Boris allein auf Reisen

INDIEN 2020
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Reisetagebuch


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Agonda | Indien | Samstag - 08.02.2020 - 12:28 - GOOGLE MAPS 
34 verdiente Langeweile

Es ist wirklich ein wenig langweilig hier, aber auf eine tolle, entspannte Art. Frühstück am Strand, danach Hütte gewechselt, jetzt in der ersten Reihe, bessere, viel größere Hütte, leider stinkts etwas. Kaufe mir am Abend Räucherstäbchen und setze sie intensiv ein, so geht es.

Laufe tagsüber mal zum rechten Ende der Bucht, hinter einer Lagune und einem beurwaldeten Hügel soll noch eine schöne andere Bucht liegen. Durchwate die hüfthohe Lagune mit starker Strömung, komme aber mit Badelatschen nicht den Berg hoch, vor allem, nachdem ich feststelle, dass der Bewuchs fingerlange Dornen hat. Sichte eine sehr gepflegte und in sich ruhende Kuhherde am Strand, alle individuell bemalt.

Laufe am späteren Nachmittag zum linken Ende und finde ein sehr dekoratives Felsplateau, auf dem sich einige Touristen versammeln. Kurz vor Sonnenuntergang spielt hier ein Mann leicht verstärkt Gitarre, eine Art monotonen HypnoFolk. Alle lauschen andächtig und warten bis die Sonne exakt mit dem letzten Gittarenklang ins Meer fällt. Unter mir bouldern 2 Touristen an für mich nicht wahrnehmbaren Griffen durch die Felsen.

Laufe danach die eine vorhandene Straße lang und lande zufällig am Tisch meiner neuen Bungalownachbarn aus Irland. Sie erzählen mir in einem sehr eigenwilligen Englisch, dass sie tagsüber eine Bootstour hatten, auf der sie eine Gruppe von zwanzig bis dreißig Seeadler gefüttert hatten, mit frisch abgeschlagenen Hühnerköpfen, die man den um sie rumflatternden Adlern zuwerfen musste. Keine sehr vegane Freizeitbeschäftigung, die Fotos und Videos sahen sehr blutrünstig aus. Er isst 2 Hummer, die er den Tag vorher bestellen musste. Sie sind ausgehölt und der Inhalt als Curry wieder reingestopft. Der Konsument ist nicht ganz überzeugt. Ich esse ein Paneer Curry, wie immer, das finde ich weiterhin sehr befriedigend. Danach noch ein Bier auf der eigenen Terrasse, das wars schon.


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Agonda | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 09:56 - GOOGLE MAPS 
33 Bus hin und her

Der Bus fährt mit einer Stunde Verspätung los. Ich habe diesmal ein oberes Einzelbett gebucht und es ist ganz schön eng. Dafür schön warm, aber die AC arbeitet. Die Straße muss unglaublich schlecht sein, ab und an habe ich das Gefühl, ich werde 1 m hochgehoben bzw. fallengelassen, oder es stuckert minutenlang heftig, bis ich denke ich habe eine Gehirnerschütterung. Zweimal falle ich fast aus dem Bett in den Kurven, zum Glück ist eine senkrechte Stahlstange am Einstieg montiert. Ich soll um Vier Uhr früh ankommen, aber aufgrund der Verzögerung ist unklar wann wir tatsächlich da sind. Stehe um halb fünf auf und setze mich unten hin. Leider verschlafe ich trotzdem den Ausstieg durch einen kurzen Sekundenschlaf, da der Fahrer auf den dunklen leeren Straßen gerade voll durchjagt. Als ich mühsam in die Halterungen verkrallt nach vorne robbe, der Bus wackelt und schlenkert extrem, es fühlt sich an wie in einer voll beschleunigten Achterbahn, sagt mir der Fahrer, dass bei mir Goa in seiner Liste steht. Nächster Halt ist erst 30 km weiter. Mist. Neben mir steht auch noch eine andere Deutsche, der geht es genauso. Ich sehe auch bei keinem der anderen Touristen irgendeinen Ortsnamen auf der Liste, sie werden also alle pauschal in Goa Stadt rausgelassen und werden sich sicherlich sehr darüber freuen. Die Küste ist jedoch tatsächlich über 100 km lang mit diversen Orten an den vielen Stränden und alles wird nur aus Marketinggründen Goa genannt. Nach weiteren 30 Minuten werden wir zu zweit stinksauer im nächsten größeren Ort aus dem praktisch noch rollenden Bus rausgeschmissen. Neben dem Bus ist absurderweise eine 24 Stunden geöffnete Cafebar. Wir gehen rein und hinter der Theke liegen wirklich 2 Angestellte schlafend auf dem Boden. So bekommen wir wenigstens einen heißen Kaffee morgens gegen 5:00. Jeanine aus Köln ist seit 6 Monaten in Australien und Fidschi unterwegs und besucht hier noch 3 Wochen eine Freundin, allerdings an einem benachbarten Strand. Gegenüber liegt direkt der örtliche Busbahnhof, ich frage mal nach und siehe da, in 20 Minuten fährt ein localbus für ein paar Cent zu unserem ursprünglichen Ziel zurück. Den nehmen wir, sogar mit Sitzplatz, es wird im Laufe der Zeit allerdings ziemlich voll und ungemütlich. Nach ca. 1 Stunde sind wir zurück und jeder nimmt von hier wiederum seinen Bus zum jeweiligen Strand, das Ganze hat uns also ca. 2 Stunden und ein paar Nerven gekostet.

