Boris allein auf Reisen

INDIEN 2020
भारत गणराज्य

07|01|20 ›››› 12|02|20


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Reise nach China: Shangh., Peking, Xian, Langmusi, Huangsh. + Hkg. ...mehr?

Myanmar 2010

Reise nach Thailand und Myanmar: Rangun, Bagan, Mandalay, Sittwe. ...mehr?

Myanmar 2015

Reise nach Myanmar: Rangun, Bagan, Inle-See und Thailand. ...mehr?

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Reisetagebuch


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Udaipur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 16:12 - GOOGLE MAPS 
9 Dachterrassen

Gut geschlafen und Frühstück auf der bezaubernden Dachterrasse, umschwirrt von grünen Papageien oder Sittichen. Buche online den nächsten Bus. Danach zu Fuß durch eine schöne überwiegend von Menschen ohne Fahrzeugen belebte Straße zum Zentrum. Sehe, wie vor dem schönen Tempel von gestern, ein Einheimischer der großen Bettlergruppe Essen und etwas Geld geben will. Die Gruppe wird auf einmal zum rasenden Mob und sie zerreißen den armen Mann fast, er lässt sich aber nicht beirren und gibt weiter. So etwas habe ich in Thailand oder sonstwo in Asien nie gesehen. Den umherlaufenden Tieren wird hier auch immer etwas zu essen oder zu trinken gegeben, vor vielen Kühen liegt etwas Gras oder Curry, Hunde werden gefüttert und Tauben getränkt.

Sehe im Sonnenuntergangsghat von gestern mehrere Frauen die ihre Wäsche im See waschen. Sie schlagen stundenlang mit Holzknüppeln auf die Wäsche ein. Laufe wieder über die Brücke auf die Halbinsel und sehe mir die Seen nochmal im Sonnenlicht an, leider ist es etwas diesig, oder eher staubig und smogig. Man kann nur schwer atmen. Ich werde andauernd durch Händler und hier vor allem freie Künstler und Schneider angesprochen. Am Tempel mit Palastblick vertreibt mich einen Pärchenfototermin. Ich schaue ein wenig zu. Man braucht für adäquate Bilder eine große johlende Gruppe Fotografen, der Mann steht möglichst cool vor der Frau, welche in bunte, lang flatternde Gewänder gehüllt ist, dann schreitet die Frau langsam mit wehendem Kleid hinten um den reglos rumstehenden Mann, wenn möglich mit ein paar exaltierten Drehungen, irgendwann wird sie auch noch von ihm hochgehoben, so geht das.

Auf dem Rückweg fällt mir auf, dass meine Busbuchung falsch ist, bei der Suche wurden scheinbar 2 Städte angenommen und ich Amateur habe wohl einen Bus in die falsche Stadt erwischt. Setze mich neben die Brücke an den Fluss und storniere und buche richtig. Mit 2 Handys und Kreditkarte in der Hand, total sichere Sache. Werde dabei angebettelt und von 2 netten Schuljungen vollgequatscht, die an mir ihr Englisch erproben und natürlich Selfies wollen.

Schlendere langsam ins Hotel. Werde noch von einem Schneider angesprochen, der 3 Jahre in Deutschland Modedesign studiert hat, er ist sehr nett, aber nein ich trage keine Anzüge, und lege mich 1,5 Stunden ab. Dann bekomme ich eine Whatsapp-Nachricht von den beiden Bayern aus Jaipur. Sie sind grad in der Stadt angekommen und wir verabreden uns zum Essen. Treffen uns und landen auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Bollywood-Hotelinsel im See, eines der teuersten Hotels des Landes, die Nacht kostet wohl mehre tausend Euro. Das Essen ist mittelmäßig, aber es ist eine schöne Atmosphäre. Wir sitzen da und reden u.a. über die allgemeine Wohnungssituation in Deutschland, sie zahlen 1300 € für 75 m2, bis der Laden gegen 23:00 zumacht und ich trinke diszipliniert nur dreieinhalb große Bier. Auch sehr sicher, ich muss ja erst um 6 Uhr raus und fahre dann nur 5,5 Stunden mit dem Bus nach Jodhpur.


