca. 1572, natürlich aus rotem Sandstein, wurde kurz vor dem Taj Mahal gebaut, und ist wohl eine Fingerübung dafür. Beide Bauten sind sich ähnlich, bis auf die Minarette, die fehlen hier in Delhi. Wie googlemaps schreibt ist die Einrichtung 'kinderfreundlich'? Der Mogul war bekannt für ‚kultivierte Lethargie, exzentrischen Aberglauben und Milde gegenüber seinen Brüdern...‘ sagt Wikipedia. Das nenachbarte schöne Grab des Frisörs würde ich auch sofort als Wochenendhaus in Brandenburg nehmen, das Grab des Isa Khan ist etwas älter, kleiner und gegenüber dem wuchtigen Bauhaus-Hauptgrab sehr elegant mit einem achteckigen Grundriss.

Anschließend lasse ich mich von einem Tuktuk zum Lodhipark bringen. Beim einbiegen in die erste Kreuzung schlägt der Verkehr um uns herum zusammen und ich will mich sofort übergeben, das Chaos ist unfassbar, voll, unglaublich laut und anstrengend, aggressiv, ohne irgendwelche hinderlichen Regeln, ungefilterte Abgase, gut dass wir letztens unser Testament gemacht haben. Später gewöhne ich mich langsam dran, denke ich zumindest zunächst.

Der Park ist ruhig und gepflegt, überall tollen Streifenhörnchen rum, wie auch schon bei den Gräbern. Im Park liegen ebenfalls mehrere Grabgebäude sowie die Ruine einer Moschee mit schönen Resten von Verzierungen und Schriften. Vor den Gebäuden übt die örtliche Jugend Bollywood-Tänze in der Gruppe zu lauter Bumsmusik. In den Gebäuden gibts Bollywood Fototermine für Pärchen oder einzelne Damen.

Esse mein letztes Croissant, danke Swissair, und fahre mit dem Bus zu einem Stufenbrunnen, Agrasen Ki Baoli, mitten im nirgendwo. Zwischen großen Villengrundstücken und hohen Neubauten liegt der alte, tief nach unten reichende Brunnen, Sinn ist wohl, das Wasser zu erreichen, auch wenn sich der Wasserspiegel ändert. Es sind viele Locals da, sieht wirklich schön aus und ist auch tatsächlich eine beeindruckende Leistung. Der Brunnen ist 20 m tief, mit ziemlich gewaltigen Außenmauern und füllt sich in der Monsunzeit komplett mit Wasser.

Danach will ich noch zu einem Hanumantempel mit großer Affengott-Disney-Figur aber in der Rushhour ist das schwierig. Überall Stau, der Bus kommt nicht und als er kommt ist er ziemlich voll. Das Konzept erst aus- dann einsteigen gibt es hier offensichtlich nicht. Zum Teil müssen sich die Leute hier regelrecht aus Bus oder Bahn rausboxen. Komme erst an als es dunkel ist, leider keine Figur zu sehen und da sind auch 4 Tempel nebeneinander, alle nur in Landessprache beschriftet. Ich taper vorsichtig in einen Tempel rein, werde aber ziemlich rüde rausgeschmissen, verbal. Hole dann lieber Geld ab, Metro nach Hause und für morgen mittag einen Bus nach Jaipur gebucht, online, 5 Euro, inklusive Sicherheitsabfrage in der deutschen Bankingapp, das wird langsam etwas absurd. Jetzt muss ich in diesem Chaos hier nur noch den Startpunkt des Busses finden.

Esse im selben Restaurant wie gestern, es war recht gut und ich bin immerhin nicht krank geworden. Wieder viele Einheimische hier, einige essen mit Käse überbackene Nudeln, wie exotisch. Auf einer Leinwand läuft Cricket, dazu laute Musik. Ich bestelle vegetarische Sauer-Scharf Suppe, sehr authentisch indisch, ist aber lecker, sehr viel Ingwer und schön scharf sowie ein sehr gutes Aloo Gobi, welches ebf. den ganzen Abend weiterbrennt. Diesmal dazu gleich ein großes Bier 'Kingfisher  Premium', in der üblichen 0,65 L Abfüllung, auch sehr gut. Kommuniziere ein bischen mit einer etwas verwirrt aussehenden Engländerin, welche wirkt wie ein Kücken, das aus dem Nest gefallen ist. Sind wahrscheinlich kurz vorher angekommen und voll im Jetlag.

