Boris allein auf Reisen

INDIEN 2020
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Reisetagebuch


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Jaisalmer | Indien | Sonntag - 19.01.2020 - 16:45 - GOOGLE MAPS 
14 Jain

Mittelgut geschlafen, das Bett ist wirklich sehr hart, es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit härter als der geflieste Fußboden. Buche im Bett einen Flug ins schöne Delhi, da ich mich noch nicht bereit fühle für 18 Stunden Zugfahrt. Hoffe, dass ich dort schnell zum Bahnhof komme und vielleicht spontan am selben Tag noch einen Zug nach Agra bekomme. Von dort fahre ich später nach Orchha, Khajuraho und Varanasi und danach wollte ich nach Aurangabad fliegen und der Rest ist ergebnisoffen, wenn ich noch Zeit habe. Siehe auch https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1VL2lAfm0FUr0ZfhDvkTYUzPvofNaNI85&ll=26.234026401342376%2C79.56829467490729&z=5

Omelette auf der Dachterrasse, völlig alleine, dann meinem Nachbarn bei der würgenden und hustenden Morgentoilette gelauscht, die Bäder haben eine durch eine Öffnung unter der Decke eine schön hallende Verbindung und nochmal in die Festung. Ich habe mich gegen Ausflüge und Kamelsafari entschieden und genieße lieber nochmal die friedliche Stadt. Durchs schöne Stadttor und die wieder sehr verschlungene Zuwegung. Laufe dieselben Straßen wie gestern, ein Stück innerhalb der leider total zugemüllten, mehrfachen Stadtmauer. Hier liegt irgendwo ein Stück altes Sandsteinkapitel, das ich am liebsten sofort einpacken würde. Es ist leider ein wenig zu groß für mein Handgepäck. Finde anschließend im Fort liegenden, komplett ineinander verschachtelten 5 Jaintempel. Sie sollen 500 bis 800 Jahre alt sein, sehen dafür aber eigentlich fast zu gepflegt aus. Meint auch ein Spanier den ich dort treffe, der mir in Jodhpur erzählt hatte, dass er einen Job für Marketing in einem Guesthouse in Jaisalmer bekommen hat. Das hat er wohl nach 2 Tagen bereits geschmissen, da er nur rumgesessen hat. Allerdings hat er eine Safari gemacht und meinte, er hätte noch nie in seinem Leben so gefroren. Die Tempel sind etwas glatt aber trotzdem schön und vor allem relativ ruhig. Es gibt unfassbar viele Steinarbeiten mit Figuren, frei schwebende zusammenhängende verschlungene Bögen aus Stein, Buddhafiguren, viele Reliefs und viele Chinesen. Jaintempel sind wohl berühmt für ihre aufwendige Gestaltung. Die Jain sind neben dem Hinduismus, Islam, Buddhismus und den Sikh eine der großen Religionen in Indien, sie leben vollkommen gewaltfrei und sind alle mindestens Vegetarier, normalerweise müssen deshalb in den Tempeln alle Ledersachen abgegeben werden, darauf wurde hier aber nicht geachtet.

Danach durch die Stadt, laufe eine Zeitlang 2 Schweizerinnen mit Führer hinterher, höre ein bisschen zu und wir lachen herzhaft, da wir immer dieselben Fotos schießen. Einen guten und freundlich gereichten Kaffee auf der Stadtmauer und irgendwann gehe ich raus, sofortiges Spießrutenlaufen, Führer, Souvenir, Souvenir, Schuheputzen, Antiquitäten, Holzelefanten, Steinelefanten, Anzüge, Tücher. Komme aber irgendwie durch. Die meisten Gespräche laufen so: 'Were you from' 'germany', 'Hamburg, Frankfurt, Munich?', 'achso‘, ‚wie geht’s‘, ‚moin moin'. Dann bin ich meistens schon vorbei. Manche sind hartnäckig und haben auch immer irgendwo einen Freund in Deutschland. Einer fragt mich sogar ob ich aus dem Osten bin. Na toll. Er hat wohl einen Freund in Dresden.

