Boris allein auf Reisen

INDIEN 2020
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07|01|20 ›››› 12|02|20


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Reisetagebuch


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Agonda | Indien | Samstag - 08.02.2020 - 12:28 - GOOGLE MAPS 
34 verdiente Langeweile

Es ist wirklich ein wenig langweilig hier, aber auf eine tolle, entspannte Art. Frühstück am Strand, danach Hütte gewechselt, jetzt in der ersten Reihe, bessere, viel größere Hütte, leider stinkts etwas. Kaufe mir am Abend Räucherstäbchen und setze sie intensiv ein, so geht es.

Laufe tagsüber mal zum rechten Ende der Bucht, hinter einer Lagune und einem beurwaldeten Hügel soll noch eine schöne andere Bucht liegen. Durchwate die hüfthohe Lagune, komme aber mit Badelatschen nicht den Berg hoch, vor allem, nachdem ich feststelle, dass der Bewuchs fingerlange Dornen hat.

Laufe am späteren Nachmittag zum linken Ende und finde ein Felsplateau, auf dem sich einige Touristen versammeln. Kurz vor Sonnenuntergang spielt ein Mann Gitarre, eine Art monotonen HypnoFolk. Alle lauschen andächtig und warten bis die Sonne ins Meer fällt. Unter mir bouldern 2 Touristen an für mich nicht wahrnehmbaren Griffen durch die Felsen.

Laufe danach die eine Strandstraße lang und lande zufällig am Tisch meiner Bungalownachbarn aus Irland. Sie erzählen mir, dass sie eine Bootstour hatten, auf der eine Gruppe von zwanzig bis dreißig Seeadler gefüttert wurden, mit Hühnerköpfen, die man ihnen zuwerfen musste. Er isst jetzt 2 Hummer, die er den Tag vorher bestellen musste. Sie sind ausgehölt und der Inhalt als Curry wieder reingestopft. Der Konsument ist nicht ganz überzeugt. Ich esse Paneer, wie immer, finde ich weiterhin sehr befriedigend. Danach noch ein Bier auf der eigenen Terrasse, das wars schon.


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Agonda | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 09:56 - GOOGLE MAPS 
33 Bus hin und her

Bus fährt mit einer Stunde Verspätung los. Habe diesmal ein oberes  Einzelbett gebucht und es ist ganz schön eng. Dafür schön warm, aber die AC arbeitet. Die Straße muss unglaublich schlecht sein, ab und an habe ich das Gefühl, ich werde 1m hochgehoben bzw. fallengelassen, oder es stuckert minutenlang heftig, bis ich denke ich habe eine Gehirnerschütterung. Zweimal falle ich fast aus dem Bett in den Kurven, zum Glück ist eine senkrechte Stahlstange am Einstieg montiert. Ich soll um Vier Uhr früh dasein. Aufgrund der Verzögerung ist unklar wann wir da sind. Stehe um halb fünf auf und setze mich unten hin. Leider verpenne ich den Ausstieg, da er ziemlich durchjagt. Als ich mühsam nach vorne robbe, der Bus wackelt und schlenkert stark, es ist eher wie in einer Achterbahn, sagt mir der Fahrer, dass bei mir Goa in seiner Liste steht. Nächster Halt ist erst 30 km weiter. Mist. Neben mir steht auch noch eine andere Deutsche, der geht es genauso. Ich sehe auch, bei keinem der anderen Touristen steht irgendein Ortsname. Nach weiteren 30 Minuten werden wir stinksauer im nächsten größeren Ort rausgeschmissen. Neben dem Bus ist absurderweise eine 24 Stunden Cafebar. Wir gehen rein und hinter der Theke sitzen echt 2 Angestellte auf dem Boden. Bekomme einen wenigstens heißen Kaffee. Jeanine aus Köln ist seit 6 Monaten in Australien und Fidschi unterwegs und besucht hier noch 3 Wochen eine Freundin, allerdings an einem benachbarten Strand. Gegenüber ist der Busbahnhof, ich frage mal nach und siehe da, in 20 Minuten fährt ein localbus zu unserem ursprünglichen Ziel zurück. Den nehmen wir, es wird allerdings im Laufe der Zeit ziemlich voll. Nach wieder 1 Stunde sind wir zurück und jeder nimmt wieder seinen  Bus zum jeweiligen Strand.