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Udaipur | Indien | Dienstag - 14.01.2020 - 17:05 - GOOGLE MAPS 
8 Noch ein Stadtpalast

Ich habe einen Tag praktisch nur auf der Dachterrasse verbracht. Trotz der mindestens 5 sich überlagernden Soundsysteme kann man es hier gut aushalten. Ich bin nur kurz raus um eine Cola zu kaufen und Geld abzuholen. Bekomme nur leider zunächst kein Geld, weil der atm sich weigert, evtl. ist einfach nicht mehr genug Geld drin. Ich denke, dass ich noch genug habe, aber beim auschecken am Abend  reicht es dann doch nicht, so dass ich nochmal los muss. Finde dann irgendwann auch einen funtionierenden Automaten. Die ganze Stadt hängt voller gekappter Drachenleinen, überall liegen abgestürzte Drachen. Das geht hier wohl noch ca. 1 Monat so weiter.

Ich sitze rum, beobachte 3 balzende Streifenhörnchen auf der Fassade gegenüber, esse gegen 20:00 im Hotel, sicherheitshalber, diesmal ein eher süßliches gemischtes Gemüsecurry, die schärferen Gerichte sind aber einfach besser, und fahre gegen 21:20 mit einem Tuktuk zum Bus. Finde ihn auch gleich und gegen 22:15 gehts los.

Ich habe ein Zweierabteil für mich, relativ sauber, keine Bettdecken, nur eine dünne Acrylwolldecke, alle Abteile durch Glasschiebetüren unterteilt. Nach dem losfahren geht die Klimaanlage los, fürchte schon zu erfrieren, aber es wird schnell warme Luft reingeblasen und wird im Laufe der Nacht richtig heiß.

Wir kommen gegen 6:00, also sogar 15 Minuten zu früh, in Udaipur an. Feilsche hart am Tuktukstand und gebe dann am Ende doch den vollen Preis, weil nur einer der Fahrer um diese Uhrzeit bereit ist mich zu fahren, feilschen ist irgendwie albern.

Die Straße wird gerade neu gebaut, scheinbar im halben Ort gleichzeitig, so dass ich die letzten 300 Meter zu Fuß gehe. Stehe im dunkeln um 6:30 vor dem verschlossenen Tor, es gibt nicht mal ein Schild des Homestays, weiß also nicht genau, ob ich richtig bin. Laufe kurz rechts, links, als ich zurückkomme ist das Tor auf. Gehe in den schönen friedlichen Hof und treffe einen Mann der die zuständige Dame weckt, checke ein, ohne vorherige Ansage, und gehe gegen 7:00 morgens ins Bett. Der Raum ist nett und sehr sauber, aber liegt leider direkt im EG neben einem Aufenthaltsraum, nur abgetrennt durch eine Glaswand mit Vorhängen, Verschluss ist eine Stahlstange von innen und ein Vorhängeschloss von außen. Das Haus ist scheinbar eine alte Stadtvilla mit begrüntem Hof, direkt neben einem kleinen Tempel.

Schlafe bis 11:00 und habe erstmal kein Warmwasser und keinen Strom. Laufe zu einem dreckigen Cafe mit tollen aber runtergekommenen Räumen und esse Frühstück, erkenne leider erst nach und nach wie dreckig das Lokal wirklich ist aber esse trotzdem ein Omelette und trinke Kaffee, der nach Curry schmeckt. Laufe danach zum Stadtpalast aus dem Jahr 1553, an dem danach noch 400 Jahre rumgebaut wurde. Das ist auch deutlich zu erkennen, er ist unglaublich groß und wirkt schon von außen sehr zerstückelt. So überwältigend der Palast von aussen wirkt, so verhutzelt und kleinteilig ist er im inneren. Laufe 2 Stunden durch unendlich viele lange schmale Gänge und Treppen, mal runtergekommen, mal mit Marmor ausgelegt, mal gefließt wie ein alter Berliner Hausflur oder eine Fleischerei. Zwischendurch Räume mit buntesten Fliesen, mit Glasscherben verkleidet, mit Schaukeln, mit Vogelkäfigen, mit Waffen, mit Pappmachepferden, mit flachen Pappmaharadjas, ein kleiner Raum mit Wandmalereien, schöne halbschattige Höfe und Kreuzgänge?, Balkone usw. usf.. Irgendwann eine kleine aber sehr feine Skulpturenausstellung und eine Bildergalerie mit Wimmelbildern. Ich stosse mir 2 mal kräftig den Kopf, da die Türen nur ca. 1,7 m hoch sind. Es ist unentwegt ein Kampf mit den Einheimischen um die besten Selfieplätze und Fotomotive, insgesamt wirkt der Palast innen aber eher seltsam, nicht sehr homogen, teilweise hat es etwas von einer 50er Jahre Inneneinrichtung und ist manchmal auch etwas runtergekommen. Entscheide mich anschließend gegen eine Bootsfahrt auf dem benachbarten See, da diese ab 14:00 Uhr 300 Rupien mehr kostet.