Habe Lust auf den Essenstand von gestern, gehe in eine Straße direkt am Fort und da ist er schon. Ohne Hunger geht das irgendwie einfacher. Nehme eine Art flache Samosa mit Zwiebeln und Kartoffeln gefüllt und wieder eine Chillieschote. Sehr würzig alles, lecker und bestimmt total gesund. Danach Chillen im Raum und Telefonate nach Berlin über Signal.

Gehe zum Sonnenuntergang nochmal raus in die Stadt einen letzten Blick werfen. Es ist total leer und entspannt. Sehe eine Frau, die ihre Curry-Essensreste in die Abwasserrine kippt, sofort ist eine bereits wartende Kuh da und schleckt das Curry weg. Ich habe erst einmal, bei der Herfahrt in der Steppe, Kühe auf Rasen, Wiese, oder etwas ähnlichem, gesehen, ansonsten leben sie scheinbar lieber in den Orten, stehen in den Müllbergen und kauen an Plastik.

Ich esse im selben Restaurant wie gestern, ich habe es gut vertragen, safety first. Das Aloo Gobi ist leider nicht so gut, drückt sogar schon etwas beim essen. Auf dem Weg nach Hause noch schnell ein Selfie mit Kuh, wieder ein Tag geschafft. Ich habe auf meinem alten Handy eine Bildbearbeitungsapp gefunden, mit der man Selfies veredeln kann, also Gesicht weichzeichnen, Augen größer und vor allem Gesicht schmaler, das werfe ich alles zu 100% an, dazu noch der Nostalgiemodus mit 50er Jahre Diafarben, voila, fertig ist das vollkommen natürliche, authentische Selfie.


nächstes ziel:  Delhi, eventuell Agra

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Jaisalmer | Indien | Freitag - 17.01.2020 - 12:41 - GOOGLE MAPS 
13 Die goldene Stadt

Morgens raus und werde mit meinem Verpflegungsbeutel vor einem dunklen Reisebüro abgesetzt. Warte 15 Minuten, der Bus sollte schon längst da sein Es kommen noch 2 deutsche Mädchen, die unabhängig voneinander jeweils mehrere Monate alleine unterwegs sind. Sie fühlen sich wohl ganz sicher, gehen aber abends im Dunkeln auch nicht raus. Der Bus kommt irgendwann doch noch und wir fahren mit lautem Entertainment in 5,5 Stunden durch flache, dünn bewachsene Steppenlandschaft nach Jaisalmer. Ich sehe eine Bollywoodklamotte, sieht aus wie Charlies Tante, und einen geschichtsklitternden heroischen Bollywoodschinken, mit einer tapferen Kriegerprinzessin, die gegen böse, frauenschlagende und bücherverbrennende Engländer ins Feld zieht, bevor sie am Ende lächelnd verbrennt. Naja. Das alles natürlich bei voller Lautstärke. Zwischendurch wird angehalten, weil ein Fahrer bei einem Straßentempel mitten im Nirgendwo Abgaben leisten muss.

Werde am Ziel, Jaisalmer, der goldene Stadt, mit einem völlig demolierten Auto abgeholt, das kann man für 4 Euro auch schon erwarten. Lese im Nachhinein, dass schon Leute aus dem Hotel geschmissen wurden, weil sie keine Kamelsafarie machen wollten. Ich will auch keine machen, aber das scheint kein Problem zu sein. Das Hotel liegt außerhalb des Forts in einem Wohngebiet, ein nettes Haus, Dachterrasse mit halbem Fortblick, Zimmer ist groß und halbwegs sauber. Die Bettwäsche ist gerade so in Ordnung, das Bad stinkt ein bisschen, aber für diesen Preis iast alles völlig ok. Nur die Matratze ist sehr sehr hart. Ich frage mich, wer sowas herstellt und dann mit gutem Gewissen verkauft.