Laufe zum Guesthouse und werde überrascht beäugt. Zimmer gibt es aber, ist jedoch leider erst ab 11:30 frei. Sitze also 3 Stunden am Strand, esse Frühstück und bade ein bisschen. Döse auch ein wenig weg und bin gegen Mittag bereits etwas angebrannt. Ich hatte mich für den Familienstrand entschieden, keine Party, Ruhe, Entspannung. Das ist es auch, man könnte sagen es ist etwas langweilig. Das Hinterland ist ziemlich verdreckt, dafür ist der Strand sehr sauber, er wird auch den ganzen Tag von Frauen mit langen Bastbesen gefegt. Es ist eine lange geschwungende helle Sandbucht mit leichtem rückseitigem Bewuchs und halbwegs klarem Wasser mit leichten Wellen am Einstieg. Der Strand ist nicht so schön und aufregend wie die letzten in Sri Lanka, dafür badet es sich wirklich sehr entspannt. Es ist allerdings sehr heiß und gibt kaum Schatten. Ich werde hier wahrscheinlich drei Tage bleiben. Die Hütten sind sehr basic. Roh zusammengezimmerte Holzhütten mit Linoleumbelag. Ich denke es wird schon gehen. Im Ort gab es kaum etwas mit guten Kritiken, insofern denke ich, alles ist ähnlich. Bin leider in zweiter Reihe, vielleicht investiere ich morgen nochmal in einen Meerblick.



Hänge den ganzen Tag in den Seilen. Laufe zum Sonnenuntergang immerhin einmal links ans Ende der Bucht, überall sitzen Leute und machen Yoga oder meditieren, die Einheimischen gehen zugeknöpft ins Wasser. Das wars für heute.


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Nicole -
10.02.2020 - 19:40:33 Uhr
Beste Selfie mit Kuh! Vielen Dank! Kaum zu glauben, dass die 5 Wochen schon fast vorbei sind. Was lesen wir nur dann immer zum Frühstück oder abends beim Wein/ Bier?

Genieße Deine letzten Stunden!
Stefan -
09.02.2020 - 11:23:56 Uhr
Die Kühe am Strand sehen aber besser aus als die in den indischen Städten. Vielleicht klappt ja noch mal ein Selfie mit Kuh. Schönen Flug mach Mumbai. Bleib tapfer.
Nicole -
06.02.2020 - 19:28:40 Uhr
Sieht sehr entspannt aus. Dann lass mal die Seele baumeln...vielleicht doch noch einmal Yoga? Ansonsten legst Du dich zu den Kühen.. apropos, bitte ein Selfie mit Kuh bei Sonnenuntergang! Und nimm Dir eine Hütte in der ersten Reihe!
Hampi | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 07:36 - GOOGLE MAPS 
32 Wasserfall

