Boris allein auf Reisen

INDIEN 2020
भारत गणराज्य

07|01|20 ›››› 12|02|20


China 2007

Reise nach China: Shangh., Peking, Xian, Langmusi, Huangsh. + Hkg. ...mehr?

Myanmar 2010

Reise nach Thailand und Myanmar: Rangun, Bagan, Mandalay, Sittwe. ...mehr?

Myanmar 2015

Reise nach Myanmar: Rangun, Bagan, Inle-See und Thailand. ...mehr?

Asien 2018

Reise nach Thailand und Sri Lanka. ...mehr?



Reisetagebuch


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Orchha | Indien | Freitag - 24.01.2020 - 10:09 - GOOGLE MAPS 
19 Fortsetzung des Vorhergehenden

Da ich gestern konservativ geschätzt eine Million Fotos geschossen habe, stelle ich hier noch ergänzend ein paar ein. Ich freue mich schon drauf, wenn Susanne mir beim Auswählen hilft. Text zu heute folgt später.


nächstes ziel:  Khajuraho

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Orchha | Indien | Freitag - 24.01.2020 - 06:36 - GOOGLE MAPS 
18 Diverse Paläste

Trotz des Hundegebells und der dezenten Trommeln und Tempelgesänge aus der Umgebung habe ich gut geschlafen. Heisswasser kommt tatsächlich in einem quälend dünnem Strahl, ist eben auch Deluxe. Gehe zunächst zum Zentrum, also zur Straßenkreuzung 200 m weiter und nehme an einem staubigen Straßenstand einen frittierten Gebäckkringel und einen Kaffee. Der Kringel besteht praktisch nur aus karamelisiertem Zucker und der Kaffee dann später auch. So gestärkt enter ich neugierig den Bereich hinter der Straße. Ich finde mehrere Ruinen, einen entspannten Markt in und um die Ruinen sowie einen großen Platz vor einem sehr belebten weißen Tempel mit quitschbunten Applikationen in rosa und orange. Das ist der Rāmarāja Mandir, also der „König-Rāma-Tempel“. Er war ursprünglich ein Palast aus dem 17. Jrhdt. und wurde später als Tempel umgenutzt. Drumherum lebhaftes Treiben, auch viele Bettler und einige der immer leicht verwirrt wirkenden Männer unbestimmten Alters mit starrem Blick, wirrem langem Haar, gleichem Bart und zweifelhafter Kleidung. Alles ist eher auf locals eingerichtet, ich werde nur halbherzig angesprochen. Der Tempel wird ausgesprochen gut angenommen, es ist brechend voll, die Menschen strömen rein und raus und es erklingt ununterbrochen ekstatische, monotone Lobpreisungsmusik. Ich gehe nach kurzer Rücksprache mit der schwerbewaffneten Security auch mal rein und es ist tatsächlich interessant, überall andächtig betende Menschen und ganze Gruppen von Menschen, die sich wiegen, trommeln und singen. Ich komme mir aber ein wenig vor wie ein Voyeur und gehe bald wieder raus.

Neben dem lichten, weitestgehend fröhlichen Tempel ein mächtiges, dunkel aufragendes Gebäude, der Chaturbhuj-Tempel, hier muss die böse Schwiegermutter wohnen. Steige düstere Treppen hoch und betrete einen dunklen, kathedralenhaft großen Raum, allerdings mit kahlen abgerissenen Wänden. Von draußen dringt fahles Licht rein. Eine alte Stahltür öffnet sich knarrend, nein, nicht wirklich, das Gebäude hat aber eine sehr eigene gedämpfte Stimmung, ein hervorragendes Beispiel der schwermütigen deutschen Romantik. Ich werde relativ schnell von einem Wärter unter den Arm geklemmt, der einfach davon ausgeht, dass ich aufs Dach will. So früh kann ich mich dagegen auch kaum wehren. Er schließt ein Gitter auf und wir steigen schmale, krumplige Treppen ohne jegliches Licht hoch und schlängeln uns unter ca. 1 m hohen Türen durch. Zwischendurch immer wieder schöne Blicke nach innen ins Gebäude und nach außen auf 2 ebenfalls riesige alte Gebäude in der Nähe. Auf dem Dach eine tolle Aussicht in alle Richtungen. Er zeigt mir einen riesigen Geier der hier haust und sich auch tatsächlich kurz bewegt, damit ich das glaube, ein Eulenpaar in einer Nische und scheucht eine Papageienhorde für mich auf. Irgendwann gehen wir wieder runter und er ist kurz mit dem Geld unzufrieden das ich ihm gebe, worauf ich unzufrieden bin, da ich die Leistung eigentlich gar nicht bestellt habe. Wir kriegen uns aber beide wieder ein und es gibt einen versöhnlichen Händeschlag. Ich gehe hinten raus und stelle fest, dass es doch noch 2 weitere Straßen im Ort gibt, überwiegend gefüllt mit Straßenständen, das war es dann aber auch wirklich. Noch ein Gespräch mit einem netten Local, ich warte immer darauf, was sie mir jetzt verkaufen wollen, aber manchmal kommt da tatsächlich nichts, vielleicht bin ich einfach zu negativ.
Durch eine kleine Marktstraße, über eine kleine Brücke und ich stehe vor den 2 anderen schlossartigen Gebäuden. Diesmal akzeptablen Eintritt gezahlt und das erste Gebäude betreten. Ein Palast aus dem 17. Jrhdt., Jehangir Mahal, erbaut von einer kurzzeitig in Gunst stehenden Adelsfamilie, leider ohne Ausstattung oder Ausbauten, aber sehr eindrucksvoll durch seine Größe und Verspieltheit und einzelne schöne Details. Man kann durch die üblichen dunklen, steilen Treppenaufgänge bis aufs Dach gelangen und hat einen tollen Blick ins Umland. In der Umgebung stehen eine Vielzahl kleiner alter Ruinen in den Feldern rum. Auf dem Dach viele kleine Pavillons, überall im Inneren Sicht- und Lichtachsen durchs ganze Gebäude ins Freie, alles ist friedlich, ruhig und entspannt und ganz Atmosphäre.