Ich laufe zum Guesthouse und werde überrascht beäugt, weil ich so früh da bin. Das Zimmer gibt es immerhin, aber es ist leider erst ab 11:30 frei. Ich sitze also 3 Stunden am Strand, esse Frühstück und bade ein bisschen. Döse auch ein wenig weg und bin gegen Mittag bereits etwas angebrannt. Ich hatte mich für den Senioren- und Familienstrand entschieden, Ruhe, Entspannung. Das ist es auch, man könnte sagen es ist sogar etwas langweilig. Das Hinterland, bzw. die eine vorhandene Straße, ist ziemlich verdreckt, dafür ist der Strand sehr sauber, er wird auch den ganzen Tag von Frauen mit langen Bastbesen gefegt. Alle 30 m stehen mehrere Mülleimer repräsentativ am Strand rum. Der Strand ist eine lange geschwungende breite Sandbucht mit hellem Sand, leichtem rückseitigem Bewuchs mit Palmen, halbwegs klarem Wasser mit leichten Wellen am Einstieg und ohne nennenswerte Strömung. Der Strand ist nicht so schön und aufregend wie meine letzten in Sri Lanka, dafür badet es sich wirklich sehr entspannt ohne andauernden Überlebenskampf. Es ist allerdings sehr heiß und gibt wenig Schatten. Ich werde hier wahrscheinlich drei Tage bleiben. Die Hütten sind sehr basic. Roh zusammengezimmerte Holzhütten mit Linoleumbelag. Der Wasserdruck und das Wlan tendieren gegen Null. Ich denke aber es wird schon gehen, die Wäsche ist zumindest annehmbar. Im Ort gab es ohnehin kaum etwas mit besseren Kritiken, insofern denke ich, alles sieht ähnlich aus. Ich wohne leider in zweiter Reihe, mit Blick auf die hässliche Rückseite der engstehenden, vorderen Bungalows, vielleicht investiere ich morgen nochmal in einen Meerblick.

Ich hänge den ganzen Tag in den Seilen. Die Busfahrt war doch sehr anstrengend. Laufe zum Sonnenuntergang immerhin einmal links ans Ende der Bucht, überall sitzen Leute und machen Yoga oder meditieren, die Einheimischen gehen bis oben zugeknöpft ins Wasser. Keine Musik, keine Party, alles sehr entspannt.


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Nicole -
10.02.2020 - 19:40:33 Uhr
Beste Selfie mit Kuh! Vielen Dank! Kaum zu glauben, dass die 5 Wochen schon fast vorbei sind. Was lesen wir nur dann immer zum Frühstück oder abends beim Wein/ Bier?