Stehe geruhsam auf und werde tatsächlich um 10 vor 9 daran erinnert, dass ich jetzt raus muss. Gebe mein Gepäck an und gehe ganz langsam frühstücken, auf dem Bastdach über mir toben die Affen rum. Nach 2 Stunden entscheide ich mich ein bisschen am Fluss langzulaufen, da ich dem noch gar nicht gesehen habe. Sehe die Fährstelle, ein nettes Flussufer mit großen Felsen, einen einheimischen, der sein Fahrrad bis zur Hüfte im Wasser durchs Wasser schiebt, einen Jungen der angelt. Gehe langsam etwas weiter, bis es nicht mehr geht. Biege ins Land ab, bis mir wieder mal jemand Hasch verkaufen will. Will ich nicht, aber er sagt noch Wasserfälle und deutet in eine Richtung. Stimmt, ich hatte was gelesen. Also laufe ich 30 Minuten in voller Hitze erst eine Straße neben Bananenplantagen, dann einen Trampelpfad in Bananenplantagen und anschließend wild durch die Plantage. Treffe irgendwann aufs Flussufer und komme     auf Steinen auf eine Mittelinsel. Hier hütet ein Junge die örtlichen Tempelküche, eine große muhende Herde im Wald, sie werden geführt und es wird Milch genommen erklärt er mir. Hinter der Insel lehne ich ein Führerangebot ab, was ich bald überdenke. Mein googlemaps zeigt mir, dass ich mitten im Fluss bin, scheinbar ist der Wasserstand relativ niedrig. Überall liegen Kiesel in Hausgröße kreuz und quer. Es macht Spass hier rumzuklettern, aber man sieht keine Fälle, nur ein paar schöne Becken mit stillem Wasser, und ich möchte hier nicht mit gebrochenem Bein rumliegen, es ist niemand weiter unterwegs. Leider ist auch mein Wasser alle, das war etwas sehr spontan. Es ist aber traumhaft schön und total ruhig. Um mich taumeln große bunte Schmetterlinge und schwirren überdimensionierte Libellen. Nach 30 Minuten kraxeln treffe ich eine ältere Deutsche in Führerhand. Ich bin ganz nah dran. Hier zeigen sich in den Felsen auch bereits Auswirkungen des Wassers, überall sind runde und ovale Ausspülungen, teilweise sehr kleinteilig. Es sieht aus, als hätte Andy Goldsworthy hier gewütet und Steine gebohrt oder gebrochen. Irgendwann treffe ich auf den Wasserfall, wobei ich ihn eher höre als sehe. Es ist ein eher unterirdischer Wasserfall. Ich kann mich leider nicht runterstellen, was ich inzwischen bräuchte. Das Wasser gurgelt laut zwischen den Steinen, aber man erhascht nur kurze Blicke zwischen den Fugen. Ich denke mal im Monsun ist der Wasserstand erheblich höher und das Wasser muss eine hohe Geschwindigkeit haben.

Quäle mich langsam zurück und lege mich eine halbe Stunde zu diversen Einheimischen in den ersten Tempelvorbau zwischen die Stützen, der Wind pfeift herein, angenehm kühler Schatten und der massige Ganesha wacht über uns.

Danach werde ich übermütig. Denke ich sehe mir noch kurz die letzten Tempelreste im Ort an, gehe erstmal zu einer großen Kuhfigur und dann immer weiter am Fluss abwärts. Hier könnte man auch auf dünnen Schilfschüsseln den Fluss runtertreiben bzw. rudern. Sehe aber niemanden der das macht und würde dem auch eher nicht vertrauen. Zwischendurch passierts mal wieder. Ein besorgter local kommt auf mich zu und zeigt bedeutungsschwanger auf mein Gesicht. Ich bin etwas perplex. Auf einmal holt er eine lange Stahlnadel raus und tut so, als würde er mir einen schillernden Schleim aus dem Ohr holen. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht tatsächlich aus meinem Ohr kam was er mir zeigt. Ich winke sofort ab, als er mir wieder sein Kritikenbuch zeigen will. Am Fluss ist es dafür wundervoll, es finden sich immer wieder diverse kleine Tempelruinen, malerisch am Fluss angeordnet, sogar ein brummender geschäftiger Hindutempel und schließlich ein riesiges altes Marktgelände mit hunderte Meter langen Arkadenruinen und am Ende des riesigen staubigen Platzes ein Tempel, sehr ähnlich dem Haupttempel von gestern, als Ruinenausgabe ganz für mich allein. Hier verirrt sich wirklich kaum noch jemand hin dabei ist die Atmosphäre toll. Wandere nach einer weiteren Stunde in der prallen Sonne am Fluss zurück und hole mein Gepäck. Danach erstmal Cola und Kaffee und Paneer Pakoda mit Chilliesauce und frittierten Curryblättern im Backpackerparadies. Es ist inzwischen 17:00 und ich denke, dass ich mit dem Linienbus zur nächsten Stadt fahre, in der mein Nachtbus um halb neun abfährt. Auf dem Weg zum Bus kommt mir eine verzweifelte Chinesin entgegen, die energisch von einer großen Kuh verfolgt wird. Sie wird gerettet von einer Gruppe bunter InderInnen, die die Kuh einkreisen, ihre Stirn berühren und sie segnen bzw. sich segnen lassen.