Ich hoffe mal ich kann heute schlafen. Gestern fing irgendwann in der Nacht ein lautes Rauschen an und hörte nicht mehr auf, das war doch etwas nervig. Heute früh auf Toilette in meinem Cafe dachte ich ja schon sie spielen hier Verkehrsgeräusche ein, im Gegensatz zu den Vögelklängen in Japan, aber es war doch nur ein Loch in der Wand.

Musste gerade noch ein Selfie mit einer Jugendlichen machen, konnte gerade noch das Bier abstellen. Das war nicht das erste Foto, vor dem Red Fort gabs schon eine richtige Foto-Orgie, ich dachte eigentlich das wäre hier ein großes Touristenziel, aber offensichtlich fällt man doch auf. Bisher kenne ich das nur aus Myanmar.

Ich überlege, ob ich das nächste Hotel morgen aus dem Bus buche, aber das wird schwierig wenn meine billige SIM-Karte nachher nicht funktioniert auf dem Land, ausserhalb von Delhi.

Ende des vorhergehenden.


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Stefan -
10.01.2020 - 16:46:06 Uhr
Essen sieht gut aus, ich glaube wir werden auch mal zu unsern Inder des Vetrauens gehen, Himalaya-Laternchen in Frankfurt Ostend
Nicole -
10.01.2020 - 16:16:18 Uhr
Ah... Du blogst! Wie schön! ... weitere Kommentar folgen...
Delhi | Indien | Mittwoch - 08.01.2020 - 23:53 - GOOGLE MAPS 
3 Singin in the rain...

Mir fällt erstmal auf wie sich die vielen negativen Berichte aus Indien emotional auswirken. 2 Tage vor Abflug habe ich doch etwas Panik.

Der Flug läuft trotz Erkältung sehr gut, ich komme sogar 20 Minuten zu früh an. Da ich letztemal edelweiss gehasst habe muss ich swissair diesmal wirklich loben. Ich hatte selten so einen entspannten Flug, es sind allerdings auch nur 7 Stunden 10 Minuten bei praktisch ununterbrochenem Menu und vollem Entertainment. Nur der Inder neben mir schnarcht lauter als mein Kopfhörer.

Visakontrolle dauert leider etwas, aber sie lassen mich rein. Das Visa wurde auch schon in Zürich geprüft, es kommt scheinbar ab und an vor, dass Leute zurückgeschickt werden. Geld getauscht, danach einige Zeit in der Vorhalle rumgeschlichen. Der Prepaid-Taxistand der Delhier Polizei war natürlich nicht besetzt. Erstmal eine SIM-Karte gekauft und dann ein mittelteures Prepaid-Taxi genommen. Der Simkartenverkäufer hat doch wirklich schonmal als erstes versucht mich um 1000 Rupien zu bescheissen, gut, dass ich das mehrfach gelesen hatte, nur deshalb hatte ich mir gemerkt, dass ich ihm einen 2000er Schein gegeben hatte. Wenigstens hat er dann nicht rumdiskutiert. Nehme mir vor, ab jetzt immer laut auszusprechen was ich für Geld hinlege.

Finde das richtige Taxi und werde dann auch wirklich zum Hotel gebracht, diverse Horrorgeschichten aus dem Netz berichten von stundenlangen Irrfahrten und am Ende fremden Horrorhotels bzw. wahlweise seltsamen Reisebüros aus denen man nicht mehr rausgelassen wird, finde aber leider das Hotel nicht um inzwischen 3 Uhr nachts im Nieselregen auf der schlammigen, düsteren Strasse. Ein netter Junge aus einem anderen Hotel bringt mich dann hin. Das Hotel ist leicht eingerückt, von der Strasse nicht direkt zu sehen, ich muss auch am Folgetag immer wieder danach suchen. Das Zimmer ist bestenfalls zweckmäßig. Wider erwarten habe ich ein Fenster, aber leider kein Warmwasser mehr. Dafür ca. 10 Kopfkissen. In der Bettwäsche will man nicht wirklich schlafen, aber ich habe meinen Stoffschlafsack bei, so muss ich hier nichts berühren. Gegen 3:30 ins Bett. Zumindest ist es ruhig.