Spaziere durch den Markt vor dem Palast und zum benachbarten Tempel ‚jagdish mandir‘ im indo-arischen Stil von 1651. Eine steile Treppe führt hoch, überall liegen Bettler rum, oben Schuhe aus, leider alles von Vögel verdreckt. Der Tempel besteht aus Marmor und ist rundherum in mehreren Etagen mit Elefanten, Pferden, Tempeltänzerinnen etc. verziert. Viele Einheimische laufen im Kreis um den Tempel und beten. Ich beobachte ein Streifenhörnchen, das akrobatisch auf den Wasserspeicher klettert um zu trinken. Ein schöner Tempel und ein ruhiger netter Ort. Finde meine Schuhe wieder, und gehe raus. Draußen sitzt ein heiliger Mann unter einem Elefanten und will eine Spende, dafür fotografiere ich ihn dann auch mal. Ich nehme an, das ist seine Hauptbeschäftigung, Fotomodell.

Zurück wandere ich durch die Altstadt, hier ist es etwas weniger verdreckt als in Jaipur, aber auch hier gibts Problemecken. Manche Häuser sind zusammengebrochen und wurden einfach so liegengelassen. Aber es gibt auch immer wieder schöne ältere Häuser dazwischen. Irgendwo eine Zeremonie mit bunt gekleideten Frauen, die irgendwelche Gefässe auf dem Kopf balancieren und sich zu lauter Trommelmusik wiegen.

Dusche zuhause erstmal richtig heiß und gucke mir die Dachterrasse an, sehr schön, begrünt, mit kleinen Pavillons und lauschigen Sitzecken. Diese schönen Orte, die man immer wieder in den Häusern und Parks findet, passen irgendwie nicht zu dem Chaos und Dreck draußen. Wahrscheinlich ist das aber als Ausgleich einfach notwendig.

Laufe nochmal in die Stadt und gucke mir ein romantisches Ghat, Stufen zum Wasser hin, sowie auf einer benachbarten Halbinsel an einem der vielen Seen neben einem romantischen Gebrauchstempel den Sonnenuntergang mit Blick auf den Stadtpalast an. Verstehe hier ein wenig, warum das als eine der romantischsten Städte Indiens gilt. Alles ist in Gelb und Rot getaucht und wirkt weitab vom Verkehr sehr friedlich. Auf dem Rückweg macht mich der Verkehr dann doch etwas krank, es ist unglaublich laut und stickig und staubig. Das andauernde unmotivierte, grelle, überlaute Hupen von 20 bis 30 Fahrzeugen gleichzeitig zermürbt mich langsam. Als ich nach Hause komme habe ich das Gefühl von einer Staubschicht bedeckt zu sein. Esse in der Empfehlung des Hotels, da bei meinem selbst rausgesuchten Restaurant gar niemand sitzt. Versuche nochmal ‚chillie paneer‘, welches aber  schlecht und teuer ist. Mehr geht nicht.


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Jaipur | Indien | Montag - 13.01.2020 - 08:34 - GOOGLE MAPS 
7 Informationsabend

Frühstück mit klebrigen Käsetoasts und leckeren Pfannkuchen. Die bayrische Wandergruppe besteigt den benachbarten Berg mit einem Fort, ich sitze erstmal bei dröhnender und plärrender indischer Musik aus mehreren Dächern der Nachbarschaft aufgebauten Soundsystemen auf der Dachterrasse, das ganze Haus vibriert.