Bekomme einen Kaffee und laufe los. Alles ist etwas entspannter hier, weniger Verkehr und das nur von wenigen Mopeds frequentierte Fort ist klein und wunderschön. Es ist komplett aus gelbem Sandstein gebaut, überall tolle alte Havelis und Tempel. Das Innere ist wie eine Kleinstadt bewohnt, es gibt auch viele Hotels, leider gibt es noch mehr Souvenirläden, bzw. es gibt eigentlich praktisch nichts anderes. Der Ort ist laut Reiseführer das Rothenburg ob der Tauber von Indien, es sind dementsprechend auch viele indische Touristen hier.

Trinke irgendwann einen Kaffee, sehr schlecht und sehr teuer, und treffe einen Deutschen, der sich seine Reise als ‚american football‘ Spieler in Deutschland verdient hat, den ich schon in Jaipur gesehen hatte. Er ist in Pushkar, einer esoterischen Stadt mit vielen Tempeln an einem See, hängengeblieben, hat dort viel getrommelt und wurde auf eine indische Hochzeit eingeladen. Als Deko? Er zahlt jedenfalls hier nur 2 € und da ist das Frühstück mit drin, ich zahle also definitiv zu viel.

Gehe nach 2 Stunden raus aus der Stadtmauer und schaue mir die umgebende Außenstadt an, auch hier viele tolle alte Häuser sowie ein nahezu göttlicher Essensstand. Nehme ein Chilliepakora und ein undefinierbares Teigteil aus Gemüse, beides sehr gut. In der Chillie ist diesmal noch ein bisschen Curry eingebacken, das ist richtig lecker. Irgendwann zurück, ablegen in der gemütlichen Fensternische in meinem Zimmer und am frühen Abend in 5 Minuten zu Fuß zum Sunrisepunkt an einem kleinen See mit mehreren romantisch angeordneten Sandsteinpavillons. Man kann den See auch mit Tretschwänen befahren. 2 seltsam colorierte Designergänse schnattern am Ufer lang, viele Einheimischen sitzen auch friedlich im Sonnenuntergang auf den Stufen zum See.

Dann wirds anstrengend, ich gucke im Hotel ob ich hier was esse, bin aber der einzige, gehe raus und kann mich nicht entscheiden. Kritiken sind alle ambivalent, die meisten Restaurants sind leer. Neben mir stoßen bei vollem Tempo 2 Mopeds zusammen, die Maschinen segeln über die Straße, die Fahrer klopfen sich kurz ab, dann gehts weiter. Suche den Pakorastand vom Nachmittag, aber finde ihn leider nicht wieder. Erschrecke mich mehrfach, da mir in den dunklen engen Gassen immer wieder teilweise riesige Kühe entgegenkommen, an denen ich mich vorbeidrücken muss. Gehe letztendlich in einen Laden in dem 2 Touristen und einige Inder sitzen, der Tandooriofen im 1. Raum verbreitet eine nette qualmige Lagerfeueratmosphäre, und esse ein 'paneer irgendwas' mit einer roten Currysoße, und mehrere plain Naans. Das ganze ist scharf und eine ziemlich gute Notlösung. Nach Hause, ins Betonbett und den vor dem Fenster kläffenden und kämpfenden Hunden zugehört. Als alle tot sind kann ich endlich schlafen. Beim letzten Blick aus dem Fenster zieht vor dem Fenster gemächlich eine Kuh mit ihrem Kalb vorbei.

Habe von den Deutschen in Jaipur ein Video zum Kitefestival bekommen, das sieht aus wie ein Bürgerkrieg und scheint ein großer Spaß für die ganze Familie zu sein. Natürlich haben wir als erstes eine Whatsappgruppe gegründet.


nächstes ziel:  Jaisalmer

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Nicole -
19.01.2020 - 13:59:33 Uhr
Fur 4 Euro hatten wir ja was Schlimmes erwartet, aber das Zimmer mit Aussicht sieht gut aus.