Morgens um 12:00 gibts dann auch Warmwasser und direkt gegenüber einen akzeptablen Kaffee und ein geschmackloses Ei. Man muss vermutlich ziemlichen Aufwand betreiben um das so farb- und geschmacklos hinzubekommen. Danach ins freie. Ich wohne mitten in der Marktstraße im Bahnhofsviertel. Remmidemmi. Rikshas, tuktuks, Autos, Menschen, leider leicht nieselig, etwas schlammig aber irgendwie auch ganz nett. Man hat zumindest immer etwas zum gucken und der Verkehr war in Hanoi und Colombo viel schlimmer.

Mir fällt allerdings wieder auf, dass man hier nicht berührungslos unterwegs ist. Wie in Sri Lanka rennen einen alle um, Männer, Kinder Frauen, Kühe. Vielleicht gibts ja Sonderpunkte für einen Touristen. Ich stemme mich jedenfalls dagegen. Irgendwann geht sogar ein Hund auf mich los, vielleicht hätte ich ihn nicht fotografieren sollen.

Mehrere Führer drängen sich im Laufe des Tages auf. Sie nehmen jedesmal sichtbar Anlauf und laufen dann ein paar Minuten neben mir her. Am ersten Tag rede ich aber aus Prinzip nicht mehr mit Einheimischen, das ging mir zu oft schief im Jetlag, so werde ich jedenfalls alle wieder los.

Vom Bahnhof laufe ich zum connaught place. Ein grosser Kreisverkehr mit Kolonnaden und den üblichen weltumspannenden Läden, h+m, Levis etc.. irgendwann gehe ich eine Treppe runter und lande in einem riesigen Markt unter dem Kreisverkehr, scheinbar mehrere große Kreise aus engen, warmen, stickigen Gängen, voll, laut, wirkt wie ein Abstieg in die Unterwelt. Tauche irgendwo wieder auf und ein sehr freundlicher Junge mit Stirnband und einem darein gesteckten, offensichtlich benutzten Ohrstäbchen, versucht mir irgendeine Dienstleistung zu verkaufen. Er kramt ein kleines Notizbuch raus und zeigt mir einen deutschen Eintrag: “es ist wirklich unglaublich, was dieser Junge aus unseren Ohren geholt hat...“' - ein professioneller Ohrreiniger. Klingt auch nicht schlimmer als Kaltmamsell. Mir wurde davon erzählt, aber ich habe nicht geglaubt, dass es das wirklich gibt. Ich verzichte jedenfalls dankend.

Anschliessend mit der Metro zur Jama Masjid, der großen Moschee. Die größte Moschee Indiens aus dem 17. Jrhd aus rotem Sandstein, für 25.000 Menschen. Ich muss meine Schuhe abgeben und 300 Rupien, ca. 3,8€, und laufe dann barfuß über den Vorplatz durch die Pfützen. Man darf nicht ins Allerheiligste, es ist aber trotzdem sehr schön. Im Umfeld der Moschee ein Bettler ohne Beine, Stände mit Küken und ein Laden mit vermutlich Lammköpfen, schließe ich jedenfalls aus den daran hängenden Ohren.

Anschließend über die Straße zum roten Fort. Eine riesige Festungsanlage, wieder aus rotem Sandstein und aus dem 17. Jrhd.. Ich spare mir den teuren Eintritt, esse mein Croissant aus dem Flieger und rede ein bischen mit einem indischen Bauingenieurstudenten. Nachdem er mich gefragt hat was ich so verdiene, beschließt er umgehend nach Deutschland zu gehen. Er kann ja meinen Job haben. Muss während des Gesprächs mehrere Selfies machen.

Noch kurz zu Fuß rüber nach Alt-Delhi. Werde von einem Mann auf einem Stuhl in einen unscheinbaren Eingang gewunken. Sieht von aussen erstmal aus wie ein Geschäft, allerdings mit goldenen Hakenkreuzen auf den 70er Jahre Türen, es ist aber ein schöner kleiner Tempel mit netten Marmor-Reliefs mit verwirrten Heiligen und süßen Totenköpfen und vielen kleinen Räumen mit andächtigen Leuten, alle winken mir zu, aber siehe oben, ich rede mit niemandem. Kann im Nachhinein leider nicht mal mit googlemaps feststellen welcher Tempel das jetzt war.