Mittags laufe ich zum Stadtpalast. Teurer Eintritt und der Palast ist eher enttäuschend. Mehrere Höfe mit verzierten Gebäuden, lange Mauern mit einfachst aufgemalten Mustern. Der Eingang zum zweiten Hof wird von 2 schönen Marmorelefanten mit schnurbärtigen Reitern bewacht. In den Gebäuden darf nicht fotografiert werden, das wird diesmal auch penibel überwacht. Sehe eine Stoff- und eine Waffensammlung sowie den Zeremoniensaal mit seltsam glatten Ölbildern und Fotografien der letzten immer bärtigen Maharadjas. Der derzeitige lebt wohl noch im Palast, wenn er in der Stadt ist. Auf dem letzten Hof dann der Grund, warum die Einheimischen hier rein gehen. Zwei bunt verzierte und bemalte Nischen führen zu langen Schlangen und Fotoorgien der ganzen Familie in diversen Siegerposen. Hier sehe ich das erste Mal auch chinesische und deutsche Reisegruppen. Die benachbarte Sternwarte mit der größten Sonnenuhr der Welt spare ich mir.

Schlendere danach nochmal zum ‚hawa mahal‘, der Windpalastfassade und danach langsam zurück. Im Hellen fällt mir doch auf, dass die Stadt ziemlich abgerissen ist. Viele Häuser sind baufällig oder schon halb verfallen bzw. komplett eingestürzt, überall in den schmalen Gassen Kühe und seltsamerweise Schweine und Ziegen und ihre diversen Hinterlassenschaften, überall Müllberge. Dazwischen einzelne nette Straßen, die besser in Schuss sind. In vielen Häusern kleine Werkstätten, Leute die irgendwelche Sachen herstellen und einpacken oder etwas kochen oder die kleinen Papierdrachen verkaufen. Über allem hängt ein zarter Uringeruch. Ständig muss man aus dem Weg springen, weil Mopeds wild hupend vorbeirasen.

Wechsel nochmal kurz das Zimmer, ein netter, sehr sauberer Raum, viel ruhiger und nicht mehr direkt an der Rezeption. Den Rest des Abends sitzen wir alle auf der obersten der drei Dachterrassen, trinken Bier und reden in einem im Laufe des Abends immer verworrener werdenden Gemisch aus deutsch und englisch. Der Engländer, gerade Lehrer in China, versteht auch deutsch, da er zum Teil in Deutschland studiert hat. Er löchert den Gastgeber ununterbrochen mit Fragen, ‚i have ONE question…‘, geht es den ganzen Abend. Ich weiß jetzt immerhin, dass der Besitzer aus der Brahmanenkaste stammt und trotzdem gerne Fleisch isst und Alkohol trinkt, er bereits mehrfach in Europa und auch in Deutschland war, er mal einen heiligen Mann geohrfeigt hat, weil der einfach zu viel Geld von ihm wollte, er Rammstein kennt, also die Band, seine Frau diese Stadt nicht mag, das Hotelgebäude erst vor einigen Monaten gekauft und saniert wurde, das süße Kind mit 1,5 Jahren schon auf englisch bis 10 zählen kann, die Kühe niemandem gehören und sich überwiegend von Plastik ernähren usw.. Der Boss hat eine Tüte mit frittierten Gemüsebällchen und Joghurt zum stippen mitgebracht die von allen Beteiligten geliebt und allmählich geleert werden.

Um uns herum werden es immer mehr Drachen, alle Dächer sind brechend voll mit Menschen, Musik plärrt und wummert, irgendwann steigen auch große brennende Papierlampions in die Luft, Raketen werden gezündet und Böller knallen, richtige erwachsene Böller, das Haus wackelt praktisch. Zum Fest in 2 Tagen werden sie wohl 50 Leute auf dem Dach haben. Am frühen Abend lässt der Chef auch mit mehreren Bekannten seine Drachen steigen. Auch wir Touristen versuchen uns mal daran. Die Drachen haben keinen Schwanz und müssen durch ununterbrochenes Zucken zum Aufsteigen überredet werden. Wenn sich Drachen untereinander verhaken muss eine der Parteien seinen losschneiden. Es ist eine Art Wettkampf.

Ich bekomme zwischendurch noch Abendessen auf die Terrasse, eine Art Curry mit kleingehaktem Paneer, sehr gut und schön scharf.

Das bayrische Paar muss um 4:30 raus aber wir trinken trotzdem ein Bier nach dem anderen. Ich schaffe es um 0:30 nicht mehr Bus und Hotel zu buchen. Da es einen Rohrbruch am Wassertank auf dem Dach gibt, läuft die ganze Nacht laut rauschend Wasser ab, direkt an meinem Fenster vorbei. Es klingt wie ein Wasserfall.