Bus kommt, fahre in 30 Minuten nach Hospet, vorbei an den Palmen und Feldern im Sonnenuntergang. Die Einheimischen beten im Bus zu den Hindutempeln am Strassenrand. Frage mich zum Nachtbus durch und warte in einem stickigen Raum voller Mücken mit diversen Touristen  auf diesen.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:45 - GOOGLE MAPS 
31 Endlich mal Tempel

Früh wach, da die benachbarten Einheimischen aufstehen, klappern, husten und Schleim entsorgen, lange und laut. Frühstücke in der Backpackerhochburg, Mangotree cafe. Essen und Kaffee sind in Ordnung, aber die vielen Angestellten sind komplett unorganisiert.

Habe mich für eine tuktuk-Tour in die Umgebung entschieden, da es ganz schön heiß ist und die Hotspots etwas weiter entfernt sind, denke ich zumindest. Es gibt wohl fast 4000 Monumente auf 36 km2. Ich habe überhaupt keine Lust auf ein winziges  Klapperfahrrad und schmerzende Knie.

Tuktuk kommt und wir fahren die diversen Tempel ab, durch eine scheinbar fruchtbare Landschaft mit Zuckerrohr und Bananenplantagen, überall am Wegesrand und in den Feldern alte Ruinen, kleine Tempel, Stützen etc.. Ich sehe eine große massive Statue von Shiva als Frau mit Löwenkopfinkarnation auf einem Schlangenthron, einen Tempel, welcher unter Bodenniveau liegt, alle Einheimischen stapfen unter Gekicher und Gejohle durch das kalte Wasser, ich auch, und noch einige andere kleinere Ruinen, Wachtürme, eine Moschee usw.. Dann gehts zum ummauerten Königsareal. Hier gibts das elegante lotus mahal, die Elefantenställe und ein paar kleinere Tempel. Anschließend zum großen Hazarama Tempel, mit Säulen aus schwarz polierten Granit, zu einer Aussichtsplattform, einem Stufenbrunnen, dem Volksbad sowie dem Bad der Königin. Es ist entspannt, nie wirklich viel los, wenig Verkehr, nur ein bisschen zu heiß. Ich bin scheinbar zu schnell, deshalb machen wir Mittagspause. Ich liege 2 Stunden mit einer Cola in meinem Zimmer rum, der Ventilator quietscht, die Nachbarn reden und lachen und verbrennen Sachen, was voll in mein Zimmer zieht.

Am Nachmittag gehts bei ausgewachsener Hitze zum Musem, naja, und anschließend zum Highlight, dem Vittala Tempel. Zu diesem läuft man erstmal 1 km über eine Schotterpiste, wahlweise kann man sich auf einem verlängerten Golfwagen mitnehmen lassen. Ich laufe und sehe unterwegs noch ein paar Nebenschauplätze. Der Tempel aus dem 16. Jrhdt. selbst ist schön, allerdings etwas überlaufen. Hinter dem Eingangsbauwerk stehen mehrere komplett ausgeschmückte und verzierte Säulenhallen und der seltsame Steinwagen, der in allen Beiträgen zu Hampi abgebildet ist. Er soll Vishnus Wagen darstellen, er ist wohl früher tatsächlich gerollt. Der Deutsche in mir zuckt jedesmal zusammen, wenn die Leute sich an die Skulptur anlehnen und sie mit der Hand betasten. Ich höre dabei immer schabende, kratzende Geräusche in meinem inneren Ohr. Die schmucke Haupthalle ist leider in großen Teilen abgesperrt. Hier sind Steinsäulen verbaut, die nach meinem Führer bei Berührung diverse, in Tonhöhen abgestimmte Geräusche machen. Scheinbar hatten die Behörden doch Angst, dass diese Säulen bald weggetatscht sind und haben sie weggesperrt. Irgendwann löse ich mich und nehme für den Rückweg doch den Golfkarren.