Mir ist aufgefallen, dass man Dich nie auf den Fotos sieht...bitte ein Selfie mit Kuh!
Jodhpur | Indien | Freitag - 17.01.2020 - 12:41 - GOOGLE MAPS 
12 Meherangarh

Gut geschlafen, bis der Muezzin ruft bzw. schreit, natürlich mit Megaphon, sonst könnte es ja jemand überhören. Frühstück mit Toast und Omelette, dann los, ich muss Geld wechseln. Der Laden den ich mir vorher ausgesucht habe, hat nicht offen, der nächste hat kein Geld, ‚i waiting for my boss, maybe in one hour…‘. Also muss ich nochmal runter zum Uhrenturm und finde irgendwann einen atm. Der Verkehr ist morgens viel angenehmer stelle ich fest, es ist noch nicht so voll und alle halten sich noch vornehm zurück.

Wieder los zum 120 m hoch auf einem einzelnen Felsen über der Stadt drohenden Fort Meherangarh, ursprünglich aus dem 15. Jrhd.. Das alles bei schönem, halbwegs klarem und warmem Wetter. Mir fällt wieder mal auf, dass alle diese Orte und Festungen Namen haben, die klingen als wären sie aus dem Herrn der Ringe und sie sehen dazu auch meist noch so aus, prätentiös, verspielt, ziemlich kitschig und immer ein wenig zu viel von allem.

Beim Eintritt wird man auch nach Selfiestäben gefragt und hätte sie wohl abgeben müssen, scheinbar gab es hier in der Vergangenheit einige schwere Selfieunfälle. Ferner fällt wie immer hier im Land auf, dass jeder Angestellte genau einen Job hat. Das wären zum Beispiel Geld annehmen, oder Karte ausgeben, oder Karte kritisch angucken, oder Karte falten, oder Karte an bestimmter Stelle lochen usw., alles einzelne vollständige Jobs. Zum Eintritt der Festung gehört ein deutscher Audioguide, den ich diesmal auch nutze. Ein Mann mit britischem Akzent klärt mich über die 33 markierten Stationen auf. Man wird wie immer im Land auf einem starr festgelegten Parcour geführt und sofort weiter gewunken, wenn man ausschert. Es ist diesmal aber nicht ganz so undurchsichtig wie in Udaipur, dort gab es lange, enge, verwinkelte Gänge und man wusste nie wo man sich befindet. Hier wurden eher konservativ klar strukturierte, größere Räume in mehreren Etagen gebaut und um halbschattige Höfe gruppiert. Der Eingang, und allgemein die Bereiche unten und hintenrum, ist sehr massiv und wehrhaft und musste seinerzeit auch Elefantenangriffen wiederstehen. Aus diesem Grund gibt es in der Zuwegung ein paar Knicke um den Anlauf einzuschränken. Es gibt insgesamt 7 Palasttore, am letzten befinden sich ein paar rote Handabdrücke von Maharanis, welche sich nach dem Tod ihrer Männer selbst verbrannt haben, allerdings kann das nur eine Auswahl sein, denn die Herrscher hatten wohl viele Frauen. Lese später, dass es nur die Frauen EINES Maharajas waren und die Abdrücke von 1843 stammen. Diese Unsitte endete nicht einmal als die Engländer das verboten haben, ich bin mir nicht mal sicher, ob es auf dem Land nicht immer noch passiert. Die Fassade des Palastes besteht aus Sandstein und ist unglaublich filigran, besonders die Fensterverschattungen, von denen sich kaum mal zwei ansatzweise ähneln. Von weitem denkt man das wäre Holz. Innen gibt es den üblichen Krimskram, Sänften mit kecken Löwen und Tigern, das geht immer, hier lassen sich die Damen fotografieren und Waffen, Fototermine für die Herren. Dazwischen bezaubernde Miniaturmalereien, ein Schaubild zur wechselnden Bartmode bei Maharajas, einige wirklich schöne bunte und geschmackvolle Räume wie aus 1000 und einer Nacht und vor allem schöne Höfe, in denen man die Fassade auch mal in Ruhe bewundern kann. Die Angestellten tragen alle Themenkleidung im Orientstil und wollen gerne fotografiert werden, natürlich gegen ein kleines Entgeld, meist kann ich mich wehren.