Hinter dem Palast liegt eine kleine hinduistische Einsiedelei, sieht original aus wie aus einem mittelalterlichen Gemälde, mit großem Felsen, krummem Baum u.s.w.. Aus einem Megaphon ertönt hier die ganze Zeit ein eintöniger Hindu-Singsang und beschallt die gesamte Gegend, alles zusammen ist ein athmosphärisches Gesamtkunstwerk. Neben dem Palast finde ich u.a. ein altes Badehaus mit schönen Gewölben, davon eins mit einem Loch in der Mitte, woher kenne ich das bloss? Im nächsten kleineren Gebäude, ein Haus für die Mätresse, werde ich erstmal überfallen, von einer Meute aus 6 ca. faustgroße Welpen. Zum Glück kommen die noch nicht die Stufen hoch, bemühen sich aber sehr. Im Obergeschoss ein paar nette Wandmalereien mit Damen der Gesellschaft und virilen Männern zu Pferd. Ich sehe vor dem Gebäude das erste Ochsengespann im Land, als ich es fotografieren will, wird mir das allerdings untersagt. Auf dem ganzen Außengelände sind unglaublich viele Arbeiten im Gange. In den ganzen angrenzenden Besuchsgebäuden scheinen die dazugehörenden Ausführenden auch zu leben und zu schlafen, hier liegen überall Kleidung und Kochutensilien rum. Überall sind BauarbeiterInnen unterwegs. Es ist wie immer, Unmengen an bunt gekleideten Frauen schleppen schwere Gegenstände oder Schalen auf dem Kopf mit Sand und Mörtel, die Männer machen Männersachen, rumstehen, reden, leichte Putzarbeiten.

Das letzte, etwas kleinere Palastgebäude, Raj Mahal, ist ebenfallls sehr schön, auch hier kommt man über die diversen Stockwerke auf verschlungenen schummrigen Pfaden bis aufs Dach. Zwischendurch entdecke ich hier jedoch auch noch mehrere Räume mit gut erhaltenen Wand- und Deckenmalereien. 2 Räume sind offensichtlich mit religiösen Motiven aus dem Ramayana ausgefüllt, einige Details kenne ich schon aus Angkor Wat, z.B. das ziehen der großen Schlange und dadurch die Quirlung des Milchozeans. In den Obergeschossen sind dagegen eher Ornamente und vermutlich höfische Szenen zu sehen. Vor dem Gebäude gucke ich mir noch eine sehr düstere Säulenhalle an, laut Auszeichnung eine Art Gerichtsstand, und finde auch hier in der schwarzen, z.T. halb verfallenen Decke schon etwas desolate aber trotzdem sehr schöne Malereien. Ich ertappe mich dabei, wie ich leicht vor mich hinstöhne, weil das alles so schön ist. Das ganze hat ca. 4,5 Stunden gedauert. Ich war überwiegend alleine unterwegs. Einzelne Reisegruppen fielen nur temporär ein und verschwanden meist schnell wieder. Mir ist bei meiner Inspektion aufgefallen, dass die Treppen unmögliche Trittmaße haben, teilweise Stufenhöhen bis zu 50 cm, die Durchgangshöhen viel zu niedrig sind und die Geländer- und Brüstungshöhen absolut unzureichend. Eine Besichtigung wäre in Deutschland so vermutlich nicht zulässig.

Kurz noch durchs angrenzende verwilderte Gelände mit mehreren kleineren Ruinen, ich überlege die ganze Zeit was Caspar David Friedrich daraus gemacht hätte. Vereinzelt springen hier auch Affen durchs Unterholz, diese sind allerdings ganz schön groß, so dass ich respektvoll Abstand halte. Noch ein Aussichtspunkt am Fluss, dann laufe ich durch den Markt zurück. Inzwischen haben sich hier lange sitzende Reihen an Bettlern, bestehend aus älteren Frauen und heiligen Männern, aufgebaut und nehme an einem Strassenstrand Gemüsepakora, Samosa und einer Art Kartoffelbreiteilchen, welches dann aber nach der Bestellung direkt mit der Hand zerdrückt und auf der großen heißen Kochplatte mit diversen Zutaten wie Zwiebeln, Kichererbsen und einigem undefinierbarem zusammengebraten wird. Am Ende kommt noch Garam Masala und eine Art Zuckerrübensirup rauf. Gewöhnungsbedürftig aber essbar. Nachdem ich mir noch Chilliesoße für die Samosa reichen lasse ist alles gut. Allerdings habe ich gesehen wie die Samosas hergestellt werden, zum Zusammenkleben wird immerhin keine Spucke genommen, aber Wasser aus dem Hahn. Ich gehe aber mal davon aus, dass beim frittieren genug Hitze erzeugt wird.