Als letztes gibt es einen Sonnenuntergang. Ich entscheide mich für einen anderen Stellplatz als gestern. Um die Ecke gibt es einen alten, aber sehr rege bespielten Hindutempel, hinter dem ein felsengesäumter Abhang mit einer weiten Sicht liegt. Es erweist sich als gute Entscheidung, man kann praktisch bis oben fahren. Alle Untergangsinteressierten müssen sich durch Spaliere von Affen schlagen, aber es lohnt sich. Man tritt durch ein Loch in der rückseitigen Mauer auf ein Felsplateau mit riesigen Felsen und kann auf drei Seiten bis zum Horizont in die Landschaft gucken. Überall liegen Felsen rum, zum Teil seltsam unwahrscheinlich übereinandergeschichtet. Etwas ähnliches habe ich bisher nur auf Sardinien gesehen, im Tal der Giganten. Ich klettere bis an die Spitze des Abgrunds, ein paar Inder klettern leider mit, setzen sich vor mich und beginnen zu telefonieren. Es ist trotzdem schön. Aus dem Tempel dringt diesmal leicht unrythmische Trommel- und Zymbelmusik. Das fällt etwas ab gegen gestern, dafür wird es live eingespielt von zwei knochigen älteren Herren.

Zurück im Ort esse ich ein Curry beim Restaurant von gestern und überlege wie es weitergeht. Vermutlich nehme ich morgen einen Nachtbus nach Goa, bleibe dort drei Tage und muss dann nach Mumbay.

Das Busbuchen ist eine unerwartete Hürde. Da das Internet hier so schwach ist, bekomme ich die Bankbestätigung mehrfach nicht hin. Das Gerät sucht und rödelt, irgendwann wird die Transaktion abgebrochen. Beim 5. Versuch klappt es dann doch noch. Ich gehe also morgen abend um 20:30 in 10 Stunden nach Goa. Da ich um 9:00 auschecken muss wird das ein langer Tag im Freien.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:44 - GOOGLE MAPS 
30 Backpackerparadies

Nach dem Aufstehen sehe ich zufällig kurz meine mails durch und sehe, dass mein gestern gebuchtes Hotel mir geschrieben hat und mir erklärt, dass das Zimmer nicht verfügbar ist und ich solle doch bitte canceln. Irgendwie ist gerade der Wurm drin. Finde nichts anderes gutes und buche dann ein doppelt so teures 3er Zimmer. Danach Frühstück, neben einem Mann aus Madagaskar, und Olataxi. Bekomme vom Angestellten noch erklärt, dass hier eine eigene Sprache gesprochen wird, bei Gesprächen zwischen Einheimischen werden auch seltsamerweise auch immer wieder englische Wörter eingeflochten. Taxi bekommen ist schwieriger als gedacht, da ich diesmal spontan buchen wollte, aber alle Taxen haben Anfahrtszeiten von 10 bis 15 Minuten. Irgendwann beisst einer an und findet mich auch. Er fährt sehr langsam und redet sehr viel, will alles wissen, Kob, Verdienst, Wetter in Deutschland usw.. Zum erstenmal denke ich, 'fahr doch mal ein bisschen schneller'. Er ist jedenfalls Christ und erklärt mir, dass das die drittgrößte religiöse Gruppierung in Indien ist.

Komme rechtzeitig an und bekomme meinen Flieger, diesmal checke ich das Gepäck ein, damit ich es nicht wieder zwischen die Sitze hämmern muss. In diesen kleinen Flugzeugen spürt man jede Kurve noch sehr direkt stelle ich fest. Landen auf einem Feld, laufen bis zur Minieingangshalle, nebenan dräut und hämmert das Stahlwerk. Toiletten sind draußen aufgestellte Stahlcontainer. Gepäck gibts direkt vom Karren. Das versprüht den Charme von 'Parchim International'.

Mein Hotelhost ist da, da er sowieso jemanden hingebracht hat, allerding mit einem tuktuk. Nach einer guten Stunde durch eine flache Landschaft mit vielen Felsen sind wir in Hampi-Bazar, einer kleinen Ansiedlung mit vielleicht 5 Straßen direkt zu Füßen eines großen alten Tempels. Es sieht aus wie in einer typischen Backpackersiedlung in Asien. Überall kleine Shops, Reisebüros, Bars und Restaurants, jedes Haus ist ein Guesthouse oder Homestay. Nicht unangenehm, aber auch nicht typisch indisch. Allerdings leben auch viele Einheimische hier. Das Zimmer ist sehr basic, aber halbwegs sauber. Es erinnert mich stark an meine Zimmer in Thailand vor 20 Jahren. Internet ist allerdings nicht wirklich vorhanden, das scheint auch im ganzen Ort so zu sein.