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Jaipur | Indien | Sonntag - 12.01.2020 - 07:25 - GOOGLE MAPS 
6 Elefanten streicheln

Mittelgut geschlafen, das Bett ist eher ein Brett. Frühstück ist einfach, kleine indische Pancakes aus Kartoffeln, Blumenkohl usw. und Sandwiches mit Gurke und indischer Mayonnaise. Schmeckt allerdings beides viel besser als es aussieht. Schließe mich einer Gruppe aus 2 Mädchen aus Regensburg und einem Pärchen aus München zu einem Ausflug zum Fort Amer an, nach mir springt auch noch ein Engländer rein. Im Laufe des Tages stellt sich raus, dass niemand eigentlich weiß, was eigentlich vereinbart ist, sowohl Ziele als auch Preis sind unklar. Die beiden Mädchen sind komplett mit Tüchern verhängt. Sie haben wohl gar keine warmen Sachen mit und frieren seit Tagen ziemlich. Es wird aber ein schöner Tag bei Sonne und ca. 20 Grad.

Wir fahren 20 Minuten mit Superman von 'superman tours', darunter gehts nicht, in 2 Tuktuks zum Fort. Kurzer Fotohalt fürs Fort aus der Ferne, sofort eilen 2 Inder mit Turban und Bastkörben herbei, machen die Körbe auf, fangen an zu flöten und 2 Kobras kommen aus den Körben. 2 aus der Gruppe fallen sofort in Ohnmacht und wir springen in die Tuktuks und fahren weiter zum Fort. Hier ist viel los, überwiegend indische Touristen. Laufen mehrere Rampen zum Fort hoch und müssen dabei den ganzen Elefanten ausweichen, auf denen Leute hochreiten. Von uns macht das zum Glück niemand, das ist bestimmt nicht artgerecht, sogar unser Fahrer meint, dass der Boden nicht gut ist für die Tiere und sie auch nicht gut behandelt werden.

Kaufen teure Touristen-Tickets und vereinbaren Treffpunkt in ca. 1 Stunde. Das Fort ist eher ein Palast mit unendlich vielen Räumen in mehreren Ebenen rund um einen großen Innenhof, alles in leicht islamischer Architektur. Leider wenig Wand- und Deckenbemalung bzw. Verzierung, es ist trotzdem sehr schön, viele schöne Räume an Räumen in Räumen hinter Räumen mit unerwarteten Durchblicken und verzierten Fensterverkleidungen. Irgendwo steht noch eine Holzkonstruktion um Wasser aus den Untergeschossen hochzupumpen. Im Keller dann ein hoher Tunnelbereich, in dem riesige Fledermäuse wie große Spinnen an der Decke hängen.

Treffen uns alle wieder, bis auf den Engländer, der ist scheinbar auf die höherliegende 2. Festung gestiegen. Warten 30 Minuten, fahren dann zu 5. in EINEM Tuktuk zum nahegelegenen Stufenbrunnen Panna Meena. Im Gegensatz zum letzten Brunnen in Delhi ist dieser quadratisch angelegt und es führen sehr fotogen lauter gegeneinander gesetzte Stufen nach unten. Der Brunnen ist nicht mehr in Betrieb und man darf leider auch nicht runtersteigen. Es ist jedenfalls ein ziemlich großes Bauwerk um Wasser zu holen.

Irgendwann kommt auch der Engländer mit dem zweiten Tuktuk und wir fahren zu einem Palast im Wasser. Kurzer Touristenblick und weiter zum Essen. An einem Straßenstand gibts gute Teigtaschen, tatsächlich Samosas, wie man sie aus Deutschland kennt, und chai, das ist also offensichtlich doch kein russisches Wort. Ich frage nach frittierten Chillies, da ich diese schon im Park in Delhi gesehen habe. Ich bekomme eine und sie ist sehr gut und wirklich würzig, eine große grüne Chillie einfach mit Teig ummantelt und frittiert.