Nach 1,5 Stunden bin ich durch und mir fällt auf, dass ich kein Wasser bei habe. Anfängerfehler, zu zweit passiert das normalerweise nicht. Gehe noch zum Ende der Festungsmauer, wo sich ein kleiner Tempel befindet. Schuhe aus, selbst der bewachende Polizist sitzt in Socken dort. Ich frage mich, wie er so Terroristen verfolgen will. An die Mauer kommt man nicht mehr direkt ran, siehe Selfieunfälle, aber man hat trotzdem einen schönen Ausblick auf die Stadt mit ihren vielen blauen Häusern. Früher durften nur Brahmanen ihre Häuser blau anstreichen, das hat sich wohl inzwischen geändert, sonst wäre es eine Stadt voller Brahmanen.

Ich laufe auf dem Felsen außerhalb der Festung ein Stück die staubige Straße runter vorbei an einem absurd heroischem Reiterstandbild zu den Grabstätten der Maharajas. Das Hauptgebäude ist eher ein kleiner weißer Marmorpalast in einer lauschigen Gartenanlage mit vielen kleineren, weißen Pavillons. Neben dem Abgrund mit Blick auf die Stadt stehen noch einige kleine Mausoleen. Sitze ein bisschen und sehe kleinen, dunkel schillernden Vögeln mit gebogenem Schnabel zu, wie sie Nektar aus Baumblüten schlürfen.

Wandere zurück in die Stadt und trinke auf einer Dachterrasse im Hill View Guesthouse (Kollegentipp) mit Blick über die gesamte Stadt eine Cola und einen sehr sehr schlechten Kaffee und brate angenehm in der Sonne. Über der Stadt schweben zwei große Falken, vermute ich mal, das habe ich auch schon in Udaipur gesehen. In der Stadt unter mir ist die Hölle los. Gefühlt 10 bis 20 Megaphone überschreien sich gegenseitig, mal entspannt, mal offensichtlich sehr gestresst. Einer singt melodisch und fast sanft, das klingt richtig gut, bis auf das elektrisch stark verstärkte Räuspern zwischendurch. Ein anderer klingt eher wie die Sportpalastrede. Überlege ob es Muezzin bzw. buddhistische Tempel oder doch nur Werbung, Lottowagen oder die Müllabfuhr ist. Die Frau im Guesthouse erklärt mir, dass es allein die diversen Moscheen der Stadt sind, welche Freitag nachmittag voll mit Menschen sind.

Schlender noch durch die Oberstadt, es gibt hier tatsächlich immer wieder wunderschöne alte große Häuser (Havelis), aber vieles ist leider stark runtergekommen. Von den im Reiseführer versprochenen Düften nach Gewürzen und Rosenblättern spüre ich nichts, das liegt evtl. auch an den vielen Männern, die hier überall an den Wänden oder in dunklen Ecken stehen und sich erleichtern. Außerdem gibt es in jeder Straße eine oder zwei offene Abwasserrinnen, in denen fragwürdige Flüssigkeit abfließt. Bei den großen Straßenbaustellen in Udaipur habe ich aber gesehen, dass unterirdisch auch ganz normal geschlossene Rohre und Leitungen verlegt werden.

Gehe kurz zum Stufenbrunnen, heute bewacht von einem Polizisten, man darf leider nicht runter und dann ins Hotel. Es gibt hier viele Leute, die auf der Straße leben. Beim rauslaufen in die Innenstadt  komme ich jedesmal an einem alten Mann vorbei, der scheinbar auf 1,5 m2 Bürgersteig lebt. Er sitzt immer an der gleichen Stelle, gestern Abend hatte er ein kleines Lagerfeuer vor sich.