Anschliessend durch die schlammige Marktstraße und mit der Metro zurück und fertig fürs erste indische Essen. Nach Durchsicht der Kritiken entscheide ich mich für einen Schischiladen, aber einer der wenigen, bei dem in den Kritiken nicht das Wort Pferdegastroenteritis (Übersetzung tripadvisor) fällt.

Es ist ein moderner sauberer Laden, laute basslastige Bollywoodmusik und es sind überraschenderweise auch viele Einheimische drin. 2 Bier und ein mittelscharfes ‚chicken tikka masala‘. Sieht etwas unanständig aus, schmeckt aber ganz gut und ähnelt mehr dem was wir selbst immer kochen, grob und sämig mit Zwiebeln, Knoblauch, Chillie und Ingwer (danke nochmal Nicole für die schöne Gewürzmischung damals).

Schlender noch ein wenig im Dunkeln durch die Umgebung. Es laufen auch noch ein paar grosse Kühe mit mir rum und finde anschließend mühsam mein Hotel. Ich habe den ganzen Tag höchstens 20 erkennbare ausländische Touristen gesehen.

Insgesamt ein netter Tag. Aber einige Sachen sind zu zweit doch schöner, z.b. 2 Bier trinken. Ich brauche langsam auch mal Schuh-Creme, die Straßen sind eher zwiespältig.

Meine SIM-Karte funktioniert nun auch einigermaßen überraschend nach Geräteneustart. Ich habe jetzt 1 Monat jeden Tag 1,5 gb, das Ganze für einmalig 6€, allerdings ist das Netz so langsam, dass ich wahrscheinlich 1 Jahr brauchen würde für 1,5 gb Datenverkehr. Wahrscheinlich funktioniert die Karte dann nur in Delhi,  irgendeinen Haken muss das ja haben. Jetzt kann ich mit dem Zweithandy einen Hotspot aufmachen und mit den anderen Geräten surfen. Ich bin ein wandelndes Media-Center.

Wer das bis hierhin geschafft hat bekommt einen Keks von mir.



Für das Archiv. Ich habe 9 normale T-Shirts und 2 lange Shirts mit. 2 lange Hosen, keine kurze. Ein Fliess, eine dünne Regenjacke. 2 Handys, ein Tablet und ein bisschen Füllmaterial, Travelhandtuch, Badelatschen, Tuch etc.. Damit komme ich auf genau 8 kg Handgepäck + ca. 1 kg für die Kamera.


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Kommentare - Beitrag

Nicole -
10.01.2020 - 17:55:40 Uhr
Das klingt doch schon einmal nach einem guten Anfang. Die Ohren würde ich mir dann ganz am Ende reinigen, noise canceling head phone au naturel sozusagen.
Stefan -
10.01.2020 - 16:33:38 Uhr
will auch Keks, habe durchgehalten.
schön dass es regnet, dann ist die Luft wohl etwas besser.
schicke kamera, hast du genug SD Karten zum wechseln?
ich bleibe dran,
viel Spass
Sonne -
08.01.2020 - 20:41:24 Uhr
der keks ist meiner! Und will noch mehr lesen, Kekse!!!
Berlin | Deutschland | Montag - 06.01.2020 - 00:36 - GOOGLE MAPS 
2 2.Test

Da ich nicht viel Zeit hatte diese Seite einzurichten, funktionieren evtl. einige Dinge nicht richtig. Falls also die Kommentare nicht gehen oder ich gar nicht auf Nachrichten antworte, bitte einfach nochmal eine direkte Mail oder sonstige Nachricht schicken.


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Kommentare - Beitrag

Test -
08.01.2020 - 20:35:58 Uhr
Test test. Geht doch.
Berlin | Deutschland | Samstag - 04.01.2020 - 16:24 - GOOGLE MAPS 
1 Liebes Tagebuch...

Schnell ein Tagebuch eingerichtet und hier der erste Test.

Test.

Test.



Ansonsten eher durchwachsen, bin total erkältet, Husten, schlecht geschlafen, noch keine Unterkunft in Delhi und das Handgepäck ist auch noch zu schwer. Fängt ja sehr gut an...



Als Test nochmal ein paar Bilder aus Gran Canaria vom Dezember 2019.



 


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