Anschließend gehts zum Elefantenumarmen. Es ist ein kleines Camp leicht außerhalb, man kann Elefanten kennenlernen, streicheln, füttern, bemalen und ausführen. In dieser Reihenfolge sind auch die Preise gestaffelt. 3 aus der Gruppe wollen zumindest mal anfassen und füttern. Ich halte mich da raus, obwohl das schon sehr schöne Tiere sind, allerdings ziemlich klein. Zumindest sehe ich im Camp keine Stöcke und Pieker, ich hoffe also, dass die Tiere halbwegs gut behandelt werden. Jetzt kommt die Verkaufstour. Wir werden in einem Laden abgeben, in welchem im vorderen Raum auf mehreren langen Tischen Stoffe per Hand mit großen Holzstempeln in teilweise bis zu 5 Durchgängen mit verschiedenen Stempeln und Farben bedruckt werden. Das sieht eigentlich ganz schön aus, ich bin mir nur nicht sicher, ob das eine reine Touristenvorstellung ist. Im abgeschlossenen Nebenraum sollen wir dann Tücher, Shirts oder Anzüge kaufen. Zum Glück erbarmt sich der Bayer und kauft seiner Freundin ein Tuch zum Geburtstag.

Danach will noch irgendwer zum Affentempel. Wir landen in einer extrem mülligen Strasse, in der sich Unmengen an Affen mit Kühen und Hunden um Nüsse streiten, die an vereinzelte verirrte Touristen zum verfüttern verkauft werden. Laufen noch eine Rampe hoch, hier kommt auch noch eine Ziegenherde dazu. Einem der Bayern hat sich ein Führer aufgedrängt, der ist nachher mit dem Geld nicht zufrieden, da kauft er ihm noch Zigaretten. Stehen am Schluß noch 30 Minuten im Stau und kommen erst gegen 17:30 zurück ins Hotel. Am Ende gibt jeder 300 Rupien, das sind keine 4 Euro.

Wir trinken noch ein Bier auf der Terrasse, überall sind Leute auf den Dächern, man wird von allen Seiten gegrüßt, es sind hunderte von Papierdrachen in der Luft, es ist eine sehr schöne Atmosphäre. In drei Tagen findet hier ein großes Drachenfest statt, mit Musik und Lampions, scheinbar üben alle schon mal mit ihren Drachen.

Gehe mit den Deutschen zu einem teuren Dachterrassenrestaurant mit netter Aussicht auf die Altstadt. Versuche ein ‚palak paneer‘, Spinat mit Käse, merke aber wieder einmal, dass ich das nicht mag, ich wollte nur mal probieren ob es hier anders ist, und dafür noch ein göttliches ‚chillie paneer‘, indischer Rahmkäse mit Paprika und Chillies. Der Bayer als erklärter Carnivore kann gar nicht aufhören davon zu kosten. Er ist ein Barman, der gerade seinen Job gekündigt hat, auch schön. Im Dunkeln durch die langsam schließenden Märkte und riesige Müllberge mit grasenden Kühen und Schweinen nach Hause. Leider gibts kein Bier mehr im Hotel, ich vermute mal, dass sie immer erst eins kaufen, wenn es bestellt wird.

Ich werde wahrscheinlich noch eine Nacht hierbleiben, mich auf der schönen Dachterrasse entspannen und dann mit einem Nachtbus 7 Stunden nach Udaipur fahren.


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Jaipur | Indien | Freitag - 10.01.2020 - 18:11 - GOOGLE MAPS 
5 Shabby Bus

Heute ist nichts weiter passiert. Ich bin mühsam aber rechtzeitig rausgekommen, um 9:00. MEIN Cafe hatte überraschend zu, musste ich also zur german bakery. War ok, aber der Kaffee war viel schlechter, das können die Deutschen einfach nicht.

Beim rausgehen überrumpelt mich ein Schuhputzer. Ich stimme zu, auf einmal sinds schon zwei. Ich muss meinen Schuh ausziehen, dann fängt er auf einmal an eine kleine Fuge im Schuh zu kleben und reicht den Schuh dann dem anderen, der sofort anfängt den Schuh zu nähen, durch Leder und Sohle durch. Bei dem anderen Schuh habe ich dann abgelehnt und auch nicht den auf einmal wegen der Sonderleistung verzehnfachten Preis gezahlt. Eigentlich waren diese Schuhe mal wasserdicht.