Genieße Deine letzten Stunden!
Stefan -
09.02.2020 - 11:23:56 Uhr
Die Kühe am Strand sehen aber besser aus als die in den indischen Städten. Vielleicht klappt ja noch mal ein Selfie mit Kuh. Schönen Flug mach Mumbai. Bleib tapfer.
Nicole -
06.02.2020 - 19:28:40 Uhr
Sieht sehr entspannt aus. Dann lass mal die Seele baumeln...vielleicht doch noch einmal Yoga? Ansonsten legst Du dich zu den Kühen.. apropos, bitte ein Selfie mit Kuh bei Sonnenuntergang! Und nimm Dir eine Hütte in der ersten Reihe!
Hampi | Indien | Donnerstag - 06.02.2020 - 07:36 - GOOGLE MAPS 
32 Wasserfall

Ich stehe geruhsam auf und werde tatsächlich um 10 vor 9 daran erinnert, dass ich jetzt raus muss. Gebe mein Gepäck ab und gehe ganz langsam frühstücken, auf dem Bastdach über mir toben die Affen rum. Nach 2 Stunden entscheide ich mich, ein bisschen am Fluss langzulaufen, da ich den noch gar nicht gesehen habe. Sehe die Fährstelle, ein nettes Flussufer mit großen Felsen, alles leider etwas verdreckt, einen Einheimischen, der sein Fahrrad bis zur Hüfte im Wasser durchs Wasser schiebt, einen anderen der in der Bracke angelt. Gehe langsam immer weiter, bis es nicht mehr geht und biege dann ins Land ab, bis mir wieder mal jemand an einer staubigen Strassenkreuzung mitten im Nichts Hasch verkaufen will. Will ich nicht, aber er sagt noch ‚Wasserfälle‘ und deutet in eine Richtung. Stimmt, ich hatte was gelesen. Also laufe ich 30 Minuten in voller Hitze erst eine Straße neben Bananenplantagen, dann einen Trampelpfad in Bananenplantagen und anschließend wild durch die Plantage. Ich treffe irgendwann aufs Flussufer und komme auf Steinen über den Fluss auf eine Mittelinsel. Hier hütet ein Junge die örtlichen Tempelkühe, eine große muhende Herde mitten im Wald, sie werden gehütet und es wird Milch genommen erklärt er mir. Hinter der Insel lehne ich mitten im Nirgendwo ein Führerangebot ab, was ich relativ bald überdenke. Mein googlemaps zeigt mir die ganze Zeit, dass ich eigentlich bereits mitten im Fluss bin, scheinbar ist der Wasserstand gerade relativ niedrig. Überall liegen Kiesel in Hausgröße kreuz und quer. Es macht Spaß hier rumzuklettern, aber man sieht weit und breit keine Menschen und keine Wasserfälle, nur ein paar schöne Becken mit stillem Wasser. Ich möchte hier nicht mit gebrochenem Bein rumliegen, es ist wirklich niemand weiter unterwegs. Leider ist auch mein Wasser alle, das war alles etwas sehr spontan und es wird immer heißer. Es ist aber auch traumhaft schön und total ruhig. Um mich taumeln große bunte Schmetterlinge und schwirren überdimensionierte Libellen. Nach ca. 30 Minuten kraxeln treffe ich eine ältere Deutsche in indischer Führerhand. Ich bin ganz nah dran wird mir erklärt. Sie wurde vom älteren besorgten Inder aufgelesen, da er scheinbar etwas Angst um sie hatte. Hier zeigen sich in den Felsen bereits Auswirkungen des gerade unsichtbaren Wassers, überall sind absurde runde und ovale Ausspülungen, teilweise sehr kleinteilig. Es sieht aus, als hätte Andy Goldsworthy hier gewütet und Steine gebohrt oder gebrochen. Irgendwann treffe ich auf den Wasserfall, wobei ich ihn eher höre als sehe. Es ist dann auch ein eher unterirdischer Wasserfall. Ich kann mich also leider nicht drunterstellen, was ich inzwischen bräuchte. Das Wasser gurgelt laut zwischen den Steinen, aber man erhascht nur kurze Blicke zwischen den Fugen und Ritzen. Ich denke mal im Monsun ist der Wasserstand erheblich höher und das Wasser muss dann eine ziemlich hohe Geschwindigkeit haben.