Habe gestern bereits ein Hotel für 4 € die Nacht für die nächste Stadt gebucht, ich bin sehr gespannt wie das ist. Bislang zahle ich eher um die 20 € bzw. derzeit 11 €. Buche jetzt noch einen Bus für morgen früh nach Jaisalmer, eine Stadt in der Wüste, kurz vor der Grenze nach Pakistan, und entspanne noch ein bisschen im Hof. Schreibe Tagebuch, mal sehen wie lange ich das noch durchhalte.

Der Eigner erklärt mir, dass er Gespräche über den Verkehr immer nur mit Deutschen führt. Verkehr läuft hier nach meiner Beobachtung so, dass alle mit voller Geschwindigkeit aufeinander zufahren und wie wild hupen. Dann müssen sie in einer Art chaotischem Pfropfen stehen bleiben und versuchen alle gleichzeitig, sich irgendwie aneinander vorbei zu winden. Die Verkehrsteinehmer können auch nicht einen Moment abwarten. Sie müssen immer versuchen, sich neben jemanden zu schieben oder zu überholen oder in keline Lücken zu schießen, selbst wenn da eigentlich gar kein Platz ist. Das ist anscheinend eine Art Reflex. Und immer wird ununterbrochen wie wild gehupt. Vielleicht wäre das weniger anstrengend, wenn man einen Sinn darin erkennen würde.

Gehe noch essen, auf einer Dachterrasse am Stufenbrunnen. Sehe unterwegs eine sehr gewagte Schaufensterdeko im blauen Stil. Die nette Bedienung im Restaurant erzählt mir, dass sie im Restaurant alle aus Nepal kommen und erzählt Geschichten aus seiner Armeezeit. Es läuft laute Dancehallmusik. Ich versuche ihm zu erklären, dass er mehr Touristen bekommt wenn die Musik leiser ist, er lächelt nur, seltsame Touristen. Esse ein Gemüsecurry, das ist mittelmäßig, oder medioker, wie der durchschnittliche Tripadviserkommentator sagt, aber immer noch besser als in Berlin. Zu Hause zahle ich das Zimmer und bekomme eine Ausgleichstüte Frühstück hingestellt, mit Bananen, Mandarinen und Cracker, da ich morgen um 5:40 los muss. Im Garten werden die Neonröhren angemacht, sehr spacig. Passend dazu ist das kleine Licht in meinem Zimmer eine blaue Glühbirne, warum gibt es denn sowas?


nächstes ziel:  Jaisalmer

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Kommentare - Beitrag

Stefan -
18.01.2020 - 18:17:25 Uhr
Hi. Wir lesen jeden Tag fleißig und sind gespannt deine neuen Erlebnisse. Wir Angsthasen trauen uns ja eh nicht dahin. Am seltsamsten aber sind für mich immer deine Versuche, doch noch mal eine billigere Bleibe zu bekommen. 4€ klingt vertrauenswürdig. Denk dran, auch schlafen ist wichtig.
Hast du schon grob eine Reiseroute für die nächsten Wochen? Wohin gehts noch so? Viele Grüße, wir folgen dir.
Nicole -
17.01.2020 - 18:18:49 Uhr
Boris! Wir le(b)sen noch! Bitte des Schreibens nicht müde werden, denn wir fiebern jedem Eintrag entgegen.
Jodhpur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 18:44 - GOOGLE MAPS 
11 Tiere streicheln Menschen

Da sich hier so viele Tierfotos ansammeln, nachfolgend mal eine kleine Auswahl.


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Jodhpur | Indien | Donnerstag - 16.01.2020 - 16:16 - GOOGLE MAPS 
10 Shabby shabby Bus

Komme halbwegs raus und laufe ohne Frühstück durch dunkle, verlassene Straßen ca. 1,5 km zum Bus. Finde den Bus und mit Verspätung gehts los. Dieser Bus hatte eine ziemlich schlechte Bewertung und das bestätigt sich leider, sehr verdreckt, es werden alle Leute eingeladen die so am Straßenrand rumstehen, was sehr viel Zeit kostet, und man will wirklich nichts anfassen, ich ziehe mir meine Kapuze über wenn ich mich anlehne. Leider war das der beste Bus für einen Morgentermin. Irgendwann auf der Strecke fahren wir über einen kleinen bewaldeten Berg. Hier sind auf einmal eine Menge großer Affen, sie sitzen in langen Linien am Straßenrand und beobachten den Bus, das ist sehr surreal.