Powernap im Zimmer und dann in die andere Richtung zu einem 2 km außerhalb liegenden Tempel in ungewöhnlicher, weil dreieckiger Form. Mehrere Etagen mit langen Gängen um einen zentralen hohen Turm und alle Gänge sind mit meist gut erhaltenen und zum Teil herzallerliebsten Wand- und Deckenmalereien verziert. Neben den üblichen Kriegs- und Jagdszenen sowie Tieren und floralen Verzierungen gibt es auch einige schöne Abbildungen vom 'Maharaja un sine fru' in verschiedenen unverfänglichen häuslichen Situationen, zumindest meine freie Interpretation, ich habe ja keinen Führer. Außerdem einige starke Männer beim Ringkampf in neckigen Sporthosen und im Heiligtum ein seltsames Sockenmonster sowie diverse Affenmönche u.s.w.. Eine äußerst bedenkliche Treppenkonstruktion in den mittigen Turm verwerfe ich, da ich bezweifle, dass meine Krankenkasse dafür aufkommt.

Zuletzt wandere ich zum Fluss, hier stehen 15 Cenotaphen, also leerstehende symbolische Gräber der alten Herrscher, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich bin etwas enttäuscht, da die wassernahen Gebäude mittlerweile nach Umbauten auf einer großen Betonfläche stehen und vor dem ganzen die üblichen Bauarbeiten mit viel Staub stattfinden. Trotzdem ist die Stimmung im Sonnenuntergang und der kommenden Dämmerung am Fluss ganz schön. Nebenan ist noch ein abgetrennter Bereich mit weiteren Gebäude in einem gepflegten Garten. Unter Papageiengekreisch wander ich kurz herum, leider kann man hier nicht auf die Dächer. Sehe immerhin noch einen großen Geier, der auf einen der Cenotaphen fliegt, sich dann aber leider nicht mehr bewegt.

Ich beschließe etwas zu essen und laufe hinter einer sehr disziplinierten Ziegenherde zur Nr 1 in TripAdvisor. Chef ist ein Mann den ich am Fluss bereits kurz getroffen habe, weil er dort sein neues Fahrrad ausprobiert und es mir auch sofort anbietet. Er ist sehr kommunikativ, um es vorsichtig auszudrücken, aber auch wirklich nett. Ich erfahre, dass er nie eine Schule besucht hat, sondern schon als Kind in einem Guesthouse gearbeitet hat, er eine Beziehung zu einer 69 Jahre alten Schweizerin hatte, das auf die Auskunft, dass meine Freundin älter ist als ich, dass er eine arrangierte Heirat eingegangen ist und dass seine Frau schwanger ist. Laut seiner Auskunft gibt es keine generelle Schulpflicht in Indien. Auf Nachfrage erklärt er mir auch noch, dass es aus seiner Sicht in Indien kein Kastensystem mehr gibt und das nur ein Schlagwort der üblichen populistischen Politiker wäre. Allerdings ist er auch Muslin und wäre damit sowieso ausserhalb des Kastensystems, Dies alles erfahre ich bei einem Gemüsecurry und 2 Bier mit Blick auf den bunt beleuchteten Palast.

Irgendwann löse ich mich und wanke nach Hause, ich bin jetzt bestimmt 9 Stunden rumgelaufen. Kurze Lagebesprechung mit Berlin und erfüllt ins Bett. Das Lagezentrum konnte mir leider auch nicht helfen bei der Frage, ob ich noch einen Tag bleibe. Der örtliche Zug kommt um 7:20 und fährt 5 Stunden nach Khajuraho zu den berühmten 'Pornotempeln'. Ich werde einfach am Morgen prüfen, ob ich dafür bereit bin.


nächstes ziel:  Orchha

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Orchha | indien | Mittwoch - 22.01.2020 - 18:08 - GOOGLE MAPS 
17 Wartetag

Die Literatur-Standardfloskel, 'irgendwo bellt ein Hund', bekommt eine völlig neue Bedeutung für mich, als ich um 4 Uhr wach werde, da ca. 5 Hunde direkt neben meinem Zimmer rumbellen und jaulen, 1,5 Stunden lang. Da die Klimaanlage direkt über dem Kopfteil meines Bettes praktisch nur aus einem großen Loch in der Wand besteht, klang das tatsächlich, als wären sie in meinem Zimmer. Trotzdem bzw. deswegen früh rausgekommen und noch ein Eilfrühstück genommen. Vor dem Haus totaler Nebel, womöglich noch schlimmer als gestern. Sehe gar keine Fahrzeuge finde aber nach 80 m genau ein einziges Tuktuk, kurze Verhandlung, schon aus Prinzip, und bin auf dem Weg. Bereue schnell die dezente Andeutung, dass mein Zug bald fährt. Die Sicht liegt bei ca. 10 m, so wie alle trotzdem rasen schält sich immer erst kurz vor dem Zusammenstoß ein Schemen aus dem Dunst. Dazwischen unbeleuchtete Fahrräder, Kühe und überraschend viele Jogger in kürzester Sportkleidung bei 8°C, Respekt.