Das Busunternehmen ist sehr professionell und hat am Abend noch einen Link mit Karte zum Pickup Punkt geschickt und es ist natürlich nicht da, wo mir der Portier vorher gesagt hat. Fahre dann eine Station mit der Metro und bin schon da. Stelle fest, dass genau hier der Pappmache Hanuman-Tempel ist, den ich gestern nicht gefunden habe. Der Eingang ist ein geöffneter Mund, sehr tiefsinnig und stilvoll.

Stehe 20 Minuten auf einer Mittelinsel im unendlichen, hupenden Verkehr und bekomme sogar einen Anruf vom Busfahrer. Irgendwann kommt der Bus, hält mitten auf der Strasse, blockiert alles und ich springe rein. Es ist eher ein Bus im staubigen shabby look. Sleeper und Sitzplätze in einem, auch über den Sitzplätzen wird geschlafen, deshalb sind diese sehr flach. Gardinen sind die ganze Fahrt über zu, deshalb sehe ich nicht viel, ist aber auch mal ganz entspannend.

Raus aus Delhi, Industrie, irgendwann flache Landschaft mit einzelnen Hügeln. Aussicht wie immer in Asien, Frauen welche auf Baustellen arbeiten, Schafsherden grasen mitten auf der Straße, Kühe im Müll, eine Raststätte mit einem großen Turban auf den Dach.

Kommen pünktlich um 16:00 in Jaipur an und nach kurzer Verhandlung gehts mit Tuktuk mit googlemaps ins Hotel, ‚pink elephant‘. Suche wieder etwas herum, aber diesmal gibts zum Glück Schilder. Der Hofeingang sieht eher schlimm aus, sobald man im Haus ist, ist aber alles gut. Ein eingebautes, riesiges älteres Haus, innen saniert mit drei Dachterrassen. Mein Zimmer ist eher für 4 gedacht also schön groß, liegt aber leider zur Rezeption hin und hat kein Fenster und keine Heizung. Dusche geht auch nicht, nur die indische Variante mit Plastikschüssel zum Schöpfen.

Ich laufe erstmal in die Stadt. Jaipur war einmal die pinke Stadt, da alle Häuser rosa angemalt waren, davon ist aber zunächst nicht mehr viel zu sehen. Die alte Innenstadt ist sehr geometrisch angelegt mit Vierecken aus grossen Strassen voller lautem Verkehr und dazwischen kleinen Gassen, mal nett, mal übel, teilweise extrem dunkel mit grell hupenden, überraschend vorbeischiessenden Mopeds. zwischendrin doch einige Müllberge und eingefallene Häuser. Ich laufe zum Palast der Winde, eine absurde Fassade, die dazu diente, dass sich gehobene Frauen das Leben auf der Straße angucken konnten, ohne gesehen zu werden. Der Verkehr ist übel. Man kommt kaum noch durch, es ist total laut und man will eigentlich nicht atmen.

Laufe danach durch kleine Gassen zurück, überall Geschäfte, oft thematisch in Straßenzügen angeordnet, Handwerkergassen, Schraubengassen, Motorgassen, dazwischen Essenstände, u.a. ein Popcornstand und überall Kühe, Mopeds. Irgendwann mittendrin eine Straße mit buntesten Bollywoodgewändern. Das wirkt absurd in all dem Müll, diese Kleidungwird hier aber tatsächlich auch von allen getragen.

Im Hotel geht mein Wasser erstmal nicht, es muss erst angestellt werden. 20:30 dann essen im Erdgeschoss mit anderen Touristen aus Holland, England und Spanien. Es gibt kleine selbstgebackene Teigteile mit einem ziemlich leckeren Kichererbsencurry. Es wird solange nachgekippt und gelegt bis alle satt sind. Die Beilagenchillie auf dem Teller schneide ich mir auch noch rein, dann ist es richtig gut. Danach noch ein frittiertes Backwerk, das aussieht wie eine kleine Bockwurst, bzw. irgendwas vom Elefanten wie der Holländer neben mir bemerkt, aber sehr lecker und unfassbar süß ist.

Ich bin sehr gespannt, ob ich hier schlafen kann. Stelle grad fest, dass das Bett auch eher ein härteres ist. Lasse erstmal 1 Stunde den Heizlüfter laufen, da es hier abends eher kalt ist, ich musste auch schon meinen Fließ wieder rausholen.


nächstes ziel:  Jaipur

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