Komme mit Verspätung in Jodhpur, der blauen Stadt, an und nehme das erstmögliche Tuktuk, handle 50 Rupien runter, aber zahle letztendlich doch mehr als für den Bus, ich will nur noch ins Hotel. Habe einem Hoteltipp der Bayern vertraut, das Zimmer ist auch originell, vor allem sehr farbenfroh, aber leider auch sehr basic und nicht so sauber wie die letzten beiden Zimmer. Es ist ziemlich staubig und die Bettwäsche möchte ich auch nicht im Tageslicht untersuchen. Gut, dass das Zimmer so düster ist. Dafür ist der muslimische Host auf zurückhaltende Art sehr nett. Ich bekomme einen Kaffee und schleppe mich erstmal in die Stadt. Schaue mir einen schönen Stufenbrunnen mitten in der Altstadt an, der geht sehr tief runter und wurde erst kürzlich saniert und saubergemacht, er war wohl vorher mit Müll vollgekippt. Über allem trohnt die riesige örtliche Festung auf dem Berg hinter der Stadt. Danach lasse ich mich durch die engen vollen Gassen treiben, viele blaue Häuser, Markt überall, tausende Läden und es zwängt sich immer noch irgendwie ein Moped oder ein Tuktuk durch. Verlaufe mich mehrfach, aber googlemaps sei Dank finde ich irgendwann den zentral am Fuß der Altstadt gelegenen Uhrenturm. Erinnere mich an den Tipp eines Kollegen und suche den Omeletteman auf. Der hat einen kleinen Stand, welcher im Wesentlichen aus einer schwarzen fettigen Pfanne, einem Bunsenbrenner und vielen Eierkartons besteht. Er hat Erwähnungen in allen Reiseführern und hinter ihm hängt sogar ein deutscher Artikel aus dem Spiegel oder so, also offensichtlich ein Geheimtipp. Esse ein Marsalaomelette und es ist ziemlich gut.

Laufe noch eine Runde und auch schon mal zur Festung hoch. Diese schließt gerade, also werde ich sie mir morgen in Ruhe anschauen. Habe mir in Tripadvisor eine Dachterrasse zum Essen rausgesucht. Schöner Blick auf einem tollen verwinkelten alten Haus mit sehr atmosphärischen bunten Innenhöfen, leider wird es abends ziemlich kühl. Esse ein radjastanisches Gericht, lange getrocknete Bohnen, Linsen und Kapern in einer Art Curry. Habe es extra ein wenig scharf bestellt und das ist es dann auch, sehr lecker. Dazu gibt es Naan und Chapati als Begleitbrote. Ich habe im Land bisher noch keinen Reis gegessen und vermisse es bisher auch nicht. Die Brote waren bislang aber auch sehr gut und alle Leute die ich bisher getroffen habe lieben Naan. Zum Nachtisch gibt es eine Art Milchreis mit Safran, bzw. vielleicht auch nur Lebensmittelfarbe, etwas gewöhnungsbedürftig aber essbar.

Ich schlender nach Hause mit einem Prozent Strom auf dem Handy und habe etwas Angst, dass ich ohne googlemaps das Hotel nicht mehr finde. Komme gerade so an. Ich merke langsam, dass mich das ewige Gehupe und der Stress mit den rasenden Mopeds und Tuktuks ziemlich aggressiv machen, vielleicht muss ich doch schneller in den vielleicht etwas entspannteren Süden. Ich lasse mir eine zweite Decke geben, da es wieder ziemlich kalt wird und setze mich alleine noch ein bisschen in den bunten Innenhof meiner Unterkunft, für mich wird sogar extra der kleine Springbrunnen angemacht.


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