Am Bahnhof gibts genug Leuchtanzeigen, so dass ich selbstständig den richtigen Bahnsteig finde. Die ersten BettlerInnen beziehen gerade ihre Stellung und legen sich in der Kälte im Nebel auf den Fussboden, das sind vor allem alte, knöcherne Frauen. Da sie hier alleine sitzen und kein Auflauf droht gebe ich auch etwas.

Neben mir steht irgendwann noch eine englische Reisegruppe. DANN fängt es an, ein Sonderbildschirm nur für Verspätungen zeigt 1h Verzug an. Im Laufe der Zeit wird dieser Wert immer wieder um 30 Minuten angehoben, meist, wenn wir grad fast dran sind, wie deprimierend, bis wir am Ende bei finalen 4 Stunden Verspätung landen. Es gibt keinen Warteraum, so dass alle auf dem kalten, zugigen Bahnsteig rumstehen. Zwischendurch immer wieder Angebote zum Schuheputzen oder zur Reparatur des Rucksacks. Ich lasse niemanden ran. Ein Zug der beiden Würzburgerinnen hatte schon mal 9 Stunden Verspätung, insofern war ich eigentlich gewarnt, aber es nervt trotzdem. So komme ich immerhin dazu mein nächstes Hotel zu buchen. Das, welches ich ursprünglich wollte, ist bereits ausgebucht, das nächste ist auf einmal ausgebucht als ich gerade ein Zimmer wählen will. Es gibt im Ort sowieso nichts über 8,9 bei Booking.com und wenn man genau hinschaut, sind auch noch unglaublich viele Fakekritiken drin, so wie überall im Land. Ich wähle also ein Hotel mit Bewertung 7,7, das hatte ich noch nie glaube ich, aber dafür das Super Deluxe Zimmer und vorsichtshalber erstmal nur für 1 Nacht.

Der Zug kommt irgendwann, ich verpasse es fast, da ich die Ansagen und Anzeigen gar nicht mehr ernst nehmen kann, und ich laufe erstmal in die 2. Klasse Aircon, gibt es also doch, sieht nett, bequem und sauber aus, ich bin aber leider 2. Klasse S. Die ist einen Waggon weiter und unglaublich dreckig. Alle Leute die ausgestiegen sind haben alles was sie in der Hand hatten einfach fallen gelassen, Verpackungen, Obst- und Nussschalen liegen auf dem Boden, mehre Sitzreihen schwimmen in einer undefinierbaren Flüssigkeit. Mein Sitz ist soweit in Ordnung und auch halbwegs bequem, es gibt sogar eine Steckdose. Wir fahren 5 Stunden durch eine unspektakuläre, flache Landschaft. Zwischendurch tauchen immer wieder mal Festungs- und Palastruinen auf. Alles wäre in Ordnung, wenn der Zug nicht andauernd an diversen Kleinsthaltestellen lange stehenbleiben würde, das macht es zu einer eher quälenden Angelegenheit. Eigentlich wäre ich gegen 14:30 angekommen, so lande ich in Jhanzi erst um 17:30, also zum Sonnenuntergang. Ich bin komplett genervt, allerdings geht es mir besser, als ich sehe, dass die englische Reisegruppe auch im Zug war und genauso gewartet hat. Über diesen Effekt müsste ich vielleicht mal nachdenken, aber geteiltes Leid u.s.w.. Außerdem wurde mir also scheinbar kein Looserticket verkauft, was ich zwischendurch mal vermutet hatte.

Mein eigentliches Ziel ist leider nochmal 20 km entfernt. Tuktuk gegriffen und ohne große Verhandlung auf unter 50% Prozent des erstgenannten Preises verständigt. Durch die Rushhour und diverse Straßenbaustellen mit riesigen Staubwolken im Dunkeln zum Hotel.

Zimmer ist ‚Super Deluxe‘, also zumindest gerade so sauber genug für mich, bis auf die fiese, flauschige Pferdedecke, aber halbwegs groß und der wurmstichige Boiler funktioniert, wie mir eindrücklich und mehrfach versichert wird. Die Bettwäsche schaue ich mir vorsichtshalber nicht genauer an. Als erstes gibts dann schon mal einen Stromausfall und darauf einen laut anspringenden Generator, nach 5 Minuten ist das zum Glück vorbei.

Gehe gleich in den Ort, der besteht nach erster Sichtung im Grunde nur aus einer Straßenkreuzung, und setze mich in das erste Straßenrestaurant, da es hier bis auf wenige Hotels, die ich gar nicht sehe, nichts weiter gibt. Im Hintergrund drohen schon düster hochaufragende Teile der Ruinen die ich mir morgen ansehen will. Werde erst ignoriert, dann bekomme ich doch ein vegetarisches Thali und eine Cola. Thali ist ein Sammelcurry aus Salat, kalter Kokosmilchsauce, Reis und 3 Currygerichten. In meinem Fall Dal, das ist immer drin, ein Kartoffelirgendwas und ein Kichererbsenirgendwie. Alles wird auf Anfrage nachgefüllt, ist also eigentlich ein 'all you can eat'. Da das alle Einheimischen nehmen, kocht das in großen Töpfen auf den diversen Propanflammen, sollte also gut durch sein. Dazu gibts Brot, welches ebenfalls nachgereicht wird. Dal mag ich seit Sri Lanka nicht mehr wirklich, aber der Rest ist gut und auch anständig scharf ohne weh zu tun. Heiße Dusche, Bett.