Quäle mich langsam zurück und lege mich eine halbe Stunde zu diversen Einheimischen in den ersten Tempelvorbau den ich erreiche, der Wind pfeift herein, angenehm kühler Schatten zwischen den Stützen und der massige Ganesha wacht über uns.

Danach werde ich übermütig. Denke, ich sehe mir noch kurz die letzten Tempelreste im Ort an, gehe erstmal zu einer großen Kuhfigur und dann immer weiter am Fluss abwärts. Hier könnte man auch auf dünnen Schilfschüsseln den Fluss runtertreiben bzw. rudern, ich sehe aber niemanden der das wirklich macht und würde dem auch eher nicht vertrauen. Zwischendurch passierts mal wieder. Ein besorgter local kommt auf mich zu und zeigt bedeutungsschwanger auf mein Gesicht. Ich bin etwas perplex. Auf einmal holt er eine lange Stahlnadel raus und tut so, als würde er mir einen schillernden grünlichen Schleim aus dem Ohr holen. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht tatsächlich aus meinem Ohr kam was er mir zeigt. Ich winke sofort ab, als er mir wieder sein prallvolles Kritikenbuch zeigen will. Am Fluss ist es dafür wundervoll, es finden sich immer wieder diverse kleine Tempelruinen, malerisch am Ufer angeordnet, sogar ein genutzter und brummender geschäftiger Hindutempel und schließlich ein riesiges altes Marktgelände mit hunderte Meter langen Arkadenruinen und am Ende des riesigen staubigen Platzes ein Tempel, sehr ähnlich dem Haupttempel von gestern, als Ruinenausgabe ganz für mich allein. Hier verirrt sich wirklich kaum noch jemand hin dabei ist die Atmosphäre toll. Wandere nach einer weiteren Stunde in der prallen Sonne am Fluss zurück und hole mein Gepäck. Danach erstmal Cola und Kaffee und Paneer Pakoda mit Chilliesauce und frittierten Curryblättern im Backpackerparadies und kurzes Abtupfen.

Es ist inzwischen 17:00 und ich werde mit dem Linienbus zur nächsten Stadt fahren, in der mein Nachtbus um halb neun abfährt. Auf dem Weg zum Bus kommt mir eine verzweifelte Chinesin entgegen, die energisch von einer großen Kuh verfolgt wird. Sie wird gerettet von einer Gruppe bunter InderInnen, die die Kuh einkreisen, ihre Stirn berühren und sie segnen bzw. sich segnen lassen. Bus kommt, ich fahre in 30 Minuten nach Hospet, vorbei an den Palmen und Feldern im Sonnenuntergang. Die Einheimischen beten im Bus im Sitzen zu den Hindutempeln am Straßenrand. Frage mich zum Nachtbus durch und warte in einem heissen, stickigen Raum voller Mücken mit diversen Touristen auf diesen.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:45 - GOOGLE MAPS 
31 Endlich mal Tempel

Früh wach, da die benachbarten Einheimischen aufstehen, klappern, husten und Schleim entsorgen, lange und laut. Frühstücke in der Backpackerhochburg, im ‚Mangotree Cafe‘. Essen und Kaffee sind in Ordnung, aber die vielen Angestellten sind faszinierend unorganisiert.

Habe mich für eine Tuktuk-Tour in die Umgebung entschieden, da es ganz schön heiß ist und die Hotspots etwas weiter entfernt sind, denke ich zumindest. Es gibt wohl fast 4000 Monumente in der Umgebung, verteilt auf 36 km2. Ich habe überhaupt keine Lust auf ein winziges Klapperfahrrad und schmerzende Knie.