Laufe irgendwann los für einen ersten Überblick. Kurzer Exkurs aus Wikipedia: Von etwa 1343 bis 1565 war Hampi die Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte Vijayanagar, das als letztes großes Hindu-Reich gilt, fast ganz Südindien. Seine Hauptstadt soll zur Blütezeit rund 200.000, nach anderen Schätzungen sogar 500.000 Einwohner gehabt haben. Heute ist Hampi nur noch ein Dorf mit 2777 Einwohnern.

Direkt neben dem Ort kann man schon diverse alte Tempel und Ruinen anlaufen. Sehe zwei riesige Ganesha Statuen, eine eingezwängt in einen engen Raum, es sieht aus als würde er ihn sprengen, und eine im luftigen Tempel von Affen besprungen, mit einem Wächter daneben in identischer Position. Ein großer Shivatempel mit schöner Fassade ist leider eingerüstet. Daneben ein großes altes Marktgelände mit Arkaden und einem schönen Teich mit dekorativem Pavillon. Die Tempel sind alle aus dem vorherrschenden Material, Granit, gebaut. Dadurch sieht alles etwas glatter und sehr steinern aus. Man erkennt hier gut die Tragstruktur der Tempel. Letztendlich sind es Stützen-Riegel Konstruktionen mit aufgelegten schmalen Deckenplatten wie aus einem Baukastensystem. Es sieht ein wenig aus wie ein Industriefertigteilbau aus der DDR. Alte Verzierungen oder Aufbauten aus Holz oder Ziegel fehlen inzwischen fast vollständig. Die Tempel sind nicht so schön, wie die bisher gesehenen Sandsteintempel, aber sie liegen malerisch in einer tollen Landschaft. Überall liegen riesige Felsen rum, teilweise so groß wie ein dreistöckiges Haus. Ab und an läuft man über große Felsplateaus, überall Palmen. Es ist sonnig und heiß, es fahren wenige Fahrzeuge, also insgesamt sehr entspannt.

Ich gehe irgendwann in den großen Tempel direkt im Ort. Das Hauptgebäude ist über 50 m hoch. Der Tempel ist noch in Betrieb, überall laufen betende Einheimische und beschäftigte Mönche rum. Ansonsten gibt es noch sehr viele Affen, einige sehr aggressiv und sehr schwanger und einen Tempelelefanten, den man gegen ein geringes Entgeld streicheln, bzw. sich Segen abholen darf. Allerdings ist er relativ eng angebunden, das sieht nicht bequem aus.

Zum Sonnenuntergang gehe ich auf einen Tempelberg direkt neben dem großen Tempel. Hier stehen auf einem Felsplateau malerisch lauter Tempelruinen mit pittoresken Bäumen rum und man kann weit in die zauberhafte Landschaft schauen. Vom Tempel nebenan kommen erst monotone Mönchsgesänge und anschließend ein wenig Ethnojazz mit Sitar und Panflöte. Die Sonne geht unter, große Vögelschwärme in schwarz und weiß fliegen durch die Landschaft, es ist unglaublich kitschig und sehr schön. Alle sitzen mehr oder wenig ruhig am Rand des Berges und schauen in die Landschaft. Manche meditieren.

Nachdem es dunkel ist kommt ein trillerpfeifender Polizist und scheucht alle vom Berg. Nur ein Haufen Affen und Hunde darf bleiben. Der große Dorftempel wird Nachts angestrahlt und überragt das ganze Dörfchen, es sieht aus, als wäre hier ein Ufo gelandet.



Ich gehe etwas essen und entscheide mich für die Nummer 3 im Ort, da erfahrungsgemäß in derartigen Orten eh alles gleich schmeckt. Nehme ein tomatenbasierendes Paneercurry und bin ganz zufrieden, es ist zumindest halbwegs scharf. Da hier immer alle Fahrer, Bedienungen, Guides etc. über 'spicy' reden, das ist das Dauerthema mit Ausländern, nehme ich mal an, dass die meisten Touristen das nicht wollen. Aber so richtig scharf war es bisher noch gar nicht fand ich. Laufe nochmal durch den Ort, zum Glück gibt es keine laut dröhnenden Bars, danach ins Zimmer. Die weiteren Buchungen werden schwierig, da das Netz hier wirklich schlecht ist und meine indische Simkarte hat auch keinen Datendurchsatz.


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