Zur Entspannung noch ein kleines Video zum Thema Verkehr, das die Bayern aus Mumbai geschickt haben und ein paar Fotos von gestern.


nächstes ziel:  Orchha

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Stefan -
23.01.2020 - 22:06:03 Uhr
Man o man. Das klingt ja nach permanentem Überlebenskampf. Hast du schon abgenommen oder hältst du noch dein Gewicht?
Warum nimmst du nicht den Flieger und fliegst ans Meer zum Strand. Och habe gehört, in Goa soll was gehen.
Bleib tapfer. Stefan
Nicole -
22.01.2020 - 21:21:00 Uhr
Boris, Du bist echt tapfer! Ich bin gespannt, was in Orchha auf Dich wartet. Jedenfalls hat der Taj Mahal Nebel es heute bis hierher geschafft.
Agra | Indien | Mittwoch - 22.01.2020 - 02:24 - GOOGLE MAPS 
16 Fast das Taj Mahal gesehen

Das war ein langer, aber auch erfolgreicher Tag. Früh aufgewacht, da das Restaurant auf meinem Flur unbedingt Musikbegleitung beim rumstehen braucht. Sehe, dass meine Geräte über Nacht nicht geladen haben, das ist ärgerlich, da ich beide Handys abwechselnd brauche und nutze. Dann kommt auch kein Warmwasser. Ich renne ziemlich sauer runter zur Rezeption, gar nicht meine Art, der Einchecker von gestern Abend kommt ins Zimmer, ruckelt am Stecker, Strom geht, dreht am Hahn, Warmwasser kommt. Das ist etwas peinlich. Merke abends, dass das Wasser tatsächlich ein paar Minuten braucht, aber dann wirklich heiß wird, ungewöhnlich. Wasche mir mit dem rumliegenden bezaubernden Pfirsichshampoo die Haare und bekomme Frühstück. Die angepriesene Dachterrasse mit Taj-Blick ist eine vermüllte Baustelle im Dunst.

Es ist total nebelig, diesig, aber ich hoffe, dass sich das bald verzieht, also gehe ich gegen 8:30 los. Merke bald, dass es ziemlich kalt ist, 10°C habe ich etwas unterschätzt. Im Laufe des Tages sollen es 19° werden, habe natürlich auch den Flies nicht mit und mein Tuch vergessen. Laufe im Nebel ca. 5 Minuten zum Taj Mahal. Vorbei an einem großen öffentlichen ‚Toilettenkomplex‘, unter dem gehts nicht. Das erinnert mich an die überhöhten Wortschöpfungen im Osten. Teures Ticket gekauft und rein. Die obligatorische Durchleuchtung und Abtastung ist diesmal konsequenter, alles wird hinterfragt, meine kleine Taschenlampe ist grenzwertig, mein Tablet zweifelhaft, die beiden Mandarinen werden leider verhaftet, no food, die Kekse haben sie aber nicht gefunden. Wie immer Aufgabenteilung beim kniffen, abreißen und lochen der Tickets. Das Eingangstor ist sicherlich grandios, aber leider nicht zu sehen, die Sichtweite beträgt gefühlt 15 m. Eine Atmosphäre wie in einem 70er Jahre Horrorfilm, wie in 'Wenn die Gondeln Trauer tragen'. Nach dem Tor ist wirklich nichts zu sehen, irgendwo müsste das Taj Mahal sein aber man siehts nicht. Alle starren angespannt in den Dunst. Man erwartet jeden Moment, dass hier unbeschreibliche Dinge auftauchen, kreischend. Am ordentlich angelegten, marmorgesäumten Wasserlauf schießen die wenigen Anwesenden die ganzen ikonografischen Bilder, nur leider ohne Taj Mahal, das sieht sehr lustig aus. Man orientiert sich in die ungefähre Richtung. Da man eh nichts sieht, entscheide ich mich dafür, trotz Zusatzeintritt und Pantoffelgebühr auch ins Gebäude reinzugehen. Also nochmal Eintritt, Schuhschoner an und auf die eigentliche Plattform. Aus der Nähe taucht das Gebäude irgendwann verschwommen auf, die Spitzen der Minarette liegen allerdings immer noch im Dunst. Das Gebäude ist aus einem sehr feinen weißen Marmor mit vielen Einlegearbeiten und sieht eigentlich etwas clean aus. Im Inneren darf man nicht fotografieren, trotz der ganzen Eintritte. Es gibt eine große Grabkammer mit 2 Sarkophagen, groß und klein, für Maharadja und Maharani. Diese sind eingefasst mit sehr schönen luftigen Marmortrennwänden. Die Wände im gesamten Gebäude sind mit einer Unmenge an Edel- und Halbedelsteinen belegt, alles wirkt sehr kühl, ist aber natürlich auch ein Grabmahl und kein Wohnzimmer. Hinten raus, mehrmals umrundet. Inzwischen kommen doch etwas mehr Besucher, alle hoffen auf ein bisschen Sonne. Ich auch, meine Haare sind immer noch nass vom waschen und es ist einfach nur kalt, ich hoffe ich vertrage das. Gegen 9:30 ist langsam etwas zu erkennen, aber richtig klar wirds heute nicht mehr, meine Meinung. Die Außenwirkung des Baus ist schon toll, sehr harmonisch, dazu der schöne Park, aber mir fehlt ein wenig das morbide. Papageien kreischen, Hörnchen keckern und bespringen die Leute, kleine weiße Reiherartige schreiten majestätisch über den Rasen, über allem kreisen wieder mittlere Greifvögel. Da die Tickets nur 3 Stunden gelten muss ich sowieso irgendwann raus. Ich gucke mir noch ein wenig den Kampf um die Fotostellplätze an, alle machen ihre signature-moves, Arme zur Seite, Victoryzeichen, Jacken aus und klassische Gewänder an, aber nur kurz, dann wieder in die Winterklamotten. Ich stelle mich manchmal auch einfach mitten rein und wandere dann langsam aus dem Gelände.