Tuktuk kommt und wir fahren die diversen Tempel ab, durch eine scheinbar fruchtbare Landschaft mit Zuckerrohr und Bananenplantagen, überall am Wegesrand und in den Feldern alte Ruinen, kleine Tempel, Stützen etc.. Ich sehe eine große massive Statue von Shiva als Frau mit Löwenkopf-Inkarnation auf einem Schlangenthron, einen Tempel, welcher unter Bodenniveau liegt, alle Einheimischen stapfen unter Gekicher und Gejohle durch das kalte Wasser, ich auch, und noch einige andere kleinere Ruinen, Wachtürme, eine Moschee usw.. Dann gehts zum ummauerten Königsareal. Hier gibts das elegante ‚lotus mahal‘, die Elefantenställe und ein paar kleinere Tempel. Anschließend zum großen Hazarama Tempel, mit Säulen aus schwarz polierten Granit, zu einer Aussichtsplattform, einem Stufenbrunnen, dem Volksbad sowie dem Bad der Königin. Es ist entspannt, nie wirklich viel los, wenig Verkehr, nur ein bisschen zu heiß. Ich bin scheinbar zu schnell, deshalb machen wir Mittagspause. Ich liege 2 Stunden mit einer Cola in meinem Zimmer rum, der Ventilator quietscht, die Nachbarn reden und lachen und verbrennen Sachen, was würzig in mein Zimmer zieht.

Am Nachmittag gehts bei ausgewachsener Hitze zum Museum, naja, und anschließend zum Highlight, dem Vittala Tempel. Zu diesem läuft man erstmal 1 km über eine Schotterpiste, wahlweise kann man sich auf einem verlängerten Golfwagen mitnehmen lassen. Ich laufe und sehe unterwegs noch ein paar Nebenschauplätze. Der Tempel aus dem 16. Jrhdt. selbst ist schön, allerdings sehr überlaufen. Hinter dem Eingangsbauwerk stehen mehrere komplett ausgeschmückte und verzierte Säulenhallen und der seltsame Steinwagen mit steinernen Rädern, der in allen Beiträgen zu Hampi abgebildet ist. Er soll Vishnus Wagen darstellen und ist wohl früher tatsächlich gerollt. Der Deutsche in mir zuckt jedesmal zusammen, wenn die Leute sich an die Skulptur anlehnen und sie mit der Hand betasten. Ich höre dabei immer schabende, kratzende Geräusche in meinem inneren Ohr. Die schmucke Haupthalle ist leider in großen Teilen abgesperrt. Hier sind Steinsäulen verbaut, die nach meinem Führer bei Berührung diverse, in Tonhöhen abgestimmte Geräusche machen. Scheinbar hatten die Behörden doch Angst, dass diese Säulen bald weggetatscht sind und haben sie weggesperrt. Irgendwann löse ich mich und nehme für den Rückweg doch den Golfkarren.

Als letzten Programmpunkt gibt es einen Sonnenuntergang. Ich entscheide mich für einen anderen Stellplatz als gestern. Um die Ecke gibt es einen alten, aber sehr rege bespielten Hindutempel, hinter dem ein felsengesäumter Abhang mit einer weiten Sicht liegt. Es erweist sich als gute Entscheidung, man kann praktisch bis oben fahren. Alle Untergangsinteressierten müssen sich durch Spaliere von Affen schlagen, aber es lohnt sich. Man tritt durch ein Loch in der rückseitigen Mauer des Tempels auf ein Felsplateau und kann auf drei Seiten bis zum Horizont in die Landschaft gucken. Überall liegen riesige Felsen rum, zum Teil seltsam unwahrscheinlich übereinandergeschichtet. Etwas ähnliches habe ich bisher nur auf Sardinien gesehen, im Tal der Giganten. Ich klettere bis an die Spitze des Abgrunds, ein paar Inder klettern leider mit, setzen sich direkt vor mich und beginnen lautstark zu telefonieren. Es ist trotzdem schön. Aus dem Tempel dringt diesmal leicht unrythmische Trommel- und Zymbelmusik. Das fällt etwas ab gegen den Esoterikkitsch von gestern, dafür wird es live eingespielt von zwei knochigen älteren Herren im Tempel.

Zurück im Ort esse ich ein Curry im Restaurant von gestern und überlege wie es weitergeht. Vermutlich nehme ich morgen einen Nachtbus nach Goa, bleibe dort drei Tage und muss dann nach Mumbai.

Das Busbuchen ist eine unerwartete Hürde. Da das Internet hier so schwach ist, bekomme ich die Bankbestätigung mehrfach nicht hin. Das Gerät sucht und rödelt, irgendwann wird die Transaktion immer wieder abgebrochen. Beim 5. Versuch klappt es dann doch noch. Ich fahre also morgen Abend um 20:30 in 10 Stunden nach Goa. Da ich um 9:00 ausschecken muss, wie es absurderweise im gesamten Ort üblich ist, wird das ein langer Tag im Freien. Ich kann allerdings mein Gepäck abstellen und muss es nicht bezahlen, wie es bei einigen Absteigen hier kritisiert wurde.


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Hampi | Indien | Dienstag - 04.02.2020 - 09:44 - GOOGLE MAPS 
30 Backpackerparadies

Nach dem Aufstehen sehe ich zufällig kurz meine Mails durch und sehe, dass mein gestern gebuchtes Hotel mir bereits geschrieben hat und mir erklärt, dass das Zimmer nicht verfügbar ist und ich solle doch bitte canceln. Irgendwie ist gerade der Wurm drin. Finde nichts anderes gutes und buche dann ein doppelt so teures 3er Zimmer. Danach Frühstück, neben einem Mann aus Madagaskar, und buche ein Olataxi. Bekomme vom Angestellten noch erklärt, dass hier eine eigene Sprache gesprochen wird, bei Gesprächen zwischen Einheimischen werden auch seltsamerweise auch immer wieder englische Wörter eingeflochten. Taxi bekommen ist schwieriger als gedacht, da ich diesmal spontan buchen wollte, aber alle Taxen haben Anfahrtszeiten von 10 bis 15 Minuten. Irgendwann beißt doch einer an und findet mich nach Telefonat auch. Er fährt sehr langsam und redet sehr viel, will alles wissen, Job, Verdienst, Wetter in Deutschland usw.. Zum erstenmal denke ich, 'fahr doch mal ein bisschen schneller'. Er ist jedenfalls Christ und erklärt mir, dass dies die drittgrößte religiöse Gruppierung in Indien ist.

Komme rechtzeitig an und bekomme meinen Flieger, diesmal checke ich das Gepäck ein, damit ich es nicht wieder zwischen die Sitze hämmern muss. In diesen kleinen Flugzeugen spürt man jede Kurve noch sehr direkt stelle ich fest, bei einer engen Kurve liege ich gefühlt parallel zum Boden. Wir landen auf einem Feld, laufen bis zur Minieingangshalle, nebenan dräut und hämmert das Stahlwerk. Toiletten sind draußen aufgestellte Stahlcontainer. Gepäck gibts direkt vom Karren. Das versprüht den Charme von 'Parchim International'.

Mein Hotelhost ist da, da er sowieso gerade jemanden hingebracht hat, allerdings mit einem Tuktuk. Nach einer guten Stunde durch eine flache Landschaft mit vielen Felsen sind wir in Hampi-Bazaar, einer kleinen Ansiedlung mit vielleicht 5 Straßen direkt zu Füßen eines großen alten Tempels. Es sieht aus wie in einer typischen Backpackersiedlung in Asien, überall kleine Shops, Reisebüros, Bars und Restaurants, jedes Haus ist ein Guesthouse oder Homestay. Nicht unangenehm, aber auch nicht wirklich typisch indisch. Allerdings leben auch viele Einheimische hier. Das Zimmer ist sehr basic, aber halbwegs sauber. Es erinnert mich stark an meine Zimmer in Thailand vor 20 Jahren. Internet ist allerdings nicht wirklich vorhanden, das scheint aber nach mehreren Tests auch im ganzen Ort so zu sein.

Laufe irgendwann los für einen ersten Überblick. Kurzer Exkurs aus Wikipedia: Von etwa 1343 bis 1565 war Hampi die Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte Vijayanagar, das als letztes großes Hindu-Reich gilt, fast ganz Südindien. Seine Hauptstadt soll zur Blütezeit rund 200.000, nach anderen Schätzungen sogar 500.000 Einwohner gehabt haben. Heute ist Hampi nur noch ein Dorf mit 2777 Einwohnern.