Tausche nebenan in einem Stoffladen spontan 200 €, ich muss langsam mal was loswerden, ich habe viel zu viel Bargeld mitgenommen, und fahre mit einem Tuktuk zum Red Fort. Sehe zum ersten mal ein kleines Fohlen durch die Menge schlendern und einen großen Taubenschwarm, in den sich ein paar grüne Papageien geschummelt haben. Inzwischen wird mir klar, dass dieser Ort für Touristen anstrengender ist als alles bisherige, die selbsternannten Führer, die Fahrer und die Händler sind sehr viel hartnäckiger und laufen einem minutenlang nach. Offensichtlich haben sie alle auch eine psychologische Schulung erhalten, es kommen immer wieder Argumente wie, 'sind doch nur 2 Euro', 'jetzt reist du so weit und wirst nichts verstehen im Fort', u.s.w.. Beim Abtasten am Eingang werden mir im Red Fort auch die letzten Kekse abgenommen, damit hätte ich sicherlich viel Schaden anrichten können. Das Fort ist riesig, ganz aus rotem Stein und innen zum Teil aus Marmor, es gibt einen Burggraben und eine Zugbrücke, ganz wie ein kleiner Junge sich eine Burg vorstellt, und es hat seine Momente, ein paar schöne Fassaden und Marmorblümcheneinlegeabeiten, aber es gibt keine wirklichen Innenräume, alles wirkt ein wenig aufgelassen und in einige Teile kommt man nicht rein. Draußen eine Baustelle und eine einzelne junge Frau, die den Mörtel in großen Körben auf dem Kopf hinträgt. Sie muss dabei aufmerksam den ganzen Touristen ausweichen, die sie als Fotomotiv nutzen. Überall tollen Unmengen der netten Nager rum und springen zum Teil auch die Gäste an.

Da mich die Stadt nervt und es noch relativ früh ist, entscheide ich mich, mit einem local Bus zu dem ca. 30 km entfernten Ort Fatehpur zu fahren. Dort gibt es eine Geisterstadt aus dem 16. Jhrd., welche von einem der größten Mogule Indiens gebaut und teilweise schon bezogen, aber nach kurzer Zeit, nach ca. 15 Jahren, wegen Wassermangel wieder verlassen wurde. Nehme also ein Elektro-Tuktuk zum staubigen local Busbahnhof. Dieser sieht eher aus wie ein Schrottplatz. Über und unter den verrosteten, verbeulten, staubigen Bussen überall Affen und Hunde. Der Bus nach Fatehpur steht schon bereit und fährt in 20 Minuten ab. Er ist wirklich dreckig, ich kann mich gar nicht entscheiden wo ich mich hinsetzen will, und anfassen will ich sowieso nichts. Erstmalig denke ich sehnsüchtig über ein Desinfektionsspray nach. Wir rattern eine gute Stunde hupend durchs Land und kommen glücklich mitten im Ortsmarkt von Fatehpur an. Die Sehenswürdigkeiten von Fatehpur Sikri sind zum Glück direkt begehbar. Zunächst am höchsten Punkt direkt hinter dem Busbahnhof eine riesige Moscheeanlage, wohl die flächenmäßig größte in ganz Indien. Eine steile Treppe ohne ordentliches Trittmaß führt rauf zum gewaltigen Eingangstor, bestückt mit mehreren kleinen pittoresken Dachpavillons, in der Mitte von massiven Mauern eingefasst ein riesiger gepflasterter Platz. Alles sehr schön und bis auf die vielen verzweifelten Händler in ziemlich entspannter Stimmung. In die Mauern integriert sind verschiedene Tore und Gebäude. Ich schlender barfuß auf den riesigen Platz, hier sind die Händler nochmal um einiges hartnäckiger, liegt vielleicht daran, dass hier höchstens 5 Westler unterwegs sind, der Rest sind Einheimische. Kaufe fast ein Schachspiel, da es mich an eins aus meiner Kindheit erinnert, im weggehen werden aus 50 Rupien, 30, dann 10, wenn ich richtig verstanden habe. Das wären letztendlich ca. 12 Cent, ich muss nochmal in Ruhe darüber nachdenken, ob es ethisch akzeptabel wäre das zu kaufen. Das wäre wirklich viel zu billig. Andere Händler sehen mich über den ganzen Platz hinweg, steuern mich zielstrebig aus der Ferne ebenfalls an, geben mir gute Besichtigungstipps und versuchen mir dann kleine Steinelefanten zu verkaufen, aber ich kann wiederstehen. In einem kleinen Marmormausoleum darf man nicht fotografieren und ich gehe vorsichtshalber auch nicht rein, da hier gehäuft grimmig aussehende bärtige Männer rumstehen. Daneben eine düstere vermutete Begräbnisstätte. Als Highlight entpuppt sich ein zunächst gedachtes Seitentor als die sogenannte Freitagmoschee mit wunderbaren Wanddekorationen und mehreren Säulenhallen sowie dem seitlich angeordneten Frauenbetbereich, alles schummrig und in düsterem rotem Licht durch die verwendeten roten Steine.