Direkt neben dem Ort kann man schon diverse alte Tempel und Ruinen anlaufen. Sehe zwei riesige Ganesha Statuen, eine eingezwängt in einen engen Raum, es sieht aus als würde er ihn sprengen, und eine im luftigen Tempel von Affen besprungen, mit einem Wächter daneben in identischer Position. Ein großer Shivatempel mit schöner Fassade ist leider eingerüstet. Daneben ein großes altes Marktgelände mit langen Arkaden und einem schönen Teich mit dekorativem Pavillon. Die Tempel sind alle aus dem vorherrschenden Material gebaut, einem glatten Granit. Dadurch sieht alles etwas glatter aus als bisher gewohnt. Man erkennt hier gut die Tragstruktur der Tempel, letztendlich sind es klare Stützen-Riegel Konstruktionen mit aufgelegten schmalen Deckenplatten, wie aus einem Baukastensystem. Es sieht ein wenig aus wie ein Industriefertigteilbau aus der DDR. Alte Verzierungen oder Aufbauten aus Holz oder Ziegel fehlen inzwischen fast vollständig. Die Tempel sind nicht so schön, wie die bisher gesehenen Sandsteintempel, aber sie liegen malerisch in einer tollen Landschaft. Überall liegen riesige Felsen rum, diese sind teilweise so groß wie ein dreistöckiges Haus. Ab und an läuft man über große Felsplateaus, überall Palmen. Es ist sonnig und heiß, es fahren wenige Fahrzeuge, also insgesamt sehr entspannt.

Ich gehe irgendwann in den großen Tempel direkt im Ort. Das Hauptgebäude ist über 50 m hoch. Der Tempel ist noch in Betrieb, überall laufen betende Einheimische und geschäftige Mönche rum. Ansonsten gibt es noch sehr viele Affen, einige sehr aggressiv und sehr schwanger und einen Tempelelefanten, den man gegen ein geringes Entgeld streicheln, bzw. sich Segen abholen darf. Allerdings ist er relativ eng angebunden, das sieht nicht bequem aus, aber er wird wohl zumindest jeden Morgen im Fluss gebadet.

Zum Sonnenuntergang gehe ich auf einen Tempelberg direkt neben dem großen Tempel. Hier stehen auf einem Felsplateau malerisch lauter Tempelruinen mit pittoresken Bäumen und man kann weit in die zauberhafte Landschaft schauen. Vom Tempel nebenan tönen laut erst monotone Mönchsgesänge und anschließend ein wenig Ethnojazz mit Sitar und Panflöte in die Landschaft. Die Sonne geht unter, große Vögelschwärme in schwarz und weiß fliegen durch die Landschaft, es ist unglaublich kitschig und sehr schön. Alle sitzen mehr oder wenig ruhig am Rand des Berges und schauen in die Landschaft. Manche meditieren.

Nachdem es dunkel ist kommt ein trillerpfeifender Polizist und scheucht alle vom Berg. Nur ein Haufen Affen und Hunde darf bleiben. Der große Dorftempel wird Nachts angestrahlt und überragt das ganze Dörfchen, es sieht aus, als wäre hier ein Ufo gelandet.

Ich gehe etwas essen und entscheide mich für die Nummer 3 im Ort, da erfahrungsgemäß in derartigen Orten eh alles gleich schmeckt. Nehme ein tomatenbasiertes Paneercurry und bin ganz zufrieden, es ist zumindest halbwegs scharf. Da hier immer alle Fahrer, Bedienungen, Guides etc. über 'spicy' reden, das ist das Dauerthema mit Ausländern, nehme ich mal an, dass die meisten Touristen das nicht wollen. Insofern ist es wirklich schwierig mal ein scharfes Essen zu bekommen. Ich laufe nochmal durch den Ort, zum Glück gibt es keine laut dröhnenden Bars, danach ins Zimmer. Die weiteren Buchungen werden schwierig, da das Netz hier wirklich schlecht ist und meine indische Simkarte hat auch überhaupt keinen Datendurchsatz.


nächstes ziel:  Hampi

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