Irgendwann gehe ich raus aus der Moschee und laufe 300 m zum verlassenen weltlichen Teil. Zunächst wieder Eintritt und Durchleuchtung. Es gibt den verlassenen Palast und mehrere Gebäude zu sehen, umgeben von einer Stadtmauer. Alles hergestellt aus dem gleichen roten Stein wie die Moschee. Es ist relativ leer und entspannt. Überall wird gewerkelt, z.T. sehe ich richtige handwerkliche Steinmetzarbeiten. Die meisten Gebäude sind komplett freigeräumt und pur, es gibt aber auch einige feingehauene Steinfassaden zu sehen. Ein kleiner Zierteich darf nicht fehlen. In einem Gebäude eine seltsame Mittelsäule mit kopfseitigen kreuzartig angeordneten Stegen, absolut unverständlich, hätte ich doch nur einen Führer genommen. Es macht trotzdem einfach Spaß hier durchzulaufen. In allen Ecken sitzen Schüler oder Studenten rum und zeichnen.

Anschließend gehe ich zurück zum Bus und kaufe auf dem Markt eine gerade frisch hergestellte Samosa. Die Kommunikation ist allerdings schwierig, am Ende ist sie doch nicht vegetarisch sondern mit Hack gefüllt, schmeckt aber auch sehr gut. Anschließend erstehe ich noch 2 Süßigkeiten von einem Mann der mitten in seiner Auslage sitzt. Ich nehme Kekse aus einem kleinen Glasschrank, die wenigstens etwas vor dem Staub und den Abgasen geschützt rumliegen. Es sind eine Art würzige trockene Buiscuitkekse mit indischer Würzung, also Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamon und vermutlich viele andere die ich nicht kenne. Der Bus wird voll und die Rückfahrt ist anstrengend. Wir stehen 20 min an einer Mautstelle, neben uns schleppt ein Autokran einen Bus ab, als der Kran startet und Gas gibt, wird eine dunkle, stinkende Abgaswolke in unsere Bus gedrückt, es wird komplett dunkel und man kann kaum noch atmen. Die junge Frau neben mir erbricht sich gleich, zum Glück aus dem Fenster. Danach gehts mühsam durch den Abendstau zurück nach Agra.

Da mich die Stadt ziemlich anstrengt fahre ich direkt zum Bahnhof und versuche ein Zugticket für den nächsten Tag zu bekommen. Ich habe mehrere Male die Fakten zur Bahnorganisation in Indien gelesen, aber habe es nicht verstanden. Es gibt zig verschiedene Kontingente, Arten der Reservierungen und Wartelisten. Eine Registrierung im Onlinesystem ist mir nicht gelungen, da meine indische Handynummer bereits registriert ist und mein Mailverkehr mit der Bahn hat nichts gebracht, sie wollen einen Kaufbeleg für die Sim-Karte, den ich nicht habe. Ich muss also analog kaufen. Im Bahnhof ist kaum etwas auf englisch ausgeschildert. Bin erst am falschen Schalter, scheinbar der für die absoluten Last minute Fälle. Alle Leute hier sind sehr angespannt und man kommt nur mit äußerster Gewalt an den Schalter. Am anderen Ende des Bahnhofs dann ein neuer Versuch, gehe zum Schalter für ‚Tourists and Freedom Fighters‘, stehe 15 min an, fülle mein Formular aus, soweit ich kann und komme ran. Werde sehr nett behandelt, anders als die locals neben mir, das ist mir ein wenig unangenehm. Bekomme jedenfalls nach kurzem Gespräch ein Ticket für nächsten Morgen um 8:30, diesmal vermutlich aber Holzklasse, da es kein ac gibt, wenn ich richtig verstanden habe. Ich bin gespannt. Lange, sehr lange, sehr heiße Dusche und mittelmäßiges Sahneschleimcurry im Hotel, da es hier in der Gegend keine Auswahl gibt und ich zu kaputt und verfroren bin um noch woanders hinzufahren. Ohne Bier ins Bett, sicherheitshalber.


nächstes ziel:  Orchha

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Agra | Indien | Montag - 20.01.2020 - 18:56 - GOOGLE MAPS 
15 Reisetag

Es ist am Morgen nicht klar wo ich heute abend lande, ein richtiger Reisetag, endlich mal etwas Spannung. Morgens wird erstmal wieder eine Ziegenherde durch die Straße gescheucht. Nach dem Frühstück auf der Dachterrasse habe ich tatsächlich nur 7,2 € bezahlt, da war das Frühstück sogar mit drin und bis auf das Bett war es vollkommen in Ordnung. Ich weiß aber nicht, ob ich als Frau alleine dort gerne eingecheckt hätte. Der Eigner war kommunikativ und nicht unangenehm, aber irgendwie hing immer eine Gruppe junger und mittlerer Inder auf dem Dach oder vor dem Haus rum.

Der Boss besorgt mir ein Taxi zum 13 km entfernten Flughafen, für 8,4 €, vermutlich überteuert, aber ich habe keine Lust zu diskutieren. Der Taxifahrer erzählt was von Bauarbeiten und biegt irgendwann auf eine staubige Steinpiste in die Wüste ein, da verspanne ich mich kurz, bis uns ein Haufen Taxis entgegenkommt, scheinbar ist das doch der normale Weg. Ein Gespräch über Hitler verweigere ich einfach mal, er hat wohl keine Ahnung wovon er redet. Kleiner Flughafen mitten in der Steinwüste, ich habe alles in einen Rucksack gepackt und reise nur mit Handgepäck. Werde 2 mal gecheckt und abgetastet, überall Leute mit Maschinengewehr, evtl. wegen der Nähe zu Pakistan. Der Flieger hat 50 Minuten Verspätung, dann in Delhi mit dem Flughafen-Shuttle, wahrscheinlich der älteste Bus der Welt, ich erwarte jeden Moment, dass er wie in einer Explosionszeichnung in seine Einzelteile zerfällt, zum Metro Express. In wenigen Stationen zum Bahnhof New Delhi. Dazu gibt es im Netz haufenweise Horrorgeschichten, über Touristen, die an der Treppe zum International Ticketoffice abgefangen wurden, hier anschließend stundenlang nicht mehr rauskamen und immer wieder verschleppt wurden, von Reisebüro zu Reisebüro. Ich muss einmal quer durch zum Steig 1, schlage mich durch die hartnäckigen Schlepper, laufe die zig Bahnsteige lang und finde ohne Probleme das International Tourist Bureau, ein großer Raum mit dem Charme einer Mitropagaststätte im Nirgendwo in den 70ern. Einziges Problem unterwegs sind nur die wilden Hunde in den Aufgängen und Fluren vor dem Büro. Es ist ruhig, alles schläft scheinbar, aber 4 Schalter sind besetzt, sie bewegen sich nur kaum. Ich ziehe eine Wartenummer, fülle schon mal das Formular aus und bin nach 5 Minuten dran. Es kann wohl vorkommen, dass man hier mehre Stunden warten muss. Mein Bahnbeamter ist nett und freundlich, er tippt lange auf seiner mittelalterlichen DOS-Eingebemaske herum und gibt mir ein Ticket für 18:40, also in ca. 2,5 Stunden, Klasse 3 AC. Er muss mehrfach drucken, und dafür immer alles neu eingeben, Name, Pass etc., weil der laut sirrende Nadeldrucker aus den 80ern sich verdruckt. Habe die Sitzklassen leider nicht mehr im Kopf, aber es ist knapp über der Holzklasse glaube ich. Danach bleibe ich einfach 1 Stunde in einem abgeschabten Ledersofa im Raum sitzen. Ich glaube das ist der ruhigste Raum den ich bisher in Indien erlebt habe. 1 Stunde vor Abfahrt gehe ich raus und schaue ob der Zug kommt und wo er abfährt.

Es ist sehr unübersichtlich, ich lasse mir von einer Frau in der Touristinfo den Bahnsteig geben, den sie mühsam aus dem Internet holt. Finde den Bahnsteig und erkenne die Kennzeichnung für meinen Waggon. Es gibt eine Minimal-Leuchtanzeige, die abwechselnd die Zugnummer und den Waggon anzeigt, ebenfalls abwechselnd auf Englisch und Hindi. Was es nicht gibt, ist eine Anzeige der Bahnsteignummer, die ist nur auf der Überführung zu sehen. Auf dem Bahnsteig ist es unglaublich voll, ich bezweifel, dass diese Menge in 2 Züge passt. Der Zug auf dem Nachbargleis fährt ein, da hängen sich schon Leute an die Türen und offene Fenster, vermutlich haben sie keine Platzkarten. Mein Waggon ist entspannt, ich finde meinen Sitz bzw. meine Liege. Es sind insgesamt 4 Liegen möglich in 2 Lagen übereinander. Eine Klasse drunter wären es 3 Lagen, das stelle ich mir dann bei voller Besetzung etwas klaustrophobisch vor. Die Rücklehne würde man dann als Mittelbettlage hochklappen. Mit mir sitzt nur ein junger Inder, wir legen uns irgendwann unten hin und ich dämmere 2,5 Stunden vor mich hin. Es gibt grobe Decken und ein bezogenes Kopfkissen, aber keine Vorhänge, die erkauft man sich erst in der nächsthöheren Klasse. Ein Mann mit Pistole am Gürtel patrolliert die ganze Zeit durch den Zug.

Komme gegen 22:00  an und nehme ein Prepaidtaxi. Hotel ist eine Bruchbude in einer Nichtgegend. Die Kritiken waren eigentlich nicht schlecht, aber alles ist runtergekommen, man will eigentlich nichts berühren und von draußen klingt laute Musik rein. Gehe nochmal raus gucken, aber das schein ein weitestgehend künstlich angelegtes Viertel als Seitenzugang zum Taj Mahal zu sein, dafür bin ich wenigstens nah dran.

Ohne Süßigkeiten ins Bett.


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